Abgang reißt Lücke auf

Volkskundemuseum Graz: Das Kultur-Stiefkind

Steiermark
12.01.2026 08:00

Das Grazer Volkskundemuseum wurde mit Stübing zusammengelegt, bekommt durch die Sparmaßnahmen mehr Schließtage und verliert mit Birgit Johler eine treibende Kraft.

Lange hat dem Volkskundemuseum der Mief des Rückständigen, der verstaubten Brauchtumsverklärung angehaftet. Erst in den vergangenen Jahren ist durch Kuratorinnen wie Eva Kreissl und vor allem durch Birgit Johler (die seit 2019 am Haus ist) eine Wandlung eingetreten. Die Volkskunde, die offiziell längst unter dem Begriff Europäische Ethnologie firmiert, wurde ins Heute geholt, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen spielen eine zumindest ebenso bedeutende Rolle wie der Blick zurück.

Brauchtum wird ganz ohne Verklärung auf seine Wurzeln abgeklopft, wobei oft Überraschendes zutage tritt. Beispiele dafür sind etwa der neu aufgestellte Trachtensaal oder die hochinteressante Kreuzstichausstellung.

Dinosaurier-Szenerie in der Kreuzstichausstellung
Dinosaurier-Szenerie in der Kreuzstichausstellung(Bild: UMJ/J. J. Kucek)

Demoschilder, Corona-Masken, Dirndlschürzen
Eines von Johlers Steckenpferden ist die Erforschung der Alltagskultur. Und so hat sie die Sammlung des Volkskundemuseums um Demoschilder, Corona-Masken, Dirndlschürzen, die viel Gesellschaftskritik verbreiten, und einiges an Videomaterial erweitert. Auseinandersetzungen mit Migration, Mobilität und Erinnerungskultur erweitern mittlerweile die Dauerausstellung, und zahlreiche Diskussionsveranstaltungen sowie Kuratorenführungen und -gespräche haben ein treues Stammpublikum geschaffen. Kurz gesagt: Das lange im Dornröschenschlaf befindliche Volkskundemuseum befand sich auf einem guten Weg zu einem lebendigen Ort der Auseinandersetzung.

Doch nun befürchtet nicht nur Johler einen Rückschritt. Sie selbst wechselt im Februar ans Heeresgeschichtliche Museum in Wien, wo sie im Rahmen der Neuaufstellung den Bereich Ausstellungen leiten wird. Mit Claudia Unger, die als Kulturstadträtin in die Politik zurückkehrte, verlor das Museum bereits im vergangenen Jahr eine Chefin, die vieles ermöglichte.

Schon 2019 wurde das Volkskundemuseum mit dem Österreichischen Freilichtmuseum Stübing zusammengelegt zur Abteilung Volkskunde. Bis zu ihrem Abgang in die Politik leitete Claudia Unger diese Abteilung, nun ist Michaela Steinböck-Köhler aus Stübing nachgerückt und führt beide Standorte. Dass sich diese Zusammenführung und die Sparmaßnahmen mit zusätzlichen Schließtagen auf die Zukunft des Standorts in der Paulustorgasse nicht unbedingt positiv auswirken, darf befürchtet werden.

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