Wegen einer fast schon vergessenen Widmung will die niederösterreichische Stadt Bad Vöslau die kleine Grünoase von 20 Pächtern wegreißen. Staranwalt DAlfred Boran spricht von „herzlosem“ Beamten-Vorgehen. Und er gibt den Schrebergärtnern juristisch gute Chancen.
Es sind – hier in der Kanalgasse – auf etwas weniger als einem Hektar nicht nur Gärten. Es sind kleine Welten, Oasen, Lebensgeschichten. In der Kanalgasse pflegen die Pächterinnen und Pächter der Pomonia-Siedlung liebevoll und mit floraler Hingabe ihre Parzellen – ein knappes Hektar voller Erinnerungen, Beete, Blumen und Begegnungen. Für viele Familien ist die Anlage seit Jahrzehnten Heimat, Treffpunkt und Rückzugsort. Kinder sind hier aufgewachsen, Enkel lernen hier die Natur kennen.
Schock-Nachricht von der Stadtgemeinde
Doch über der Idylle hängen jetzt dunkle Wolken: Die Gemeinde hat angekündigt, dass die Gärten bis Ende 2025 geräumt werden sollen. Für die Betroffenen ein Schock bis in die Knochen. „Wir wollen bleiben und unser Paradies erhalten!“, heißt es in einem offenen Brief an Bürgermeister und alle Gemeinderräte. Jahrzehntelang geduldet, sollen die grünen Lebensräume nun verschwinden – obwohl sie ein wertvoller Puffer zwischen Wohngebieten, Gewerbe und Natur sind.
„Unsere Gärten sind keine Aktennummern“
Anlagenbesitzer Felix Ebner zeigt Verständnis und mehr für die Pächterinnen und Pächter: „Unsere Gärten sind keine Aktennummern. Hier wachsen Erinnerungen, nicht nur Blumen.“ Ebner kennt die Menschen, die seit Generationen hier arbeiten, und betont: Die Gärten sind ein Stück grünes Herz von Bad Vöslau.
Unterstützt werden die Pächterinnen und Pächter vom Wiener Staranwalt Alfred Boran, der die Situation als „sozialpolitisch und menschlich hochbrisant“ bezeichnet: „Das Vorgehen der Gemeinde grenzt an soziale Kälte. Jahrzehntelang gewachsene Strukturen einfach wegzureißen, ist herzlos. Juristisch stehen die Chancen unserer Mandanten aber sehr gut, ihre Gärten zu erhalten.“
Abriss bis Jahresende – Gemeinde bleibt hart
Bürgermeister Christian Flammer verteidigt die Pläne: „Die Anlage entstand Anfang der 1990er-Jahre auf Grünland, das als Betriebsentwicklungsgebiet vorgesehen ist. Baulichkeiten dort haben keinen rechtlichen Status, zumal frühere Zusagen des damaligen Eigentümers, die Gärten nach Ablauf der Pachtverträge zu räumen, nicht eingehalten wurden.“
Eine Umwidmung sei laut Land Niederösterreich nicht möglich, da sie dem örtlichen Entwicklungskonzept widerspreche und nur andere illegale Bauten legalisieren würde. Auch nach dem NÖ Kleingartengesetz müssten die Anlagen umfassend umgebaut werden, um den Vorschriften zu entsprechen. Fazit der Gemeinde: Es gibt keinen rechtlichen Rahmen für den Fortbestand der Gärten in ihrer aktuellen Form.
Die Betroffenen sehen in den Gärten weit mehr als Parzellen: „Hier haben wir unsere Kinder spielen sehen, unsere Enkel beim Pflanzen zugesehen. Hier wachsen nicht nur Blumen, sondern Erinnerungen, Freundschaften, Heimatgefühl“, schildert eine Pächterin, deren Familie seit über 40 Jahren hier gärtnert.
Pächter wollen alle rechtlichen Mittel ausschöpfen
Die Pomonia-Siedlung ist ein generationsübergreifendes Erbe, ein Ort der Begegnung und der Natur. Jahrzehntelang geduldet, jetzt bedroht: Für viele ein Symbol für den Konflikt zwischen starren Vorschriften und gelebtem Leben. „Wir werden kämpfen – für unsere Gärten, unsere Kinder und unsere Erinnerungen“, kündigen die Pächterinnen und Pächter an. Gemeinsam mit Ebner und Boran wollen sie alle rechtlichen und öffentlichen Mittel ausschöpfen, um ihr Stück Lebensqualität zu retten.
Ich hatte eine schwere Herzoperation und das ist der einzige Ort, der mir zur Erholung bleibt. Jetzt soll ich hier weg!
Norbert Gutmann, Schrebergärtner
Kampf um eine Grüne Lunge
Die Kanalgasse ist in der Ökotat mehr als nur ein Standort für Beete und Gewächshäuser. Sie ist ein Symbol für gelebte Natur, für generationsübergreifende Gemeinschaft und für die grüne Identität Bad Vöslau. Ob die Gärten den Winter 2025 überstehen, ist ungewiss. Für die Pächterinnen und Pächter beginnt jetzt ein Kampf, der weit über Blumen, Tomaten und Kräuter hinausgeht: Es geht um ihre Heimat, ihr grünes Herz – ihr kleines Paradies.
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