Was ihn jetzt erwartet

Kuss-Show vor Haftantritt von Nicolas Sarkozy

Außenpolitik
21.10.2025 10:24
Porträt von krone.at
Von krone.at

Von ganz oben nach ganz unten: Frankreichs früherer Präsident Nicolas Sarkozy hat sich am Dienstag nach seiner Verurteilung zu fünf Jahren Gefängnis in der Libyen-Affäre zum Haftantritt gemeldet. Ihn erwarten eine Toilette ohne Deckel, angeschraubte Möbel und wenig Luxus.

Der 70-Jährige kam in der Früh im Pariser Gefängnis La Santé an, wie auf TV-Bildern zu sehen war. Sarkozy, der laut Anklage Wahlkampfgelder des damaligen libyschen Machthabers Gaddafi angenommen hatte, soll nun in der Haftanstalt in einem besonderen Trakt für Häftlinge untergebracht werden, die besonders geschützt werden müssen. Möglicherweise kommt er auch in einen isolierten Bereich. Eine Vorzugsbehandlung erwartet ihn nicht.

Wird wie jeder Häftling durchsucht
Sarkozy traf am Vormittag mit einem Auto am Gefängnis ein – davor verabschiedete er sich noch emotional von seiner Familie. Jetzt wird er darüber belehrt, warum er inhaftiert wird. Ihm wird die Gefängnisordnung ausgehändigt, seine Fingerabdrücke werden genommen und es wird ein Foto von ihm gemacht.

Er erhält einen Häftlingsausweis mit einer Häftlingsnummer. Dem Sender BFMTV zufolge wird Sarkozy auch wie jeder neue Häftling durchsucht, wofür er sich komplett ausziehen muss. Danach erhält er Hygieneartikel, Wäsche, Leintücher und Schreibzeug.

Ein letzter Kuss vor dem Haftantritt: Sarkozy mit seiner Ehefrau Carla Bruni
Ein letzter Kuss vor dem Haftantritt: Sarkozy mit seiner Ehefrau Carla Bruni(Bild: Benoit Tessier)
Bruni schickt ihrem Mann noch einen Kuss zu.
Bruni schickt ihrem Mann noch einen Kuss zu.(Bild: AP/Thibault Camus)
Eine Umarmung vor dem Haftantritt
Eine Umarmung vor dem Haftantritt(Bild: AFP/JULIEN DE ROSA)

Sarkozy wird wohl in den „VIP-Bereich“ des Gefängnisses kommen. In dem Komplex im Gebäude QB4 befinden sich 19 Zellen für Häftlinge mit besonderer Überwachung. Das Gefängnis spricht nicht von einem VIP-Bereich, sondern von einem „Bereich für schutzbedürftige Personen“. Dabei handelt es sich um Häftlinge, deren Sicherheit beim Kontakt mit anderen Inhaftierten in Gefahr geraten könnte, etwa weil sie prominent sind.

Eine Zelle im Gefängnis La Santé
Eine Zelle im Gefängnis La Santé(Bild: AP/Francois Mori)
Eine Zelle im Gefängnis La Santé
Eine Zelle im Gefängnis La Santé(Bild: AP/Francois Mori)
Blick auf einen Eingang des Gefängnisses La Santé
Blick auf einen Eingang des Gefängnisses La Santé(Bild: AP/Michel Euler)
Im Inneren des Gefängnisses
Im Inneren des Gefängnisses(Bild: AP/Francois Mori)
Ein Gang im Gefängnis
Ein Gang im Gefängnis(Bild: AP/Francois Mori)
Es ist noch nicht bekannt, in welchem Teil des Gefängnisses Sarkozy untergebracht wird.
Es ist noch nicht bekannt, in welchem Teil des Gefängnisses Sarkozy untergebracht wird.(Bild: AP/Francois Mori)
Der Blick auf das Gefängnis La Santé von oben
Der Blick auf das Gefängnis La Santé von oben(Bild: AP/Thibault Camus)

VIP-Bereich ist „nicht besser“
„Die Zellen sind nicht besser und nicht schlechter als die anderen Zellen in den anderen Gebäuden“, sagte ein Gefängnisbediensteter dem Sender BFMTV. „Er wird wie alle anderen Häftlinge eine Dusche in seiner Zelle, einen Kühlschrank und einen Fernseher haben. Es wird keine Vorzugsbehandlung geben.“ Ein ehemaliger Häftling aus dem Trakt sagte dem Sender RTL: „Es gibt ein kleines Bett, das 80 Zentimeter breit ist, ich glaube sogar nur 70 Zentimeter, nicht sehr hoch und am Boden befestigt. Es gibt einen ganz kleinen Schreibtisch im Ikea-Stil, der ebenfalls am Boden befestigt ist.“ Die Zellen sind zwischen neun und zwölf Quadratmeter groß.

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Er wird wie alle anderen Häftlinge eine Dusche in seiner Zelle, einen Kühlschrank und einen Fernseher haben.

Gefängnisbediensteter im Pariser Gefängnis La Santé

Die Ausstattung wird auch in einem besonders isolierten Bereich identisch sein, die Zelle misst elf Quadratmeter, berichtet die Zeitung „Le Parisien“. Wenn Sarkozy möchte, kann er sich Hygieneartikel und Speisen aus einem entsprechenden Angebot bestellen, um dem laut Zeitung ungenießbaren Essen aus der Gefängniskantine zu entgehen.

Nur eine Stunde pro Tag Hofgang
Die meiste Zeit bleibt Sarkozy in seiner Zelle weggesperrt. Eine Stunde am Tag erhält er begleitet von drei Aufsehern Hofgang, außerdem kann er je nach Verfügbarkeit eine Bibliothek und einen Fitnessraum nutzen, berichtete die Zeitung. Mit seiner Familie kann Sarkozy über ein Telefon kommunizieren, das abgehört wird. Dreimal in der Woche darf seine Familie ihn besuchen und dafür einen speziellen Eingang in das Gefängnis nutzen.

Nimmt Jesus-Biografie mit
Der Zeitung „Le Figaro“ hat der ehemalige Staatschef erzählt, dass er zwei Bücher als Lektüre mitnehmen will: „Der Graf von Monte Cristo“ in einer zweibändigen Ausgabe sowie eine Jesus-Biografie von Jean-Christian Petitfils. Ansonsten will er selbst ein Buch über seine Zeit hinter Gittern schreiben, Sarkozy ist bereits Autor etlicher Bücher.

Sarkozys Anwälte beantragten seine vorzeitige Haftentlassung, was wegen seines Alters gleich nach Haftantritt möglich ist. „Selbst wenn seine Inhaftierung durch nichts gerechtfertigt ist, wird er wohl einen Monat bleiben“, sagte sein Anwalt Christophe Ingrain. Dies entspreche der durchschnittlichen Bearbeitungszeit. „Es ist ein trauriger Tag für ihn, für Frankreich und für unsere Institutionen. Diese Inhaftierung ist eine Schande“, fügte sein Kollege Jean-Michel Darrois hinzu.

Sarkozy war im Prozess um angebliche Wahlkampfgelder aus Libyen Ende September schuldig gesprochen worden, Teil einer kriminellen Vereinigung gewesen zu sein. Das Gericht ordnete eine vorläufige Vollstreckung des Urteils an. Das bedeutet, dass der 70-Jährige die Haft antreten muss, obwohl er in Berufung gegangen ist. Sarkozy hatte die Vorwürfe stets bestritten.

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