Die Ankündigung zahlreicher Staaten, die Geldmittel für humanitäre Hilfe deutlich zu drosseln, lässt bei den Hilfsorganisationen die Alarmsirenen schrillen – in einer Zeit, in der die weltweiten Krisen immer mehr werden ...
Vom Brennpunkt Gaza nach Syrien und weiter nach Jamaika, wo im Oktober Hurrikan „Melissa“ eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hat: Christopher Friedrich, langjähriger Mitarbeiter des Österreichischen Roten Kreuzes, kennt die Krisenherde dieser Welt. Er steht exemplarisch für 70 Millionen Menschen in 191 Ländern, die Hilfe leisten, wenn Krieg oder Naturgewalten gnadenlos zuschlagen.
Doch bei den Hilfsorganisationen brennt längst selbst der Hut: Die Krisen werden mehr, das Geld weniger. Zahlreiche Länder – unter anderem die USA – kürzen die Finanzmittel für Entwicklungszusammenarbeit und Co. Die Hilfe vor Ort zu finanzieren wird immer schwieriger.
Österreich setzte 2026 ebenfalls den Sparstift an
Mit Jagan Chapagain fand sich Montagvormittag jedenfalls hoher Besuch in der Rotkreuz-Zentrale in Wien-Wieden ein. Der Nepalese ist Generalsekretär der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften – und er zeigt sich wegen der weltweiten Entwicklung besorgt: „Was wir erwarten, ist ein Rückgang der Finanzmittel um bis zu 50 Prozent. Ein schwerer Schlag für das humanitäre System“, erklärt Chapagain, der die weltweite Polarisierung und mangelnde politische Lösungen kritisiert.
Österreich streut der Gast in Zusammenhang mit rot-weiß-roten Hilfsleistungen in Krisenregionen zwar Rosen, doch auch hierzulande musste bereits der Sparstift angesetzt werden. Der Auslandskatastrophenfonds wurde von 80 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 35 Millionen für heuer gekürzt. Und auch das Budget der Agentur für Entwicklungsarbeit (ADA) wurde 2026 um 15 Prozent gekürzt.
Kriege, soziale Krisen und Klimakatastrophen
Beim Österreichischen Roten Kreuz beobachtet man diese Entwicklungen ebenfalls mit Besorgnis. „Denn sie rütteln am Kern unserer Arbeit. Und man muss kein großer Prophet sein – sie werden auch Menschenleben kosten“, macht ÖRK-Generalsekretär Michael Opriesnig klar.
Und was passiert in der Staatengemeinschaft? Statt den Menschen zu helfen, kürzen die Staaten ihre Budgets weltweit für humanitäre Hilfe und Entwicklungsarbeit.
Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK)
Doch auch in dieser angespannten Situation ist das Österreichische Rote Kreuz voll funktionsfähig – unter anderem in der Ukraine, wo die größte Hilfsoperation im Ausland nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch läuft.
Klirrende Temperaturen, eisiger Wind und eine Stadt im Dunkeln: In Kiew ist der Winter zur tödlichen Bedrohung geworden. Nach schweren Angriffen in den vergangenen Tagen wurden drei Kraftwerke beschädigt, große Teile der zivilen Infrastruktur sind lahmgelegt.
In mehreren Regionen rund um die Hauptstadt der Ukraine sind rund 200.000 Menschen ohne Heizung – mitten im kältesten Winter seit Jahren. „Viele Menschen können ihre Wohnung nicht verlassen“, sagt Camilla Mittelberger, Delegationsleiterin des Österreichischen Roten Kreuzes in Kiew. Vor allem ältere Personen mit eingeschränkter Mobilität oder kranke Menschen seien betroffen. „Bei diesen Temperaturen ist das lebensgefährlich.“
Offizielle Zahlen über Todesopfer gibt es nicht, doch die Helfer wissen: Diese Situation kostet Menschenleben. Und die Eiseskälte hat das Land weiter im Griff. Gleichzeitig kommt es immer wieder zu Stromabschaltungen. Gemeinsam mit der ukrainischen Regierung hat das Rote Kreuz nun reagiert.
In Kiew wurden in den vergangenen Tagen 32 sogenannte Heizpunkte eingerichtet. Dort können sich die Menschen aufwärmen, heißen Tee trinken, ihre Handys laden. Inzwischen werden auch warme Mahlzeiten ausgegeben – für viele oft die einzige warme Speise des Tages.
Doch nicht alle erreichen diese Zufluchtsorte. Einige ältere Menschen sind in ihren Wohnungen eingeschlossen, zu schwach oder zu krank, um hinauszugehen. Deshalb sind mobile Teams des Roten Kreuzes im Einsatz: Sie bringen Essen, leisten Pflege, helfen bei Hygiene und medizinischer Grundversorgung. Helfen kann jeder – hauptsächlich mit Spenden. „Dadurch können wir schnell und gezielt reagieren“, appelliert Mittelberger.
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