Die Prüfung der Umweltverträglichkeit des geplanten Grazer Energiewerks geht in die heiße Phase. Fällt heuer der Baubeschluss, könnten ab 2030 23.000 Haushalte mit lokal erzeugter Fernwärme versorgt werden. Doch Kritiker sorgen sich um die Auswirkungen auf die Luftqualität in der Stadt.
250 Millionen Euro Investitionsvolumen, 100 neue Arbeitsplätze, 118.000 Tonnen verwerteter Abfall und 180 Gigawattstunden Fernwärme pro Jahr: Das sind die nüchternen Zahlen zum geplanten Energiewerk in der Grazer Puchstraße. Doch hinzu kommt eine berechtigte Sorge. Seit Wochen steht in Graz wieder einmal die Luft – Bürger befürchten durch den Werksbau, der noch heuer beschlossen werden soll, eine Verschlechterung.
„Ich habe Sorge, dass hier ein teures Müllverbrennungswerk gebaut wird, das gesundheits- und klimaschädlich ist“, fasst Günter Eisenhut seine Bedenken zusammen. Um ihn formierte sich eine Bürgerinitiative und sammelte 500 Unterschriften gegen das Projekt. „Man hat hier ein uraltes Projekt aus der Schublade geholt, bei dem die Energieeffizienz fraglich ist.“
Damit spielt Eisenhut darauf an, dass schon vor der Jahrtausendwende in Graz über Müllverbrennung nachgedacht wurde. Wogegen man sich lange wehrte, wird nun mit Zuspruch der Stadtregierung umgesetzt. Allerdings mit „Technologien, die State of the Art sind“, betont Michael Hierzenberger, Projektleiter bei der Energie Graz. „Wir wollen sogar unter den vorgegebenen Grenzwerten bleiben, weshalb wir eine relativ kleine Anlage geplant haben. Jede größere Stadt setzt heute auf eigene Müllverwertung.“
Unser Schornstein ist natürlich nicht dafür da, die Grazer Luft zu verbessern, aber unsere Filtertechnologie ist State of the Art und sorgt für keine Verschlechterung der Luftqualität in spürbarem Ausmaß.

Michael Hierzenberger
Projektleiter Energiewerk Graz
Bild: Holding Graz
Und so funktioniert das Werk: Müll, der jetzt schon gleich nebenan von der Holding vorsortiert wird, gelangt über ein Förderband zur Anlage, wo er „thermisch verwertet“ wird. Zu fast 90 Prozent wird Restmüll verbrannt, der restliche Anteil ist Sperrmüll. In der Heizphase wird dadurch Fernwärme erzeugt, in den Sommermonaten Strom. Übrig bleibt Asche, die abtransportiert werden muss.
Fernwärme wird nur im Winter gebraucht, die Anlage läuft aber das ganze Jahr. Der Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung ist katastrophal.

Günter Eisenhut
Bürgerinitiative Stopp Müllverbrennung Graz
Bild: cp-pictures
Werk soll Souveränität garantieren
Kritik kommt von Eisenhut betreffend den Nutzungsgrad: Im Winter liegt dieser bei 79 Prozent, bei der Stromerzeugung nur bei 19 Prozent. Hierzenberger argumentiert, dass man Speichermöglichkeiten schaffen will, um ganzjährig Fernwärme erzeugen zu können. Er ist überzeugt, dass die Stadt dieses Projekt möglichst rasch brauche, um weniger abhängig von Energie aus dem Ausland zu sein.
Aktuell läuft noch die Umweltverträglichkeitsprüfung; auch der Stadtrechnungshof prüft das Projekt. Die Bürgerinitiative plant bereits, einen Einspruch zu erheben, sobald das UVP-Verfahren abgeschlossen ist. Schlussendlich muss der Gemeinderat den Baubeschluss fassen. Sollte der Baustart 2027 erfolgen, könnte die Müllverbrennungsanlage frühestens 2029 in Betrieb gehen.
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