„Achtsam“-Kampagne

Wenn der Wald zur verletzlichen Kinderstube wird

Niederösterreich
16.06.2025 13:00

Wälder, Felder und Wiesen verwandeln sich nun in einen behutsamen Ort der Hoffnung – in eine Kinderstube. Rehkitze, Feldhasen, Bodenbrüter, Fuchswelpen und viele andere Tiere kommen zur Welt. Ihre ersten Lebenswochen sind geprägt von Stille, Schutzbedürfnis – und höchster Verletzlichkeit. Eine Kampagne möchte auf Rücksichtnahme für Waldbesucher hinweisen.

Es ist ein Morgen wie gemalt hier in den Schluchten des wildromantischen Kamptals im grünen Herzen Niederösterreichs, nicht weit von der mittelalterlichen Stadt Horn, wo auch das Schloss von Markus Graf Hoyos in den Felsen der Gezeiten gemeißelt ist. Die ersten Sonnenstrahlen durchbrechen den Dunst, der auch an der nahen Thaya noch über den feuchten Wiesen liegt. „Unsere Natur zeigt sich gerade jetzt im Frühjahr von ihrer zartesten, aber auch von ihrer verletzlichsten Seite. Denn jetzt, zwischen März und Juli, beginnt sie, die große Zeit des Erwachens, des Lebens, des Werdens“, weiß der erfahrene Waldhüter und Waidmann Markus Hoyos.

Markus Hoyos, der besonnene Obmann der Land&Forstbetriebe Niederösterreichs, ersucht ...
Markus Hoyos, der besonnene Obmann der Land&Forstbetriebe Niederösterreichs, ersucht Waldbesucher um besondere Öko-Rücksicht.(Bild: Imre Antal)

Rückzug der Jungtiere – zum Schutz vor Fressfeinden
Jetzt ziehen sich Rehgeißen zum Setzen ihrer Kitze in stille Rückzugsräume zurück – bevorzugt an Waldränder, in hohe Wiesen oder geschützte Hecken. Ihre Jungtiere, sogenannte Abliegetypen, haben von der Natur ein einzigartiges Überlebenskonzept mitbekommen: absolute Regungslosigkeit. Während wir Menschen bei Gefahr zur Flucht neigen, machen Rehkitze genau das Gegenteil – sie bleiben wie versteinert liegen, unsichtbar im hohen Gras. Nur ihre weißen Tupfen schimmern manchmal im Licht.

Die Sorge der Verantwortlichen des Verbands der „Land&Forstbetriebe“ – dass die Wesen des Waldes ihre Unschuld verlieren und von unbedachten Freizeitnutzern so sehr gestört werden, dass sie verenden.

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Unsere Natur ist verletzlicher als viele denken. Wir appellieren daher an alle Waldbesucher, sich gerade jetzt im Frühjahr, sensibel im Lebensraum des Wildes zu bewegen. Nur so können die verletzlichen Jungtiere überleben.

Konrad Mylius (Präsident aller Land& Forstbetriebe Österreichs und selbst Waldhüter in Haag im Bezirk Amstetten)

Das Motto sollte jetzt lauten: Ruhe – Jungtiere nicht aufscheuchen
„Diese Strategie rettet sie vor Fressfeinden – aber sie macht sie auch besonders anfällig, für moderne Gefahren: Kreiselmäher, frei laufende Hunde oder Spaziergänger, die nur augenscheinlich verlassene Jungtiere mitnehmen und retten wollen. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, warnt Konrad Mylius, österreichweiter Präsident der „Land& Forstbetriebe“. Die tragischen Folgen: Ein Rehkitz, das von Menschen berührt wird, kann den elterlichen Geruch verlieren. Dann nimmt es die Mutter unter Umständen nicht mehr an – das bedeutet den sicheren Tod. Sein Appell: „Wer ein vermeintlich hilfloses Jungtier entdeckt, möge es in Ruhe lassen, Abstand halten und notfalls die Jägerschaft oder Grundeigentümer verständigen. In den allermeisten Fällen ist das Muttertier in der Nähe – auch wenn wir es gerade nicht sehen.“

Besonderes Augenmerk bei Hunden in Begleitung
Zentraler und aktueller Punkt der Naturverstand-Kampagne: Hunde bitte in der Setzzeit unbedingt an die Leine nehmen. Ein neugieriger Jagdinstinkt kann für Wildtierkinder fatale Folgen haben – von unnötigem Stress bis hin zu tödlichen Verletzungen. Auch Spaziergänger und Jogger sollten Wege nicht verlassen, sondern die Natur in diesen Wochen mit besonderem Respekt betreten. „Es ist ein Gebot der Achtsamkeit, nicht der Verbote“, bittet denn auch „Ökograf“ Friedrich Hardegg aus dem Pielachtal. Sein zentrales Anliegen, das wir nun regelmäßig ins Bewusstsein unserer Leser rücken wollen: Die Natur ist kein Freizeitraum ohne Regeln – sie ist vor allem Lebensraum. Gerade jetzt, wo sie ihren schützenswertesten Schatz hütet: neues, junges und gerade aufkeimendes Leben.

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