Jährlich zittern zahlreiche steirische Eltern um Betreuungsplätze. Ohne Tageseltern geht es nicht, sind sich Experten einig. Rund 2000 Kinder werden in der Steiermark so betreut. Doch seit 2017 hat rund ein Viertel der Tagesmütter den Job hinter sich gelassen. Was es braucht, um den Rückgang zu stoppen.
Aktuell gibt es rund 400 Tageseltern in der Steiermark (zu beinahe 100 Prozent sind es Frauen). Sie betreuen an die 2000 steirische Kinder. Trotzdem nimmt die Anzahl der Personen, die den Job ausüben, drastisch ab. Seit 2017 haben 130 Tageseltern den Job aufgegeben. Dabei liegt es nicht an der Freude am Beruf, sondern an Bedingungen wie unbezahlten Überstunden und großer finanzieller Unsicherheit.
Die Arbeiterkammer Steiermark legt am Donnerstag eine aktuelle, repräsentative Studie vor, die Ende 2024 durchgeführt wurde (von damals noch 422 Tageseltern nahmen 300 an der Befragung teil).
„Fundamentales Eckstück für Kinderbetreuung“
„Tageseltern sind ein fundamentales Eckstück für die steirische Kinderbetreuung, viele Eltern werden auch heuer keinen Betreuungsplatz in Einrichtungen bekommen“, sagt Patrick Hart, der die Studie durchgeführt hat. AK-Steiermark-Präsident Josef Pesserl unterstreicht: „Tageseltern nehmen eine sehr wichtige Rolle ein.“
Der Großteil ist zwischen 50 und 59 Jahren alt, nur sechs Prozent sind unter 30 Jahren. Viele können sich nicht vorstellen, den Job bis zur Pension auszuüben, heißt es. Man müsse die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, um auch mehr Junge zu begeistern.
Wunsch nach Fixgehalt
Ein großes Problem ist der Verdienst. Es gibt kein Fixgehalt. Gerechnet wird pro Kind mit einem Stundensatz von 4,26 Euro pro Kind. „Wenn man vier Kinder im Vollzeitausmaß betreut, können das rund 3000 Euro sein. Aber nur die wenigsten Eltern brauchen eine 40-Stunden-Betreuung“, erklärt Karin Fechter, Betriebsratsvorsitzende des Trägervereins „Tagesmütter Steiermark“. Im Durchschnitt, so berichtet sie von ihrem Betrieb, würde eine Tagesmutter so in etwa auf 2500 Euro monatlich kommen. Brutto.
Hinzu kommen viele Unsicherheiten. Wenn ein Platz plötzlich nicht mehr gebraucht und ein Kind abgemeldet wird, kann das Gehalt innerhalb von ein paar Wochen drastisch sinken. „Wenn die Ferien beginnen oder Kinder in den Kindergarten wechseln und man nur mehr mit einem Kind dasteht, können das plötzlich 700 Euro sein“, rechnet Beatrix Eiletz, Volkshilfe-Betriebsrätin vor. „Es besteht ein hohes finanzielles Risiko, Frauen sind ohnehin schon viel stärker von Altersarmut betroffen“, erklärt AK-Abteilungsleiterin Bernadette Pöcheim. Es gäbe zwar eine Überbrückungshilfe, wie Fechter erklärt, was es bräuchte, wäre aber ein Fixgehalt.
Unbezahlte Mehrarbeit, unbezahltes Spielzeug
Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit, Dokumentationspflichten, Elterngespräche, Einkauf für die Kinder, Kochen, Kinder, die später abgeholt werden – all das sind Überstunden, die nicht extra vergütet werden. „Das sind laut Befragung rund 100 Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Tagesmutter im Jahr. Hochgerechnet auf alle steirischen Tageseltern ergibt das rund 43.000 unbezahlte Arbeitsstunden und über 600.000 Euro, die nicht vergütet werden“, erklärt Hart.
Hinzu kommen hohe Sicherheitsauflagen bzw. muss neues Spielzeug, Bastelmaterial etc. gekauft werden. Tagesmütter müssen hier oft in die eigene Tasche greifen. Mehr als 85 Prozent der Befragten gaben an, dass sie monatlich bis zu 100 Euro investieren. 59 Prozent meinten zudem, mit der monatlichen Verpflegungspauschale nicht auszukommen. „Der politische Wille ist gefragt, damit sich die Rahmenbedingungen verbessern!“, fordert Fechter.
Neos-Landesobmann Niko Swatek reagiert am Nachmittag mittels Aussendung: „Dass Tageseltern Hunderte Stunden im Jahr unbezahlt arbeiten müssen, ist schlicht nicht akzeptabel. Das Land muss endlich für verlässliche Rahmenbedingungen sorgen.“
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