Mutig, visionär, hartnäckig: Vor zehn Jahren starb die große Baukünstlerin Zaha Hadid. Auch in Österreich hat sie großartige Bauten hinterlassen.
Es ist ein „raumgewordenes Äquivalent zur Wucht der Berggipfel, die den Besucher der Innsbrucker Innenstadt auf Schritt und Tritt mit ihrer Schönheit – fast möchte man sagen – bedrohen.“ Die Jury sprach klare, ja begeisterte Worte über Zaha Hadids Entwurf für die Bahn auf die Innsbrucker Hungerburg, mit ihren vier Stationen und einer Schrägseilbrücke.
Die 1950 in Bagdad in eine wohlhabende Familie geborene Architektin lässt so diese Bergfahrt zum spektakulären, architektonischen Erlebnis werden. „Zaha Hadid baute Häuser, die fliegen können“ titelte die „Süddeutsche Zeitung“, als die Architektin im März 2016 überraschend mit 65 Jahren in Miami starb. Abheben kann man tatsächlich auf der Bergisel-Schanze, mit der Hadid Tirols Hauptstadt ein futuristisches Wahrzeichen geschenkt hat.
Sie behauptete sich in der Männerdomäne Architektur wie keine andere vor ihr. Eine Visionärin, die es in den Olymp geschafft hat: Als erste Frau bekam sie 2004 den Pritzker-Preis, quasi der Nobelpreis der Zunft, verliehen – und reihte sich so in eine Reihe etwa mit Hans Hollein, Frank Gehry, Norman Foster, Peter Zumthor oder Rem Koolhaas ein. Letzterer war nicht nur ihr Lehrer, sondern auch als Mentor und Freund wichtig für ihre Karriere.
Hadid studierte bis 1971 Mathematik in Beirut und wechselte dann nach London, um von 1972 bis 1977 an der Architectural Association School (AA) zu studieren, wo auch Koolhaas ihr Lehrer war. Er und sein Partner Elia Zenghelis erkannten Hadids Talent früh und holten sie in ihr Büro. Sie blieb sechs Monate und lehrte dann selbst zehn Jahre am AA in London, das ihre Wahlheimat wurde.
Schon zu Lebzeiten war die irakisch-britische Architektin weltberühmt. Bis zu ihrem unerwartet frühen Tod mit 65 Jahren im Jahr 2016 konnte sie mit ihren Büros mehr als 75 architektonische Projekte realisieren. Zu ihren bekanntesten Bauten zählen u. a. das Guangzhou Opernhaus in China (2010), das London Aquatics Centre für die Olympischen Spiele 2012, das Heydar-Aliyev-Zentrum in Baku (2012), Galaxy Soho in Peking (2013), das Hafenhaus in Antwerpen (2016) und das Hotel Opus in Dubai (2020). Hadid setzte sich auch vehement für mehr weibliche Kolleginnen ein. Sie lehrte neben der Angewandten auch in Harvard, Yale, Columbia und in Hamburg. Ihr langjähriger Partner Patrik Schumacher führt mit Zaha Hadid Architects weiterhin große Kultur-, Unternehmens-, Wissenschafts-, Sport- und Infrastrukturprojekte auf der ganzen Welt aus.
Koolhaas beschrieb Hadids Wirken als „eine Kombination aus Schönheit und Stärke“. Die brauchte sie auch, denn bis die Vorreiterin des Konstruktivismus, den sie später in fließende, schwebende Kurven und Flächen verwandelte, ihre Visionen tatsächlich umsetzten konnte, dauerte es. Ihre Feuerwache für Vitra in Weil am Rhein markierte 1993 den Übergang von der „Papierarchitektin“ zur real Bauenden.
Von 2000 bis 2015 war sie geschätzte Professorin für Architektur an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Umso erstaunlicher, dass sie nur zwei Bauten in der Stadt realisieren konnte. Wobei sie sich von ihrem reduziert und verändert ausgeführten Entwurf für Wohnbauten an der Spittelauer Lände später distanzierte. So geben in Wien nur die dramatisch stürzende Fassade und der spektakuläre raumschiffartige Innenraum des Library & Learning Center auf dem neuen WU Campus Zeugnis von ihrer großen Kunst.
Ganz wie sie der berühmte Kollege Sir Norman Foster würdigte: „Es war Zahas Triumph, dass sie über die schönen grafischen Visionen ihres skulpturalen Architekturansatzes hinausging und diese in die Realität umsetzteSie war eine Person mit großem Mut, Überzeugung und Hartnäckigkeit. Es ist selten, diese Eigenschaften in Verbindung mit einem freien kreativen Geist zu finden.“
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