Prozessauftakt

Arzt wegen gefälschter Abnehmspritzen vor Gericht

Salzburg
30.06.2025 21:30
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Ein Salzburger Arzt steht derzeit am Landesgericht Steyr unter schwerem Verdacht: Er soll gefälschte Abnehmspritzen an mehrere Patientinnen verkauft haben – mit gefährlichen Folgen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mediziner unter anderem gewerbsmäßigen Betrug, schwere Körperverletzung und Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vor.

Zum Prozessauftakt am Montag am Landesgericht Steyr versuchte sich der Mediziner zu rechtfertigen: „Ich habe geglaubt, das sind echte Präparate. Ich war zu gutgläubig.“ Doch laut Staatsanwaltschaft wusste der Arzt genau, was er da weitergab: gefälschte Medikamente mit gefährlichem Inhalt.

Der Arzt hatte im Herbst 2023 225 Ozempic-Pens (für Selbstinjektionen) über zwei inzwischen verurteilte Händler aus dem Bezirk Steyr-Land bezogen – für 41.000 Euro. Die Pens waren gefälscht und enthielten nicht den Wirkstoff Semaglutid, sondern Insulin glulisin. Zwei Frauen (33 und 61 Jahre alt), die diese Spritzen verwendeten, erlitten daraufhin eine lebensbedrohliche Unterzuckerung – ohne rasche Spitalsbehandlung hätten sie wohl nicht überlebt.

Sieben dieser Pens gab der Arzt in seiner Praxis an sechs Patientinnen weiter – zum Stückpreis von 399 bis 499 Euro. Gekauft hatte er sie für rund 200 Euro pro Stück. Laut Anklage: eine saftige Gewinnspanne auf Kosten der Gesundheit seiner Patientinnen.

Die Staatsanwältin ist überzeugt: „Der Angeklagte wusste, dass es sich um Fälschungen handelt. Er hat sie trotzdem als echt verkauft.“ Zudem belasteten ihn die verurteilten Händler schwer – sie sagten, der Arzt habe gewusst, was er kauft.

Besonders brisant: Nachdem erste Nebenwirkungen bekannt wurden, habe der Arzt laut einem Opfer-Anwalt versucht, die Sache zu vertuschen. „Er hat die Pens zurückgegeben und den Lieferanten gesagt, sie sollen was anderes schicken“, so der Vorwurf. Der Anwalt einer betroffenen Frau spricht von einem „erschütternden Vertrauensbruch“.

Der Verteidiger des Arztes sieht das anders: Sein Mandant sei selbst Opfer geworden. Die Händler hätten ihm glaubhaft erklärt, die Ware stamme aus seriösen Quellen. Die Lieferkette sei ihm aber nie offengelegt worden.

Eine heikle Frage stellte die Richterin: Warum liefen die Zahlungen über ein Konto in Dubai? Antwort des Arztes: Das hätten die Händler so verlangt. Für die Staatsanwältin sei dies ein klarer Hinweis auf eine geplante Verschleierung. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Ein dritter Verhandlungstag ist für den 7. Juli angesetzt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt