Fr, 20. Juli 2018

Mehr Packerl-Platz

06.12.2005 13:55

Amerikaner stellen Christbaum auf den Kopf

Kein Platz unter dem Baum in der guten Stube für die vielen schönen Geschenke? Das muss nicht so sein: Man stelle die Tanne oder Fichte auf den Kopf, und schon kann der Weihnachtsmann sie stapeln, die Päckchen und Pakete, die kleinen und großen Überraschungen. Was sich wie ein Scherz anhört, ist keiner: In den USA sind künstliche "Upsidedown"-Christbäume in diesem Jahr der letzte Schrei zum Fest. So groß ist die Nachfrage, dass die verkehrten Bäume schon seit Wochen vergriffen sind.

Angeboten wurden die Verkaufshits zumeist via Internet von verschiedenen Unternehmen wie etwa Hammacher Schlemmer, spezialisiert auf teure Kitschartikel. Hier kostete ein fix und fertig mit hunderten elektrischen Kerzen bestückter gut zwei Meter hoher Baum stolze 600 Dollar, und auch bei anderen Anbietern war unter 280 Dollar nichts zu machen. Es gibt verschiedene Varianten: Der Baum kann an die Zimmerdecke gehängt werden, seitlich an eine Wand geschraubt oder auch mit der Spitze nach unten in einen Ständer gestellt werden.

Mehr Platz für Geschenke unterm Baum
Bill Quinn, Chef von ww.christmastreeforme.com erläutert die Vorzüge. Ein umgedrehter Baum passt auch in die kleinsten Räume, zwischen zwei Sessel etwa. Hängt er von der Decke, können Kleinkinder und Haustiere nicht an ihn heran. Was Quinn zudem schätzt, wie er US- Medien verriet: "Bei den traditionellen Tannenbäumen verschwinden hängende Ornamente oft halb zwischen den Zweigen. Beim umgekehrten Baum hängen sie frei herunter und kommen besser zur Geltung." Auch Kaufhäuser haben die Qualitäten entdeckt: Wer einen Tannenbaum von der Decke hängt, hat auf dem Boden mehr Platz fürs Warenangebot.

Schon im 12. Jahrhundert gab es "verkehrte" Bäume
Allerdings streiten mittlerweile die Experten, ob die Neuigkeit auch wirklich eine solche ist. Wie es heißt, wurden Bäume schon im 12. Jahrhundert in deutschen Landen in christlichen Haushalten auf den Kopf gestellt - als Ausdruck des Glaubens. Ein englischer Mönch, der über den Kamal kam und anhand eines umgedrehten Baumes die Dreifaltigkeit erklärte, habe den - dann wieder eingeschlafenen - Trend ausgelöst. Brauchtumsexperten sagen jedoch, der Tannenbaum habe stets stolz mit der Spitze nach oben - himmelwärts - gestanden.

"Tannenbaum O"
Während sich vor allem die oft räumlich sehr beengt lebenden New Yorker für den "Upsidedown"-Baum interessiert haben, können andere nur den Kopf schütteln. Das sei ungefähr so, hieß es im Kommentar einer Zeitung, als würde man den Truthahn in die Füllung stecken, die Ostereier nach den Kindern suchen lassen und Feuerwerksraketen in den Boden schießen. Und: "Tannenbaum O" singen.

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