75 Jahre lang gab es einen Greißler im kleinen Ort Fahrafeld bei Böheimkirchen in NÖ. Doch diese Zeiten sind vorbei. Gernot Geppl sperrte den Laden für immer zu. „Ich habe genug von der Sekkiererei“, gibt der 51-Jährige nun nicht zuletzt wegen der Pfandflaschenpflicht auf.
Zwei Gastwirte, zwei Gemischtwarenhändler, ein Sägewerk, einen Schmied und einen Viehhändler zählte der 300-Seelen-Ort Fahrafeld im Bezirk St. Pölten vor 90 Jahren. Bis auf ein Gasthaus ist davon nichts mehr geblieben. Denn mit Jahresende hatte auch Greißler Gernot Geppl zugesperrt. Nur mehr letzte Warenbestände sind aktuell noch zum Aktionspreis erhältlich.
„Jeder kannte jeden“
Mit dem kleinen Geschäft schloss ein 75 Jahre alter Traditionsbetrieb für immer seine Pforten. „Es war eine schöne Zeit, jeder kannte jeden“, erinnern sich seine Eltern Franz und Josefa. Sie standen jahrzehntelang im Laden, ehe Gernot Geppl das Geschäft übernahm. „Es war ein Ort der Begegnung, wir kannten alle unsere Stammkunden und ihre Bedürfnisse. Immer wieder war etwas los zu Anlässen, wie im Advent oder im Fasching. Der Ort war lebendig, heute wird es immer stiller“, ist Geppl nachdenklich.
Beim Einheben der Steuern sind sie schnell, aber wenn du dann einmal Hilfe brauchst, sind sie taub.
Gernot Geppl
Automat für zigtausend Euro
Den Entschluss, aufzugeben, fasste er im Jahr 2024 – als er von der bevorstehenden Pfandflaschenpflicht erfuhr. „So ein Automat hätte zigtausend Euro gekostet. Oder wahlweise ein Sack, was aber schwierig wäre, mit Etikettierung, Lagerung, Logistik und vor allem auch der Diebstahlsgefahr“, betont er. Geppl ist überzeugt: „Als Kleiner bist du immer der Dumme. Beim Einheben der Steuern sind sie schnell, aber wenn du dann einmal Hilfe benötigst, sind sie taub. Zum Beispiel während der Corona-Pandemie bekam ich nichts, weil ich neben dem Geschäft noch eine Tankstelle und einen kleinen Imbiss hatte.“
Ärger wegen Imbiss
Die „Sekkiererei“, wie Geppl sie nennt, habe schon vor rund zehn Jahren mit der Registrierkassenpflicht begonnen. „Da ich auch einen Imbiss betrieben habe, musste ich extra die Kassa mit einem Imbiss-Eingabeknopf umbauen. Aber eben in der Pandemie wurde auf mich wegen des Imbisses vergessen.“
Kontrolle kurz vor Schließung
Sogar noch am vorletzten Öffnungstag kurz vor Silvester habe er Besuch von Monopolkontrolleuren erhalten. „Da kommen extra junge Menschen, die volljährig aussehen, aber es nicht sind. Und die wollen dann Zigaretten oder Alkohol kaufen. Und wer bezahlt diese Kontrollen: Ja genau wir“, schüttelt Geppl den Kopf.
„Haben viel mitgemacht“
Sein Geld verdient Geppl schon länger als selbstständiger Forstunternehmer. „Nur mit dem Geschäft wäre ich nicht über die Runden gekommen.“ Sein Vater ergänzt: „Wir haben viel mitgemacht als kleiner Händler und haben unser Leben lang sehr hart gearbeitet. Und heute sperrt ein Greißler und ein Wirtshaus nach dem anderen zu. Leider stirbt damit auch der Zusammenhalt einer Ortschaft aus.“
„Regierung zerstört Familienbetriebe“
Genau das kritisiert auch Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer. „Das ideologiebetriebenes Pfandmonster der Bundesregierung war für einige Greißler der Todesstoß, wie man sieht. Dadurch wird den Kleinen das Licht abgedreht und traditionelle Familienbetriebe zerstört“, so der Freiheitliche.
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