Parteifreunde an Trump

Invasion Grönlands wäre „raketenmäßig dumm“

Außenpolitik
08.01.2026 08:20
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Von krone.at

Mehrere republikanische Parteifreunde von US-Präsident Donald Trump haben sich klar gegen einen möglichen Militäreinsatz zur Annexion Grönlands gewandt. Die Idee, auf die eine oder andere Weise mehr Einfluss auf die Arktisinsel auszuüben, teilen sie aber.

So schrieb der republikanische Senator John Curtis auf der Plattform X, es sei wichtig, die Partnerschaft mit Dänemark und Grönland zu verstärken, aber „der Einsatz des Militärs ist nicht angemessen, nicht nötig und nichts, was ich unterstützen werde“.

„Schädliche Gedankenspiele“
Don Bacon, ein Abgeordneter im Repräsentantenhaus, kritisierte, die Gedankenspiele der Trump-Regierung zu Grönland seien schädlich und sorgen nur für Ärger bei den NATO-Verbündeten. Das Ansinnen, sich Grönland einzuverleiben, sei eine der „dümmsten“ Sachen, die er seit einem Jahr aus dem Weißen Haus gehört habe, sagte er gegenüber CNN. Er hoffe, andere Republikaner würden der Regierung ebenfalls deutlich sagen, dass sie hier auf einem Irrweg unterwegs sei. Bacon beschwor die Freundschaft zu Dänemark, zu dem die riesige Arktisinsel mit ihren rund 57.000 Einwohnern formell gehört, auch wenn sie weitgehend autonom ist.

Senator John Kennedy sagte nach einer Unterrichtung im Kongress durch Außenminister Marco Rubio, dass sogar ein „mäßig intelligenter Neuntklässler“ wisse, dass eine Invasion Grönlands „raketenmäßig dumm“ wäre. Weder Präsident Trump noch Außenminister Rubio seien dumm, betonte er. „Sie planen keine Invasion Grönlands“, sagte er dem Sender CNN. Das schließe nicht aus, eine neue rechtliche Grundlage für die Verteidigung der USA und Grönlands anzustreben.

Die „Trump Force One“ vor einem Jahr auf Grönland, als Donald Trump Jr. dorthin reiste.
Die „Trump Force One“ vor einem Jahr auf Grönland, als Donald Trump Jr. dorthin reiste.(Bild: AFP/EMIL STACH)

Senator bringt Volksabstimmung ins Spiel 
Es könne zum Beispiel ein Referendum in Grönland über einen Beitritt zu den USA geben, meinte Kennedy. Eine einfache Mehrheit der Wahlberechtigten wäre ausreichend. „Ich sage nicht, dass das passieren wird, oder nicht passieren wird. Aber ich glaube, das ist wirklich das, was der Präsident meint“, sagte der Senator weiter. Eine Umfrage, ob Grönland Teil der USA sein soll, brachte zuletzt ein eindeutiges Ergebnis (siehe Grafik unten).

Die Infografik zeigt Informationen zu Grönland, darunter Fläche, Einwohnerzahl und politische Zugehörigkeit. Eine Umfrage aus Januar 2025 fragt, ob Grönland Dänemark verlassen und Teil der USA werden soll. 6 % stimmen mit Ja, 85 % mit Nein. Quelle: Berlingske/Euractiv.

Kennedys Parteikollege Thom Tillis kritisierte auch Trumps einflussreichen Vizestabschef Stephen Miller, der mit besonders scharfen Äußerungen zu Grönland für Aufsehen gesorgt hatte. Miller sollte entweder wissen, worüber er spreche oder sich einen neuen Job suchen, forderte der Republikaner.

„NATO wichtigstes Bündnis“
Es gebe kein wichtigeres Bündnis als die NATO, auch wenn Miller vielleicht nichts darüber wisse, sagte Tillis. Dänemark sei ein herausragendes NATO-Mitglied und das Verteidigungsbündnis sei auch für die USA von entscheidender Bedeutung, betonte er. Die meisten seiner Kollegen – „ob sie es laut sagen oder nicht“ - seien auch seiner Meinung, betonte der Senator.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte, ein US-Angriff auf Grönland, das zu Dänemark und damit zur NATO gehört, wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur.

„Grönland gehört seinem Volk“
Dänemark und die Regierung Grönlands weisen den von Trump angemeldeten Besitzanspruch auf die Insel entschieden zurück. Auch die EU sowie zahlreiche europäische Staaten kritisieren das Ansinnen der US-Regierung. Zuletzt sicherte EU-Ratspräsident António Costa Grönland und Dänemark seine Solidarität zu. „Grönland gehört seinem Volk“, betonte er.

Trump spricht seit Langem davon, dass die USA Grönland für ihre nationale Sicherheit „brauchen“. Er sprach zeitweise von einem Kauf Grönlands, den Einsatz des US-Militärs schloss er aber nie aus. US-Außenminister Marco Rubio arbeitet weiter daran, das Ansinnen seines Präsidenten umzusetzen. In der kommenden Woche will er sich mit Vertretern Dänemarks treffen, um über die Grönland-Frage zu beraten.

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