Mo, 20. August 2018

Mehrere Tote

07.12.2013 11:53

"Xaver" traf den Norden Europas mit voller Wucht

Der Orkan "Xaver" hat den Norden Europas mit voller Wucht getroffen. Das Unwetter mit seinen gefährlichen Böen legte am Donnerstag und am Freitag das Leben von Millionen Menschen lahm. In Polen forderte der Orkan fünf Menschenleben, in Großbritannien zwei, in Dänemark eines. In Schweden starben zwei Menschen, zudem ertranken vor der Südküste des Landes zwei Seeleute. Hamburg traf die schwerste Sturmflut der vergangenen Jahrzehnte, auch kleine Inseln in der Nordsee meldeten "Land unter".

Der Scheitel einer der schwersten Sturmfluten der vergangenen Jahrzehnte erreichte Hamburg am frühen Freitagmorgen. "Die Wasserstände fallen bereits wieder", sagte Thomas Butter von der Hamburger Innenbehörde. Der Hamburger Hafen war in der Nacht geräumt und gesperrt worden. "Ab 2.30 Uhr durfte keiner mehr hereinfahren." Der bekannte Fischmarkt am Hafen und einige Straßen entlang der Elbe standen bereits unter Wasser. Einige Menschen, die im Hafen wohnen, verließen ihre Häuser: "Das betrifft aber nur eine Handvoll Leute." Die Hochwasserschutztore wurden geschlossen.

Bisher nur kleinere Schäden in Norddeutschland
Die Auswirkungen der Naturgewalten blieben bis zum Freitagmorgen trotz aller Befürchtungen verglichen mit dem Oktober-Orkan "Christian" deutlich geringer (siehe Video in der Infobox). Die Einsatzkräfte wurden weniger häufig angefordert, um umgeknickte Bäume zu räumen und um Bauzäune sowie Dächer zu sichern. In Hamburg rückte die Feuerwehr am Donnerstag bis zum Abend rund 300 Mal aus. Dagegen war sie beim Oktober-Orkan schon an einem Tag allein knapp 2.000 Mal im Einsatz.

Die deutsche Küsten hielten den Wassermassen bisher stand: "Die Deiche sind mächtig und stabil", hatte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck gesagt. Noch am späten Abend hatte eine zweite Welle des Orkantiefs mit extremen Böen die Nordseeinsel Sylt erreicht. Das Orkantief hatte Donnerstagmittag die deutsche Nordseeküste erreicht und wütete zunächst mit Böen um die 120 Stundenkilometer. Am frühen Abend wurden auf der Insel Sylt 133 Stundenkilometer gemessen. Der Westen des Bundeslandes Schleswig-Holsteins überstand die erste Phase des Unwetters glimpflich.

Die kleinen Marschinseln vor Nordfriesland, die sogenannten Halligen, standen seit dem Nachmittag unter Wasser. Andere Inseln waren vom Festland abgeschnitten, die Fähren verkehrten nicht mehr. Auch in Richtung der einzigen deutschen Hochseeinsel Helgoland wurde der Verkehr eingestellt. In Mecklenburg-Vorpommern wurden Bäume umgerissen. Die Polizei warnte angesichts befürchteter Orkanspitzen bis 140 Kilometer pro Stunde vor Fahrten mit dem Auto. Doch auch der Zugverkehr ist nach wie vor beeinträchtigt.

Tote in Großbritannien, Polen, Dänemark und Schweden
Zunächst hatte "Xaver" Teile Großbritanniens verwüstet. In Schottland waren am Donnerstagnachmittag 100.000 Häuser ohne Strom. Ein Mann wurde in einem Park in der englischen Grafschaft Nottinghamshire von einem Baum erschlagen. In Schottland wurde der Fahrer eines Lastwagens getötet, als sein Fahrzeug umkippte (Bild 3 oben). Vier weitere Menschen wurden bei dem Zwischenfall verletzt.

Während des Orkantiefs sind auch in Polen fünf Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Feuerwehr stürzte bei Lebork im Norden des Landes ein Baum auf ein Auto - drei der vier Insassen verstarben, nur eine Frau konnte von der Feuerwehr lebend geborgen werden.

Ein 47 Jahre alter Mann sei am Freitag bei Fassadenarbeiten vom Wind von einem Balkon geweht worden, sagte ein Polizeisprecher in Breslau der Nachrichtenagentur PAP. Ein weiterer Mensch starb nach einem Unfall, bei dem in Pommern ein Reisebus auf einen umgestürzten Baum geprallt war. Auch am Samstag waren Energieversorgern zufolge noch mehr als 30.000 Haushalte in Pommern ohne Strom.

Auch aus Dänemark wurde am späten Abend ein Todesopfer gemeldet: Eine 72-jährige Frau starb als Beifahrerin in einem Auto, das der heftige Wind von einer Straße geblasen hatte. Der Sohn der Frau, der am Steuer gesessen war, überlebte.

Bei stürmischer See gingen am Donnerstag vor dem südschwedischen Ystad zwei Männer über Bord eines niederländischen Frachtschiffes. Die Suche wurde mittlerweile aufgegeben, für die Männer bestand keine Hoffnung mehr. In Südschweden wurde zudem ein Jäger von einem umstürzenden Baum erschlagen, in Mora in Mittelschweden wurde eine ältere Frau tot im Schnee gefunden.

Luft- und Bahnverkehr in Südskandinavien lahmgelegt
Große Teile des Verkehrs in der südschwedischen Region Schonen und in Dänemark standen am Donnerstag still. Züge fuhren dort gar nicht mehr, die großen Brücken - darunter die Öresund-Brücke, die Dänemark und Schweden verbindet - waren für den Verkehr gesperrt. Im dänischen Fredericia saßen nach Medienberichten rund 400 Zugreisende wegen einer geschlossenen Brücke fest.

Von den Flughäfen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und in Billund hoben am Abend vorerst keine Maschinen mehr ab. Erst Freitag wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen. In Kopenhagen heulten laufend Sirenen. In vielen Häusern im südlichen Skandinavien blieb es am Abend dunkel, dem Rundfunksender SVT zufolge waren in Südschweden 20.000 Menschen ohne Strom.

Belgien und die Niederlande kamen glimpflich davon
Auch in Belgien kam es wegen "Xaver" zu Evakuierungen. Etwa 2.100 Einwohner der Küstengemeinde Bredene wurden am Donnerstagabend vorsorglich in Sicherheit gebracht. Die befürchteten Überschwemmungen blieben allerdings aus.

Auch die Niederlande kamen glimpflich davon, wie die Behörden mitteilten. Die Nordsee stieg gegen 4 Uhr in der südwestlichen Provinz Zeeland auf 3,99 Meter, und damit auf den höchsten Stand seit einer Sturmflutkatastrophe von 1953. Rund 100 Inspektoren hatten die Deiche in der Nacht kontrolliert, teilte die Wasserbehörde mit. Zu vereinzelten Überschwemmungen kam es in Rotterdam und Dordrecht. Der Zugverkehr im Norden der Niederlande, der gestoppt worden war, wurde am Morgen wieder aufgenommen (Infos über die Ausläufer von Xaver in Österreich finden Sie in der Infobox).

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