Jerusalem ist kein direktes Angriffsziel – und doch sind die Auswirkungen des Krieges spürbar. Rektor Lucas Maier erklärt, warum das Austrian Hospiz trotz Konflikten und wirtschaftlichen Belastungen geöffnet bleibt.
Trotz der angespannten Sicherheitslage in Israel bleibt das Austrian Hospiz in der Altstadt von Jerusalem geöffnet. Rektor Lucas Maier schildert die Situation vor Ort als ernst, aber kontrollierbar – zumindest was die unmittelbare Sicherheit betrifft. „Uns allen – Gästen, Mitarbeitern und Zivildienern – geht es gut“, betont der Rektor. Die israelischen Abwehrsysteme funktionierten, zudem verfüge das Haus über einen eigenen Schutzraum. Auch die besondere Lage zwischen Grabeskirche, Felsendom und Klagemauer biete zusätzlichen Schutz.
Gestrandete Gäste bei gesperrtem Luftraum
Noch befinden sich einige Gäste im Haus. Manche sind aufgrund des gesperrten Luftraums unfreiwillig gestrandet, andere hätten sich bewusst entschieden, in Jerusalem auszuharren. Direktes Ziel der Angriffe sei die Stadt derzeit zwar nicht, dennoch seien die Auswirkungen deutlich spürbar. Besonders hart betroffen: der Pilgertourismus. Flugausfälle führen zu Stornierungen, was wiederum Arbeitsplätze gefährdet. „Vor allem die vom Pilgerwesen abhängige christliche Bevölkerung leidet“, beschreibt Maier die Lage in der Altstadt.
Gemischte Stimmung in der Altstadt
Das aktuelle Gefühlsbild in Jerusalem sei jedenfalls gemischt. Während einige das Ende der Herrschaft von Ali Khamenei begrüßen würden, werde das iranische Regime sowohl von Teilen der israelischen als auch der palästinensischen Bevölkerung als Bedrohung wahrgenommen. Der iranischen Zivilbevölkerung begegne man hingegen überwiegend positiv – nicht zuletzt, weil viele jüdische Israelis selbst iranische Wurzeln haben. Von Jubel auf den Straßen könne dennoch keine Rede sein. Die Eindrücke der vergangenen Wochen und die weiterhin akute Gefahr durch Raketenbeschuss wiegen schwer. Besonders betroffen sei der Ballungsraum an der Mittelmeerküste – von Ashdod über Tel Aviv bis nach Haifa. Hinzu komme die Unsicherheit darüber, wie lange die Kampfhandlungen noch andauern werden. „Wir hoffen auf einen kurzen Konflikt, damit wieder Normalität einkehren kann“, sagt der Rektor.
Finanzielle Reserven schwinden
Unabhängig vom aktuellen Konflikt beschreibt Maier die Lage für das Hospiz als prekär. Nach sechs Jahren Pandemie und wiederholten kriegerischen Auseinandersetzungen seien die finanziellen Reserven nahezu aufgebraucht. Eine dringend notwendige Renovierung des traditionsreichen Hauses müsse erneut verschoben werden. Gleichzeitig unterstreicht Maier den besonderen Charakter der Einrichtung: „Wir sind eine kirchliche Stiftung, kein gewinnorientiertes Hotel“. Es sei ein zentrales Anliegen, den Betrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Als neutraler Boden verstehe sich das Hospiz als Begegnungsstätte für Christen, Muslime und Juden gleichermaßen.
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