02.06.2014 13:38 |

Sitzt im Gefängnis

Hoeneß hat Haftstrafe in Landsberg angetreten

Zweieinhalb Monate nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung hat Uli Hoeneß am Montag seine Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech angetreten. Das Münchner Landgericht hatte Hoeneß am 13. März wegen Steuerhinterziehung schuldig gesprochen und zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der Ex-Bayern-Präsident hatte dem Fiskus mit einem Geheimkonto in der Schweiz mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern vorenthalten. Seine Selbstanzeige wertete das Gericht als unzureichend.

Der Beginn der Gefängnisstrafe hatte sich bereits Montagvormittag abgezeichnet. Journalisten und Schaulustige versammelten sich daher vor dem Gefängnistor. Doch niemand konnte einen Blick auf Hoeneß erhaschen.

Als sogenannter Selbststeller, der nicht aus der Untersuchungshaft ins Gefängnis muss, konnte sich Hoeneß innerhalb einer Zwei-Wochen-Frist den Tag des Haftantritts selbst aussuchen. Kurz vor 12 Uhr fuhr eine silberne Limousine durch den Seiteneingang. Ob der 62-Jährige darin saß, ist aber unklar. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks hatte Hoeneß sich in der Früh noch wie üblich frische Semmeln beim Bäcker in seinem Wohnort Bad Wiessee am Tegernsee gekauft.

Vorerst geschlossener Vollzug für Hoeneß
Zunächst muss Hoeneß seine Strafe im sogenannten geschlossenen Vollzug absitzen. Der offene Vollzug beginnt üblicherweise 18 Monate vor dem voraussichtlichen Haftende. Hoeneß könnte bei guter Führung nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe entlassen werden, also nach zwei Jahren und vier Monaten. Das wäre im Herbst 2016.

Zieht man davon die 18 Monate ab, dürfte Hoeneß bereits nach rund zehn Monaten geschlossenem Vollzug, also im nächsten Frühjahr, mit spürbar gelockerten Haftbedingungen rechnen. Ausgang, Urlaub und Freigang würden dazugehören. Freigänger kehren abends in die Zelle zurück. Tagsüber gehen sie in relativer Freiheit einer geregelten Arbeit nach.

Hoeneß akzeptierte zwar die Haftstrafe als solche. Er war aber juristisch gegen die Verbüßung der Haft im Gefängnis von Landsberg am Lech vorgegangen - offenbar erfolglos. Er sah seine Privatsphäre verletzt, weil die Justiz Ende März mehr als 150 Journalisten das dortige Gefängnis gezeigt und sogar Haftzellen geöffnet hatte. Außerdem befürchtete der prominente Gefangene, dass Mithäftlinge oder Justizbeamte Details vom Alltag hinter Mauern des ehemals wohl mächtigsten Mannes im deutschen Fußball ausplaudern könnten.

Baldige Verlegung möglich
Vielleicht wird Hoeneß aber schon bald in die Außenstelle Rothenfeld des Landsberger Gefängnisses nahe Andechs im Landkreis Starnberg verlegt. Der Gutsbetrieb dient seit 1995 als arbeitstherapeutische Einrichtung. Hohe Mauern und Stacheldraht sucht man vergebens. Die Insassen können sich im Gelände frei bewegen. Zwischen zehn und 15 Gefangene versorgen dort Rinder, Ziegen, Damwild und Geflügel oder helfen bei der Arbeit im Gemüsegarten und im Wald.

Doch zunächst sitzt er in Landsberg. Malzkaffee, Brot und Marmelade zum Frühstück. Kartoffelsuppe, Schinkennudeln und Salat zu Mittag, abends Brot, Käse und Margarine stehen auf dem Speisezettel. Wecken um 5.50 Uhr, Arbeitsbeginn 7 Uhr, Mittagspause von 11 bis 12 Uhr, dann wieder Arbeit, zwei Stunden Freigang nachmittags, "Generaleinschluss" in der Zelle um 19 Uhr.

Eine Zelle in dem über 100 Jahre alten Gefängnis misst acht Quadratmeter: Tisch, Bett, Stuhl, Waschbecken, Toilette, Spind. Als Luxus ein Fernseher, aber natürlich ohne Pay-TV. Mehr steht den Häftlingen nicht zu, Handy oder Laptop sind tabu. Hoeneß muss dunkelblaue Anstaltskleidung tragen, nur beim Freigang darf er einen Jogginganzug haben.

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