Corona war gestern – jetzt sind es Miete, Strom und Lebenserhaltungskosten: 1093 Salzburger suchten 2025 Schuldnerhilfe. Im Schnitt geht es um 91.000 Euro. Brisant: Wer neu in Privatkonkurs rutscht, muss oft wieder fünf Jahre zurückzahlen – Unternehmer teils nur drei. Und wenn die Frau mitbürgt, wird’s doppelt bitter...
Die Zahlen sind alarmierend: 1093 Menschen pro Jahr suchten 2025 den Kontakt zur kostenlosen Schuldnerberatung in Salzburg. Seit drei Jahren liegt der Wert kontinuierlich über 1000. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel davor waren es rund 880 pro Jahr.
Wer 3000 Euro netto im Monat verdient, den schmerzen 100 Euro mehr für Miete und Strom nicht. Bei 1200 Euro netto tut das weh.

Peter Niederreiter, Leiter Schuldnerberatung Salzburg
Bild: SB Salzburg
Für den Leiter der Anlaufstelle, Peter Niederreiter, zeigt sich vor allem eines: „Die ersten beiden Jahre, in denen die Zahl so hoch war, haben wir auf die Corona-Pandemie zurückgeführt. Aber jetzt zeigt sich, dass die gestiegenen Lebenserhaltungskosten, die hohe Inflation und die Basiskosten für Miete und Strom den Menschen zusetzen.“
Scheidung oder Trennung oft Auslöser für Insolvenz
Gerade Geringverdiener seien betroffen, erklärt der Salzburger: „Unser Klientel sind Leute, die wenig verdienen. Ganz einfach erklärt: Wer 3000 Euro netto im Monat verdient, den schmerzen 100 Euro mehr für Miete und Strom nicht. Bei 1200 Euro netto tut das weh.“
60 Prozent der Privatkonkurse betreffen übrigens Männer. Ein Viertel davon sind Personen, deren Selbständigkeit gescheitert ist. Und quer durch die Bank zeigt sich, dass in den Insolvenzbiografien Umbrüche eine tragende Rolle spielen. Niederreiter erklärt: „Eine Scheidung oder Trennung, bei Frauen ein Kind und die Situation als Alleinerzieherin sind genau solche Umbrüche wie langfristige Arbeitslosigkeit und Krankheit.“
Enorme Ungerechtigkeit zwischen Frau und Mann
Dabei spielt wieder die generelle Teuerungskrise eine Rolle: Die Belastung durch die hohen Preise sei derart hoch, dass schon kleine Umbrüche die Zahlungsunfähigkeit hervorrufen könnten.
Der Mann kann in drei Jahren schuldenfrei sein und die Frau, wenn sie auch insolvent ist, wird fünf Jahre gepfändet.
Peter Niederreiter
Im Schnitt beträgt die Schuldenhöhe rund 91.000 Euro, wobei Männer mit 101.000 Euro die Frauen mit 76.000 Euro bei weitem abhängen. Das Problem ist jedoch ein anderes.
In der Pandemie hat die EU eine Richtlinie herausgegeben, dass man in drei Jahren entschuldet werden soll. Im Gegensatz zu den Nachbarländern hat nur Österreich diese Vorgabe befristet.
Wer heuer in Privatkonkurs schlittert, der zahlt wieder fünf Jahre zurück. Das bedeute laut Niederreiter, rund 40 Prozent mehr an Kosten, längere psychische Belastung und die große Gefahr, dass ein solcher Zahlungsplan scheitern wird.
Doch nicht nur das! Wer als Unternehmer in Privatkonkurs schlittert zahlt weiter nur drei Jahren seine Schuldenquote ab. Niederreiter erklärt aber weiter: „Bei Selbständigen bürgt oft die Frau oder die Ex-Frau für den Mann. Wenn er pleitegeht, kann er in drei Jahren schuldenfrei sein und die Frau, wenn sie auch insolvent ist, wird fünf Jahre gepfändet.“
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