"Außerordentlich"
Deutsche Polizei zeigt Raubkunst-Meisterwerke
Die Sammlung war, wie berichtet (siehe Infobox), im Zuge einer Durchsuchung der Wohnung des Kunsthändler-Nachkommen Cornelius Gurlitt (79) am 28. Februar 2012 in München sichergestellt worden. "Die Gemälde waren fachgerecht gelagert und in einem sehr guten Zustand", sagte Siegfried Klöble (Bild 3), Leiter des Zollfahndungsamts München, am Dienstag.
Kunsthistorikerin Hoffmann (Bild 4) wurde kurz darauf mit der Untersuchung und Zuordnung der insgesamt 1.285 ungerahmten und 121 gerahmten Werke beauftragt, die derzeit an einem geheimen Ort untergebracht sind. Laut der Expertin handle es sich nicht nur um Werke der klassischen Moderne, das älteste Bild stamme aus dem 16. Jahrhundert. Unter den Bildern befinden sich Werke von Picasso, Chagall, Marc, Nolde, Spitzweg, Renoir, Macke, Courbet, Beckmann, Matisse, Liebermann, Dix, Kokoschka, Schmidt-Rottluff, Toulouse-Lautrec und Kirchner.
"Werke von ganz außerordentlicher Qualität"
Die Bilder entdeckt zu haben, sei "natürlich ein unheimliches Glücksgefühl". Die Einzelforschung zu den jeweiligen Künstlern werde davon sehr profitieren. Hoffmann rechnet aber damit, dass die Ermittlungen, bei welchen Bildern es sich um Raubkunst handelt, noch lange andauern werden.
Einige Bilder seien bisher unbekannt gewesen und waren in keinem Werkverzeichnis erfasst, sagte Hoffmann. Es sei ein Selbstporträt von Otto Dix gefunden worden, das bisher völlig unbekannt war, ebenso ein bisher unbekanntes Werk von Marc Chagall. Die Werke seien "von ganz außerordentlicher Qualität", sagte Hoffmann.
Kritik an Geheimhaltung der Behörden wächst
Das langsame Durchsickern von Informationen und die strenge Geheimhaltung stoßen unterdessen sowohl in Deutschland als auch im Ausland auf immer größer werdende Kritik. Doch die Behörden lassen sich nicht davon beeinflussen. Bis die Ermittlungen - unter anderem gegen Cornelius Gurlitt - nicht abgeschlossen sind, werde die Angelegenheit nicht an die große Glocke gehängt, erklärte Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz am Dienstag.
Seit die "wahnsinnige Dimension" bekannt sei, hätten die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden müssen. "Die Ermittlungen haben Vorrang, ich kann nicht darüber spekulieren, wer Eigentümer von irgendwelchen Sachen sein kann", so Nemetz. Wer glaube, Anspruch auf eines der Werke zu haben, könne sich aber gerne bei der Staatsanwaltschaft melden.
Das haben schon einige getan, darunter auch die Erben von Alfred Flechtheim, die in der Sammlung Gurlitt Werke aus den unter NS-Druck aufgelösten Beständen des jüdischen Kunsthändlers in der Sammlung Gurlitt vermuten. Der Berliner Rechtsanwalt und Kunstexperte Peter Raue kritisierte die Geheimhaltung als "nachgerade dreist". Er forderte, Bilder der Werke im Internet zu veröffentlichen. Dann könnten sich Museen und Angehörige der früheren jüdischen Eigentümer melden und zur Aufklärung beitragen.




















Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.