2025 stand ganz im Zeichen des Kärntner Popkünstlers Rian. Mit drei Amadeus Awards und ausverkauften Shows quer durchs Land erntete er den Hype, den er schon seit Jahren via TikTok aussendet. Nun erscheint endlich sein Album „Blumendisko“ – und Rian erzählt uns im Interview, worum es darauf geht und wie er persönlich das Jahr 2025 erlebt hat.
„Krone“: Rian, bis zum Debütalbum hat es jetzt doch ziemlich lange gedauert, wenn man deine Karriere über die letzten Jahre hinweg zurückdenkt – insofern kennt man natürlich schon viele der Nummern. Welche Bedeutung hat so ein Gesamtwerk für dich persönlich als Musiker?
Rian: Ich war immer der Meinung, dass wenn ich ein Album mache mit meinem Projekt, dann muss es auch wirklich passen. Deshalb ist es jetzt umso schöner für mich endlich eins zu haben, es fühlt sich so ein bisschen wie ein Etappen-Ziel an. Aber ein großes.
Wie lang habt ihr insgesamt daran geschraubt und gearbeitet? Und was hast du auf dieser Reise über dich als Musiker und Persönlichkeit dazugelernt oder neu entdeckt?
Die Songs sind fast alle in den letzten zwei Jahren entstanden. Der Prozess bzw. die Reise geht aber schon viele Jahre, es war ein langer Weg auch da hinzukommen, wo ich sagen kann, ich weiß was ich will und wie es klingen muss. Das bin jetzt ich. Da spielt die persönliche Entwicklung auch eine große Rolle, ich habe so viel über mich selbst lernen dürfen und vielleicht auch die Fehler gemacht, die es braucht. (lacht)
Soll das Album dich jetzt endgültig als den Künstler widerspiegeln, der du wirklich bist. Welches Statement ist „Blumendisko“ in deinem Leben?
Auf jeden Fall, es fühlt sich jetzt auch so an als wäre ich angekommen. Ich weiß zwar nicht wo, aber das ist egal, solange es sich richtig anfühlt. Die „Blumendisko“ ist für mich ein Raum, wo das innere Kind noch genügend Platz hat sich auszutoben.
Was bedeutet die „Blumendisko“ aus deiner Sicht? Der Titel klingt so lebensbejahend wie deine Lieder, aber was steckt genauer dahinter und wie repräsentiert er das gesamte Album?
Die „Blumendisko“ ist einerseits ein bisschen die musikalische Richtung bzw. das Genre, wie ich meine Musik beschreiben würde und zum anderen ist es der Ort, wo all die Geschichten der Songs stattfinden und beispielsweise der Humor, die Wahrheit und die Peinlichkeit gemeinsam tanzen lernen – das finde ich einen schönen Gedanken.
Ich finde, dass man in deinen Liedern sehr viele musikalische Parallelen zwischen US-Punkrock, altem Rock’n’Roll mit Surfgitarren („Homeoffice“) oder dem erzählerischen Duktus von Reinhard Mey findet. Sind das alles Vorbilder von dir bzw. fischt du in so vielen unterschiedlichen musikalischen Gewässern?
Ich habe mir mit Vorbildern immer schwergetan bzw. hatte ich nie so bestimmte. Es gibt unzählige Personen und Dinge, die mich ständig inspirieren und ich glaube meine Neugier lässt das gar nicht zu, dass ich mich zu lange an „nur“ ein paar Vorbildern festhalte. (lacht)
Ist das Lied „Ich bin kein Arzt“ unter den Eindrücken der politischen Zuspitzung weltweit entstanden – oder ist es einfach eine klare Laiendiagnose, dass viele Menschen Arschlöcher sind?
Ich würde es eher als Laiendiagnose bezeichnen – da kann sowohl der Präsident als auch der Nachbar gemeint sein. Wir Menschen werden uns wohl nie in allem einig sein, aber in diesem Fall würden wohl alle zustimmen, dass Arschlöcher existieren.
Bist du in deinem Leben schon oft den falschen Menschen auf den Leim gegangen und entstand das Lied daraus?
Ich würde jetzt nicht oft sagen, aber ja natürlich, das gehört auch zum Leben dazu. Die Erfahrungen muss man vielleicht machen, damit man die guten Menschen um sich schätzen kann. Und den anderen wird dann zumindest ein Song gewidmet.
„Homeoffice“ etwa klingt wie ein Plädoyer für ebenjenes, setzt sich aber auch kritisch mit dem Leistungsdruck und Dauererreichbarkeit auseinander. Hast du dahingehend selbst viel erlebt und wie könnte eine ideale, gegenwärtige Arbeitswelt aussehen?
Ich glaube, dass der Druck in der heutigen Arbeitswelt und auch natürlich Social Media mit dieser ständigen Präsenz uns einfach viel zu viel wird. Der Song beschreibt Homeoffice als Szenario so wie ich es zumindest allen Menschen, die ohnehin schon zu viel arbeiten, wünsche. Da wären einige vielleicht schon etwas entspannter. Der Chef darf halt nichts davon wissen.
Deine Lieder sind von einer gewissen Leichtigkeit durchzogen, es finden aber schon auch immer wieder ernste Themen Platz im spaßigen Kanon. Muss die musikalische Freude aber überwiegen und wenn ja, warum?
