Billig "restauriert"

Ärger in China: 300 Jahre alte Fresken ruiniert

Ausland
25.10.2013 11:13
Die missglückte Billig-"Restauration" von 300 Jahre alten Tempelfresken sorgt im chinesischen Chaoyang für Ärger. Offenbar wollten die Verantwortlichen sparen und beauftragten eine lokale Firma, die keinerlei Erfahrung mit dem Restaurieren hatte. Erst ein Aufschrei im Internet hat nun dafür gesorgt, dass die zuständigen Beamten entlassen wurden. Die Fresken sind aber vermutlich nicht mehr zu retten.

Die Fresken waren Teil des Yunjie-Tempels, der 1734 erbaut worden war und als wichtiges Kulturerbe der Provinz Liaoning gilt. Doch nun sind sie - vermutlich für immer - verloren, schließlich wurden die "Verschönerungen" direkt auf die alten Fresken aufgetragen.

Öffentlich gemacht hat dies der Blogger Tuo Liu, der als Erster Vorher-nachher-Fotos ins Internet stellte. "Die letzte Spur der Geschichte wurde gelöscht", schrieb er dazu. Gegenüber NBC News erklärte er, es habe ihn überrascht, dass die Geschichte daraufhin in ganz China hohe Wellen geschlagen habe. Schließlich sei die Zerstörung von Kulturgut im Land an der Tagesordnung.

Empörung zuerst im Internet
Tuo Liu hatte den Tempel 2011 besucht und dabei Aufnahmen der antiken Wandmalereien gemacht (Foto links). Als er diesen Oktober zurückkehrte, habe ihn fast der Schlag getroffen wegen der "Restauration" (rechts), so Tuo Liu. Und nicht nur ihn: In ganz China zeigten sich, wie so oft, zuerst viele Internetnutzer empört. "Das ist ein Verbrechen, mein Herz ist gebrochen", äußerte sich etwa einer. "Cartoons, die meine Tochter zeichnet, sind besser als das", ein anderer.

Beamter "glücklich" mit dem Ergebnis - gefeuert
Schließlich nahm die Geschichte an Fahrt auf und die lokale Tageszeitung "Liaoshen Evening News" befragte den für den Tempel verantwortlichen Beamten. Er behauptete, die farbenfrohen neuen Malereien würden auf den Original-Fresken basieren und seien von einem Spezialisten ausgeführt worden. Man sei "glücklich" mit dem Ergebnis. Inzwischen sind aber sowohl der Beamte als auch der Chef des Teams, das das Kulturerbe der Stadt im Auge behalten sollte, gefeuert worden.

Li Haifeng von der städtischen Regierung sagte gegenüber der staatlichen "Global Times", die Restaurierung sei nicht von der Regierung abgesegnet gewesen und von einer nicht dafür qualifizierten lokalen Firma durchgeführt worden.

Fresken vermutlich für immer verloren
Dass die Fresken noch gerettet werden können, ist unwahrscheinlich, wie Professor Xu Zhao gegenüber NBC News angab. Die Restauration sei schließlich ein sehr komplizierter Prozess. "Es ist definitiv ein Tabu, direkt auf Original-Malereien zu zeichnen. Wenn sie so zerstört wurden, kann sie niemand wiederherstellen." Vermutlich kein Trost für Kunst- und Kulturfreunde: Nach einem ähnlichen Fall in Spanien pilgern inzwischen Tausende zu einem "restaurierten" Jesus-Fresko (siehe Infobox).

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