SPÖ-Chef Andreas Babler meldet sich erstmals nach dem roten Machtkampf im „Krone“-Interview zu Wort und ruft seine Partei nach den wochenlangen Personaldebatten zur Geschlossenheit auf. Vom Parteitag am 7. März erwartet sich der 52-Jährige, der nach dem Rückzieher von Ex-Kanzler Christian Kern nun der einzige Kandidat ist, ein gutes Ergebnis. Auf „Zahlenspiele“ lässt er sich aber nicht ein.
„Krone“: Seit Sie die Partei übernommen haben, rumort es immer wieder. Warum kommt die SPÖ intern nicht zur Ruhe?
Andreas Babler: In innerparteilichen Diskussionen richtet man sich nichts öffentlich aus. Das schadet der Partei. Diese Meinung eint uns alle. Ich glaube, diese Erkenntnis hat sich durchgesetzt. Ich will gar nicht nachdenken, wo wir schon sein könnten, auch in Umfragen, wenn diese öffentlichen Debatten, die einige wenige führen, nicht gewesen wären.
Es gibt offensichtlich einige Landesparteichefs, die gegen Sie als Parteichef sind. Wie wollen Sie die Gegner ins Boot holen?
Wir brauchen Geschlossenheit in der Partei, wenn es darum geht, dieses Land wieder aus dem Abstiegskampf herauszuführen. Meine Hand ist ausgestreckt. Ich habe mich an der Personaldebatte nicht beteiligt. Ich muss mich darauf konzentrieren, die Schlagkraft der SPÖ in dieser Bundesregierung völlig entfalten zu können.
Die SPÖ hat bei der Nationalratswahl das schlechteste Ergebnis aller Zeiten eingefahren und ist nach einem Jahr in der Regierung in den Umfragen weiter abgerutscht. Wie erklären Sie sich das?
Wir haben gemeinsam die Entscheidung getroffen, in die Regierung zu gehen. Wir haben damals schon gewusst, dass das keine einfache Situation wird, bei dem Scherbenhaufen, den wir übernommen haben. In dieser harten Zeit ist es für alle regierenden Parteien schwer, Umfragen zu gewinnen. Wir sehen, dass das Vertrauen in Regierende allgemein verloren gegangen ist. Und das nicht ohne Grund, wenn ich die letzten Regierungen anschaue. Wir kämpfen um dieses Vertrauen und haben Ergebnisse geliefert. Wir haben die Teuerung innerhalb eines Jahres halbiert und das Wirtschaftswachstum schon dreimal nach oben korrigiert. Als Nächstes werden wir eine Strukturreform in der Gesundheit angehen.
Was werden die inhaltlichen Schwerpunkte des Parteitags am 7. März sein und welches Ergebnis erwarten Sie sich für Ihre Wiederwahl als SPÖ-Vorsitzender?
„Ordnen statt Spalten“ ist das Motto des Parteitags. Beim Ergebnis geht es nicht um Prozentfragen, sondern um ein wichtiges Signal nach außen. Die Sozialdemokratie braucht ihre volle Stärke, um möglichst wirksam im Land zu sein. Diese Überzeugung muss eigentlich jeder in der Partei teilen. Ich bin viel in der Tiefe der Bundesländer unterwegs, in den Bezirken, mit Bürgermeistern, mit Ortsparteivorsitzenden und in Regionalkonferenzen. Das unterscheidet mich vielleicht auch von meinen Vorgängern. Und da spüren wir schon, dass das einen Sinn macht, dass wir die Verantwortung übernommen und Österreich aus dem Abstieg herausgeführt haben.
Der frühere burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl hat sich als Kandidat für die Bundespräsidentenwahl 2028 in Stellung gebracht. Werden Sie ihn unterstützen?
Wir sollten und wir werden das geordnet in den Parteigremien diskutieren und uns nicht öffentlich irgendwelche Namen ausrichten.
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