„Krone“-Kommentar

Löhne: Metaller als neuer Maßstab

Kolumnen
26.09.2025 06:00
Porträt von Georg Wailand
Von Georg Wailand

Einem Nackerten kannst keinen Pullover wegnehmen, mit diesen drastischen Worten begründete der Metallergewerkschaftschef Binder den Lohnabschluss unter der Inflationsrate. Der schmerzhafte Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen in der Industrie hat aufgezeigt, dass die Kosten in Österreich davongelaufen und viele Betriebe nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Für seine Besonnenheit (im Interesse aller) hat Reinhold Binder berechtigt Lob erhalten. Jetzt folgen die nächsten Lohnrunden, etwa bei den Eisenbahnern. Die ÖBB, ein Verkehrsriese, der Jahr für Jahr mit staatlichen Milliarden gefüttert wird. Ein Quasi-Monopol mit Job-Garantie – wie wird sich die Gewerkschaft da verhalten?

Ein negatives Beispiel liefert Deutschland. Dort provozierte der Lokführer-Gewerkschaftschef Klaus Weselsky jahrelang das Bahn-Management, aber auch die Bahnkunden. Bevorzugt wurde an den Verkehrs-stärksten Tagen gestreikt. Diese Konflikte waren Gift in jeder Hinsicht. Heute ist die Deutsche Bahn eine Chaos-Partie mit Verspätungsgarantie, mit desolater Infrastruktur und technischem Rückstand. Nun soll eine Managerin mit Österreich-Erfahrung das Unternehmen wieder „auf Kurs“ bringen.

Wie werden sich die Gewerkschafter bei den ÖBB-Lohnverhandlungen positionieren? Ihr Genosse Binder hat vorgezeigt, was Verantwortung fürs Ganze bedeutet. Die Erfahrungen der Deutschen Bahn sollten abschreckend genug sein!

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