In den vergangenen 20 Jahren hat Peter Faßhuber das Theaterland Steiermark mit Wolfgang Seidl zu einem Fixstern der Freien Szene aufgebaut. Mit den Festivals der Regionen hat er zeitgenössisches Theater bis in die letzten Ecken des Landes gebracht. Nun nehmen sie Abschied und übergeben das Theaterland in neue Hände. Mit der „Krone“ hat Faßhuber über paradiesische Anfänge, seine größten Erfolge und unsentimentale Abschiede gesprochen.
Wie war die Freie Theaterszene in der Steiermark aufgestellt, als Sie im Jahr 2000 mit der Idee zum Theaterland ankamen?
Während es in Städten wie Wien und Berlin vor allem Abtrünnige der Staats- und Landestheater waren, die sich in der Freien Szene selbstständig gemacht haben, hat sich in der Steiermark ab Ende der 1980er das Amateur- und Studententheater zu professionalisieren begonnen. Damit war und ist die Steiermark in Österreich einzigartig. Rund um das Jahr 2000 hat die Szene dann begonnen sich zu organisieren – etwa im Anderen Theater. Und es war auch der politische Wille da, diese Szene zu fördern. Wir haben dann die Gunst der Stunde genutzt.
Bund und Land haben dafür relativ spontan gar nicht wenig Geld in die Hand genommen. Wie kam es dazu?
Der damalige Kulturstaatssekretär Franz Morak war bei uns in Oberzeiring im Theater. Bei einem Getränk danach hab ich von der Idee fürs Theaterland erzählt. Sie hat ihm gefallen und er wollte ein Konzept. Ich hab’ das dann gar nicht geschrieben, weil ich dachte es wäre ein leeres Versprechen. Aber kurz darauf hat er sich gemeldet, ich hatte einen Termin bei ihm – er hatte das Geld vom Bund reserviert und hat vor mit die damalige Landeshauptfrau angerufen und gesagt: Gib dem Fasshuber ein Geld für sein Festival. Dann hab ich den Wolfgang angerufen und wir haben im Jahr 2004 offiziell losgelegt.
Aus heutiger Sicht klingt das ja fast paradiesisch.
Ich weiß nicht, ob so etwas wie die Gründung des Theaterlands heute überhaupt noch möglich wäre. Damals war es viel unbürokratischer möglich, einmal ein Startbudget von der Politik für ein neues Projekt zu bekommen. Und auch die ersten Jahre, wo noch nicht alles funktioniert, hatten wir die Unterstützung, weil an uns geglaubt wurde. Dafür gäbe es heute wohl nicht mehr den finanziellen Spielraum.
Ziel vom Theaterland war es ja nicht nur, die Szene zu fördern, sondern vor allem auch zeitgenössisches Theater in die Regionen zu bringen. Wie war dort die Reaktion?
Ich sage mal so, auf uns gewartet hat niemand. Anfangs gab es viele Hürden, wir haben oft Fragen gehört wie: Was hat dieses Theater mit mir zu tun? Aber wir waren überzeugt, dass diese Stücke auch am Land funktionieren können. Wichtig war es immer, Menschen in den Regionen zu finden, die als Multiplikatoren für uns einstehen. Es reicht nicht, nur mit was Tollem zu kommen, sondern man muss die Menschen einbinden.
Auf welche Errungenschaften der vergangenen Jahre sind Sie besonders stolz?
Ganz generell können wir stolz sein, dass die Idee so lange funktioniert hat und immer noch funktioniert. Aber ich bin auch stolz, dass wir etwa mit dem „Werkstatt“-Festival viele steirische Produktionen gefördert haben, die später auch international reüssiert haben.
Das letzte Jahr war von drohenden Kürzungen der Budgets dominiert. Wie blicken Sie auf die Zukunft der Freien Szene?
Veränderung ist Teil der Theaterwelt. Aber das Theater gibt es seit 2000 Jahren und es wurde oft schon totgesagt. Solange Schauspieler auf die Bühne treten und überzeugend eine Geschichte erzählen, wird es das Theater weiter gehen. Vielleicht müssen diese Geschichten wieder stärker werden. Aber ich bin generell kein Alarmist und sehe das pragmatisch: der Druck der Veränderung kann sich ja auch positiv auswirken.
Wie geht es Ihnen mit dem Abschied? Das Theaterland geht ja in neue Hände.
Es gibt keine Wehmut. Wolfgang Seidl und ich haben immer gesagt: Wir wollen das nicht so lange machen, bis wir nicht mehr können oder keine Lust mehr haben. Also ist jetzt genau die richtige Zeit. Ich bin kein Mensch, der Dingen nachtrauert. Es war eine geile Zeit, die wir gemeinsam erlebt haben, und das kann uns keiner nehmen. Und als Veranstalter und Theatermacher hören wir ja noch nicht auf. Wolfgang hat „Straden aktiv“ und ich das „Theo“ – und da haben wir noch viel vor.
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