Strafe im Sudan
Von 7 Männern vergewaltigt: Opfer verurteilt
Die junge Frau war im August letzten Jahres - sie war gerade im dritten Monat schwanger - in der sudanesischen Hauptstadt Khartum von sieben Männern auf ein leeres Grundstück gelockt und vergewaltigt worden. Vor Gericht kam der Fall erst nach der Veröffentlichung eines Handyvideos der Tat im Internet - ein Polizeibeamter hatte der Frau nach der Tat jede Hilfe verweigert.
Im Zuge der Ermittlungen rund um das Video wurden nicht nur die Angreifer der inzwischen 18-Jährigen festgenommen, sondern auch das Opfer. Ihr wurde, genau wie den Männern, Ehebruch vorgeworfen. Ihre Verteidigung, dass sie zum Sex gezwungen worden sei, beeindruckte das Gericht nicht - ihr drohte die Steinigung.
Geldstrafe verhängt
Dass sie am Donnerstag stattdessen "nur" wegen "sittenwidriger Akte" verurteilt wurde, verdankt sie dem Umstand, geschieden zu sein. So konnte ihr kein Ehebruch nachgewiesen werden, berichtet die britische Zeitung "Guardian". Das Gericht hat nun eine Strafe von 5.000 Sudanesischen Pfund (umgerechnet rund 640 Euro) verhängt, genau wie einen Monat Gefängnis.
Letztere Sanktion wurde allerdings ausgesetzt - wohl weil die Frau ohnehin seit Wochen hinter Gittern sitzt. Ohne Matratze, angemessene Nahrung und Kleidung, wie die Frauenrechtsorganisation Strategic Initiative for Women in the Horn of Africa (SIHA) berichtet. Auch die Überführung in ein Krankenhaus sei verweigert worden.
Peitschenhiebe für Peiniger
Von den sieben Vergewaltigern wurden drei wegen Ehebruchs zu 100 Peitschenhieben verurteilt, zwei weitere wegen "sittenwidriger Akte" zu 40 Hieben und einer Geldstrafe. Der Mann, der das Vergewaltigungsvideo online gestellt hatte, erhielt ebenfalls das Urteil 40 Hiebe samt Geldstrafe. Der siebte Mann wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
SIHA kritisierte das Urteil scharf: Während die Männer ihre Strafen direkt im Anschluss an das Verfahren erhalten hätten und danach frei gewesen seien, sei die junge Äthiopierin vom Gericht sogar noch mit weiteren Strafen bedroht worden, weil sie illegal eingereist sei. Dabei handelt es sich bei der Schwangeren um einen Flüchtling. Generell würden sich andere Vergewaltigungsopfer durch derartige Urteile davor hüten, die Verbrechen anzuzeigen, so SIHA. Damit werde eine Kultur der Straflosigkeit für die Täter geschaffen.
Die Menschenrechtslage im Sudan wird immer wieder stark kritisiert. Insbesondere Flüchtlinge sind oft Opfer von Fremdenfeindlichkeit und Gewalt wie Vergewaltigung. Den sudanesischen Medien wirft SIHA vor, diese hätten versucht, die Glaubwürdigkeit des Vergewaltigungsopfers zu unterminieren - dort sei behauptet worden, die 18-Jährige habe HIV, sei eine Prostituierte und habe die Männer unter Drogen gesetzt.












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