Die nackten Zahlen lügen nicht und stellen dem Standort einen teils erschreckenden Befund aus. Tiroler Industrievertreter mahnen daher zum Kurswechsel – „aber der Mut zur Ehrlichkeit fehlt!“
„Unsere Vorschläge sind nichts Neues, wir müssen sie halt immer wieder aufzeigen“, seufzte Karlheinz Wex, Obmann der Sparte Industrie in der WK Tirol. Anlass war das Jahrespressegespräch am Dienstag in Innsbruck zum Status Quo.
Unsere Vorschläge sind nichts Neues, wir müssen sie halt immer wieder aufzeigen.
Karlheinz Wex, Obmann der WK-Sparte Industrie
Von Rezession bis Wettbewerbsfähigkeit
„Österreichs Industrie steckt im dritten Rezessionsjahr, in Tirol gelang wenigstens eine zweijährige Stagnation mit dem Erhalt der Jobs“, lautet der nüchterne Befund. Bei der Wettbewerbsfähigkeit liegt unser Staat in der OECD auf Platz 26, bei der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gar am EU-Ende. Rund 10.000 Industrie-Jobs fallen jährlich weg.
Enorme Abgaben, trotzdem Budgetdesaster
Wex beklagt, dass die hohe Abgabenquote (mehr als 45 Prozent) mit einem Rekorddefizit (über 4 Prozent) gepaart sei. „Aber der Mut zur Ehrlichkeit fehlt, hier etwas zu ändern“, konstatiert der hauptberufliche Plansee-Vorstandschef.
Lohnstückkosten: Man sei inzwischen um 20 Prozent teurer als andere europäische Länder. „Wir haben 75 Prozent Exportanteil und kämpfen damit am Weltmarkt. Wir verlieren nicht wegen der Qualität, aber wegen des Preises“, merkte dazu Oswald Wolkenstein, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der WK Tirol, an. Lohnabschlüsse nach der alten „Benya-Formel“ (Inflation plus die Hälfte des Produktivitätszuwachses) seien nicht mehr zeitgemäß.
Leistung unbelohnt: „Das Steuersystem treibt die Menschen in die Teilzeitarbeit“, ist Wex überzeugt. Mit 34 Wochenstunden habe Österreich den zweitniedrigsten Wert in Europa.
Wir haben 75 Prozent Exportanteil und kämpfen damit am Weltmarkt. Wir verlieren nicht wegen der Qualität, aber wegen des Preises.
Oswald Wolkenstein, Geschäftsführer der WK-Sparte Industrie
Bürokratie: Ausgerechnet in diesem Bereich habe es seit 2019 den höchsten Zuwachs bei den Beschäftigten gegeben. „Zudem besteht ein Misstrauen der Behörden gegen Unternehmen“, konstatiert Wolkenstein.
Energie: Die Strompreisbildung müsse kritisch hinterfragt werden. Für Polemiken gegen wichtige Projekte wie im Kaunertal habe man kein Verständnis.
Fachkräftemangel: Jugendliche sollten nach neun Schuljahren „lehrlingsfit“ sein. Auch bei Plansee müsse man aber leider erleben, dass dies oft nicht der Fall sei. Ein Grund für Mängel an Schulen sei eine „falsche Zuwanderung“.
Die Tiroler Industrievertreter fordern einen „Kurswechsel“ und einen „nationalen Schulterschluss“ für Änderungen – kein Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern und weniger Bürokratie. „Das Sparen beginnt beim Staat, nur so können wir uns den Spielraum für die Zukunft schaffen.“
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