Bei einem Fest am Neufelder See (Burgenland) war ein nachgewiesen Zurechnungsfähiger nicht Herr seiner Sinne. Mit belanglosen 0,28 Promille ging er auf einen Bekannten los, vermeintlich nicht wissend, dass der eine Beziehung mit seiner Freundin hat. Der 34-Jährige muss für 13 Jahre hinter Gitter.
Jeder Mensch hat ein Recht auf Privatleben, denkt sich der „Krone“-Reporter, als er beim Seefest in Neufeld an der Leitha nach einem Rempler fast zu Sturz kommt. „Oida!“
Fünf Meter daneben wirft sich ein Sanitäter von hinten auf einen Mann. Binnen Sekunden sind sechs Polizisten da. Handschellen an den Händen. An den Füßen. Und sie tragen ihn weg wie ein Bloch Holz. Fassungslosigkeit. Und nein, ich kenne den Kerl nicht, obwohl wir kurzen Körperkontakt hatten.
„Er ist ein durchschnittlicher Mensch“, sagt Anwältin Astrid Wagner vor dem großen Schwurgericht in Eisenstadt. „Er hatte niemals die Absicht, jemanden vorsätzlich zu töten.“
Jedenfalls: Der 34-jährige Wiener, unbescholten, hört sich gern reden. Und rechtfertigen. Das gefällt vor allem ihm, aber nicht jedem. Er bekennt sich prinzipiell schuldig. Wofür eigentlich, außer für nichts? „Ich habe mit dem Messer nur herumgefuchtelt, weil ich ihn einschüchtern wollte.“
Die Sprache der Forensik besagt: Vier tiefe Einstiche, teils lebensbedrohlich. Zwei lange Schnittwunden. „Ich kann mir das alles nicht erklären“, sagt der wegen versuchten Mordes Angeklagte, ehe minutiös mit der Aufarbeitung des primären Problems begonnen wird.
Unterschiedliche Ansichten
Also kurz: Der Typ leitete eine Firma in Wien. Sein Kompagnon hatte eine Freundin, die auch dort arbeitete. Die Dame wurde von ihm klassisch ausgespannt. Es entspann sich eine On-Off-Beziehung mit dem Angeklagten, der sich ihretwegen hatte scheiden lassen. „Ich war immer der Meinung, das bestätigt mein Gefühl, dass wir noch zusammen sind. Auch beim Seefest noch“, sagt der Wiener, der erst in der U-Haft erfahren hat, dass die Niederösterreicherin wieder mit seinem Freund verbandelt ist. „Wir haben jeden Tag stundenlang telefoniert. Und uns Nachrichten geschickt. Hunderte.“
Die Frau wiederum gibt zu Protokoll: „Das war Stalking. Er hat mich täglich mit Anrufen bombardiert. Von sechs verschiedenen Handys aus. Und er ist dauernd ungefragt aufgetaucht.“
Stutzig habe den U-Häftling jedenfalls gemacht, dass sein „bester Freund“ am Tag des Seefestes in Neufeld das Auto wusch. „Das hat er immer gemacht, wenn er danach ein Date hatte. Und dann war er mit meiner Freundin dort!“
Anwältin Astrid Wagner meldet gegen das Urteil – 13 Jahre Haft – Bedenkzeit an. „Mein Mandant hatte niemals einen Tötungsvorsatz.“
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