Sportdirektor Stecher

ÖSV-Krise? „Dann haben wir wieder ein Problem“

Ski Alpin
03.03.2026 10:18
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Von krone Sport

Steckt der ÖSV in der Krise? Immerhin haben die Speed-Herren mit 23 Abfahrten ohne Sieg einen Negativrekord aufgestellt. Sportdirektor Mario Stecher warnt: „Wenn die Arrivierten den Skischuh an den Nagel hängen, haben wir wieder ein Problem.“

23 Herren-Abfahrten ohne Erfolg – eine Zahl, die im österreichischen Skisport schmerzt. Seit dem Sieg von Vincent Kriechmayr in Soldeu im März 2023 herrscht Funkstille auf dem obersten Treppchen. In der Sendung „Sport und Talk im Hangar 7“ auf ServusTV wurde die aktuelle Lage offen analysiert. ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher will trotz der ernüchternden Bilanz nicht in Panik verfallen. „Wir sehen sicher nicht so alt aus. Vincent Kriechmayr ist immer noch bereit, große Erfolge zu feiern, wie er das über viele Jahre gemacht hat. Er wird entscheiden, wie er weitermacht. Es muss aber ein Mix sein. Ein gewisses Alter ist nicht zu alt, um guten Sport zu zeigen. Man macht es sich zu leicht, wenn man nur nach dem Alter geht.“

Stecher betont die Bedeutung der Routiniers. „Es muss sukzessive wieder vorangehen. Wenn die Arrivierten den Skischuh an den Nagel hängen, haben wir wieder ein Problem. Im Schatten dieser können sich Junge noch besser vorbereiten und im Sog der Großen schon Ergebnisse liefern.“

Vertrauen in den Nachwuchs: „Dürfen uns nicht schlechtreden“
Der Blick richtet sich zwangsläufig nach unten. Stecher sieht jedoch im Unterbau großes Potenzial. „Wir dürfen uns nicht schlechtreden, wir sind gut aufgestellt. Unsere Ski-Talente gewinnen das Longines-Cup-Nachwuchsrennen am Ganslernhang seit Jahren regelmäßig. Wir brauchen Vertrauen in diese jungen Fahrer. Aber die junge Athletin, der junge Athlet braucht viel Zeit. Dann können wir auch den Schritt Richtung Weltspitze machen.“

ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher
ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher(Bild: ServusTV / Neumayr / Christian Leopold)

Mit dem „Konzept 2030“ soll der österreichische Weg neu definiert werden. „Es bringt die jungen Leute auf Schiene. Wir wollen einen österreichischen Weg gehen. Der Spaß gehört dazu. Eines der wichtigsten Dinge ist trotzdem, zwischen den Stangen schnell zu sein. Man muss Fehler zulassen. Man kann nicht wie der Ausbildner fahren. Fehler darf man auch in jungen Jahren machen.“

Auch mit Blick auf internationale Vergleiche bleibt Stecher optimistisch. „Wenn wir gegen andere Nationen mit 13, 14 Jahren die Besten haben, ist der Grundstock nicht schlecht.“

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Das Geld von oben könnte man einmal einsparen und unten verwenden.

Ski-Legende Fritz Strobl

Konkurrenz hat aufgeholt
Doch die Realität ist hart. Andere Nationen sind näher gerückt oder sogar vorbeigezogen. „Andere Länder haben sich weiterentwickelt und haben nun mindestens das Level vom ÖSV. Das ist anders als früher“, räumt Stecher ein.

Ex-Skirennläufer Philipp Schörghofer sieht strukturellen Nachholbedarf. „Die Schweizer haben unser System vor ein paar Jahren kopiert. Wir brauchen jetzt wieder ein neues System, um wieder schlagkräftig zu sein. Auch im Europacup spiegeln sich aber dieselben Ergebnisse wider. Wichtig ist, dass der Sport auch in den Schulen wieder mehr Stellenwert bekommt. Wenn du in keine Schwerpunktschule gehst, ist das nicht der Fall.“

Philipp Schörghofer
Philipp Schörghofer(Bild: ServusTV / Neumayr / Christian Leopold)

Ski-Legende Fritz Strobl fordert mehr Wettkampfmentalität von klein auf: „Kinder können sich schon von klein auf messen. Wenn man beim Fußball die Tore nicht zählt, macht es keinen Sinn. Auch beim Skifahren will man der Beste sein. Von Allmen oder Franzoni zeigen vor, dass man auch Spaß haben kann. Das Vertrauen brauchen die Eltern, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Das Geld von oben könnte man einmal einsparen und unten verwenden.“

Fritz Strobl
Fritz Strobl(Bild: ServusTV / Neumayr / Christian Leopold)

Geduld statt Schnellschuss
„Im Sport kann es oft schnell gehen. Im Skisport muss man reif werden, Muskulatur aufbauen und so weiter. Das geht nicht von heute auf morgen“, so Stecher. Mit Christian Mitter als neuem sportlichen Leiter hofft man auf starke Impulse. „Er weiß, wovon er spricht. Ich kann versichern, dass man in Norwegen bis auf zwei Monate Ski fährt. Aber mit Spaß. Das gehört dazu.“

Christian Mitter wurde letztes Jahr neuer Sportlicher Leiter im Österreichischen Skiverband.
Christian Mitter wurde letztes Jahr neuer Sportlicher Leiter im Österreichischen Skiverband.(Bild: Christof Birbaumer)

Durststrecke als Chance?
Die Erfolglosigkeit der Speed-Herren ist eine Tatsache. Der ÖSV sieht darin jedoch auch eine Phase der Neuorientierung. Vielleicht ist genau diese Durststrecke nötig, um das System neu zu schärfen. Denn eines ist klar: 23 Abfahrten ohne Sieg sind für uns als Ski-Großmacht Österreich kein Dauerzustand.

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