Fr, 22. Juni 2018

Im Gefängnis

21.12.2005 10:26

Bischof wagt sich unter Mörder

Der Linzer Bischof in der Gewalt eines Geiselgangsters! Dieser Schock saß tief: Seit 1986 fiel deshalb die Weihnachtsfeier im Garstener Gefängnis der Angst zum Opfer. Aber am morgigen Mittwoch wagt sich erstmals der neue Bischof Ludwig Schwarz ins Häfen, um mit den schweren Burschen zu beten und zu singen.

„Wir sind bestens ausgerüstet, haben eine eigene Einsatzgruppe“, erklärt der Anstaltsleiter Hofrat Norbert Minkendorfer: Er hat die büßenden Kirchengeher handverlesen, zwei brisante Typen ausgeschlossen - lässt aber auch ein paar lebenslange Mörder zur heiligen Christkindl-Messe, die vom Gefangenenchor samt hauseigener Musikkapelle und Theatergruppe gestaltet wird. In der Kirche hätten zwar 300 Leute Platz, aber nur 80 von 410 Häfenbrüdern meldeten sich an: „Bei uns ist jeder Zweite ein Ausländer, erklärt der Justizwachechef, die schauen lieber Satelliten-Fernsehen aus ihren Heimatländern.“

Oberstleutnant wurde Retter in der Not
Am 19. Dezember 1986 waren 130 Einheimische in der Garstener Gefängniskirche gesessen - der zu 19 Jahren Haft verdonnerte Wiener Bankräuber Friedrich O. (37) in der ersten Reihe. Er zog einen geladenen Revolver, sprang über das hüfthohe Ausspeisungsgitter und schrie Bischof Maximilian Aichern an: „Stopp! Bleiben Sie stehen!“ Oberstleutnant Hermann Krydl (45) wurde zum Retter in der Not, hechtete sich auf seinen Häftling, riss ihn zu Boden und entwand ihm die Waffe.

Der überwältigte Gefangene gestand, dass er mit seiner Geisel freies Geleit erpressen wollte. Den Revolver samt Munition hätte er in einem Sack Zucker in seine Zelle geschmuggelt. 

 

 

 

 

 

Foto: Chris Koller

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.