Einen Tag nach dem Wahlbeben stellt sich auf der politischen Bühne in St. Pölten vor allem eine Frage: Wer wird neben den Sozialdemokraten die zweite Geige spielen? Ein „Duett“ dürfte dabei die Favoritenrolle einnehmen.
Es war das Jahr 1960. Damals musste mit Rudolf Singer zum letzten Mal ein SPÖ-Bürgermeister in St. Pölten auf Partnersuche gehen. Die Sozialdemokraten hatten sich damals für die Freiheitlichen entschieden, die bei ihrem ersten Antreten in der Landeshauptstadt 4,6 Prozent geholt hatten.
Es ging sich eine zarte Mehrheit von 22 (von insgesamt 42) Mandaten aus. Bei der Wahl 1965 holte sich die SPÖ die Absolute zurück. Sie sollte bis zum 25. Jänner 2026 halten.
SPÖ hat 19 von 42 Mandate
Nun hat Bürgermeister Matthias Stadler dieselbe Aufgabe wie damals Singer. Nach der Wahlschlappe am Sonntag reicht es für die SPÖ nur mehr für 19 Mandate. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Niederlage betonte Stadler, Gespräche mit allen Parteien in dieser Woche führen zu wollen. Umgekehrt betonten auch deren Spitzenkandidaten, gesprächsbereit zu sein. Doch in welche Richtung steuert die Landeshauptstadt?
„Die Wähler wollen Veränderung“
Für viele die wahrscheinlichste Variante: Rot-Grün. 23 Mandate hätte diese Konstellation. „Wir haben immer gesagt, dass wir gerne mitregieren wollen. Dabei bleiben wir natürlich“, betont Walter Heimerl-Lesnik, der mit den Grünen ein Mandat gewinnen konnte. Auch Martin Antauer, der mit der FPÖ der große Wahlsieger war, rechnet mit dieser Koalition, betont aber zeitgleich, dass das „ein Wahnsinn“ für St. Pölten wäre. „Die Wähler wollten Veränderung. Das hat das Ergebnis gezeigt“, gibt er zu bedenken.
„Wird nicht billig sein“
Oder kommt es zur Großen Koalition der beiden stärksten Parteien SPÖ und ÖVP? Für Spitzenkandidat Florian Krumböck hänge das in erster Linie davon ab, ob die SPÖ aus ihrem Abschneiden etwas gelernt habe. „Wir werden inhaltlich sicherlich nicht billig sein“, kündigte er an. Stadler werde in den kommenden Tagen die Parteigremien einberufen.
Opposition gegen Stadler?
Oder reicht es gar für einen oppositionellen Kraftakt, um Bürgermeister Matthias Stadler, seit 2004 Bürgermeister, aus seinem Amt zu drängen? Rein rechnerisch wären zwei Varianten möglich. Eine Koalition aus ÖVP-FPÖ-Grüne-KPÖ hätte genauso 22 Mandate und damit eine knappe Mehrheit wie ÖVP-FPÖ-Grüne-NEOS.
Aber wohl nur in der Theorie: Denn am Wahlsonntag schloss zumindest Heimerl-Lesnik (Grüne) noch aus, mit den anderen Parteien die SPÖ stürzen zu wollen.
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