Muss sie nicht, aber das ist meine Art mit Dingen umzugehen. Mit Humor lassen sich so viele Dinge lösen, aber auch ansprechen. Und ich finde die Welt ist ohnehin manchmal schon finster genug, da schadet so ein bisschen Leichtigkeit auch nicht.
Zum Thema „Fehler passieren“ – was sind die größten Fehler, die dir im Leben passiert sind und redest du dich auch gerne auf die Astrologie raus, anstatt dich selbst zu reflektieren?
Ich habe früher oft Ausreden gesucht, auch wenn es nicht die Astrologie war. Aber mittlerweile habe ich gelernt, für Fehler einzustehen und selbst zu reflektieren. Sonst kommst du im Leben auch nicht weiter. Ich wüsste jetzt keinen größten Fehler, aber ich kann von vielen kleinen erzählen, wo man auch manchmal was daraus lernt. Ich habe zum Beispiel gestern meinen Toast verbrannt. Ich wäre jetzt beim nächsten Mal vielleicht selbstreflektiert genug, einen Timer einzustellen.
Verwebst du in deine Lieder ausschließlich autobiografische Themen bzw. Dinge die du selbst erlebt hast oder entsteht viel aus einer beobachtenden Perspektive?
Auch wenn einige Dinge autobiografisch sind, fühle ich mich in der Beobachterrolle viel wohler. Ich glaube ich bin relativ gut darin und es macht mir auch Spaß. Ich höre oft lieber zu anstatt zu reden, da kriegt man mehr mit. Vor allem bei Verwandtschaftstreffen.
Ist Rian nun wirklich „Homo Perfectus“, wie er im „Narzissmus-Walzer“ besingt oder fehlt da noch was, bis es soweit ist?
(lacht) Meilenweit davon entfernt, zum Glück! Perfekt ist doch das langweiligste, was es gibt.
Schmäh ohne: Ist das eine Kritik an die Positivposter-Internetgesellschaft, deren Instagram-Accounts keiner Realität standhalten können? Und kann der Narzissmus in der Gesellschaft noch aufgehalten werden?
Ja, würde ich schon sagen. Ich bin kein Fan von Selbstdarstellung, wenn der Inhalt fehlt. Und ich kann mit Arroganz und Menschen, die sich besser fühlen, wenig anfangen. Ich glaube nicht, dass sich Social Media in dieser Form ewig halten kann. Ich habe die Hoffnung, dass alles wieder menschlicher wird.
Vor knapp drei Jahren hast du mit „Schwarzes Schaf“ über TikTok deinen großen Durchbruch gefeiert, seitdem ging es im rasanten Tempo bergauf. Wie hast du die letzten Jahre selbst erlebt und reflektiert? Was hat sich in deinem Leben alle verändert?
Es fühlt sich an wie eine Achterbahnfahrt und ich sitze drin und fahre nur mit. Es ist eine Überforderung, aber eine positive. Ich habe so viele schöne und unvergessliche Dinge erleben dürfen in den letzten Jahren, da bin ich schon unendlich dankbar und auch froh, dass ich jetzt das machen kann, wovon ich immer geträumt habe. Natürlich hat es auch hier nicht nur Gutes gegeben und man muss sich auch an Dinge wie etwa „das Erkanntwerden“ gewöhnen. Aber die positiven überwiegen und das ist das Wichtigste.
Drei Amadeus-Awards, ausverkaufte Shows in Österreich und Deutschland, Millionenzugriffe auf Spotify – spürst du langsam auch den Druck, der bei so viel Erfolg auf einen lastet? Bzw. wie kannst du dich Drucksituationen am besten entziehen?
Ich bin zum Glück relativ druckbefreit, zumindest was den Erfolg angeht. Ich gehe da immer mit dem Gedanken rein, dass ich einfach mein Bestes geben kann und fertig. Wenn das nicht reicht, dann ist das auch okay. Aber mir ist es viel wichtiger, die Leichtigkeit und Echtheit nicht zu verlieren.
Du hast auch mit sehr vielen starken Künstlern gespielt und die Bühne geteilt – was hast du da alles mitgenommen für dich?
Natürlich sehr viel, man lernt mit fast jedem Auftritt dazu. Und die Erfahrung ist eines der wichtigsten Dinge im Live-Geschäft. Und es soll ja auch immer besser werden, da bin ich schon sehr froh, dass ich schon viel gespielt habe in den letzten Jahren.
Auch 2026 steht wieder ganz im Zeichen vieler Live-Gigs – was sind deine Ziele für dieses Jahr? Was dürfen wir uns von deinen Konzerten erwarten/erhoffen? Und wie geht es mit Liedern nach dem Album weiter? Hast du schon die nächsten Songs im Köcher?
Das Ziel dieses Jahr ist auch wieder so oft wie möglich auf der Bühne zu stehen, für mich gibt es nichts Schöneres als Menschen zu unterhalten. Das ist auch der wichtigste Punkt bei jedem Auftritt und das darf man sich auch bei einer Rian-Show erwarten. Ich arbeite natürlich auch schon wieder an neuen Songs, mal sehen wann, wo, was, wie. Das steht Stand jetzt noch in den Sternen. Ohne das als astrologische Ausrede zu meinen.
Live in Österreich
Im April präsentiert Chartstürmer Rian seine „Blumendisko“ live in ganz Österreich. Von 9. bis 25. April ist er quer durchs ganze Land unterwegs, doch die Konzerte sind rundum ausverkauft – übrigens auch in Deutschland. Bleibt uns nur, die Platte zu genießen und auf weitere Live-Termine zu warten ...
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