11.10.2013 15:00 |

Derzeit in Syrien

Friedensnobelpreis für Chemiewaffen-Inspektoren

Der Friedensnobelpreis 2013 geht an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Das teilte das Nobelkomitee des norwegischen Parlaments am Freitag in Oslo mit. Der Chef des norwegischen Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, sagte, es sei "leicht" gewesen, sich auf einen Preisträger zu einigen. Der mit acht Millionen Schwedischen Kronen (rund 920.000 Euro) dotierte Preis gilt als prestigeträchtigste Auszeichnung der Welt. OPCW-Direktor Ahmet Üzümcü (kl. Bild) erklärte, er fühle sich "sehr geehrt". International wurde die Entscheidung des Komitees durchwegs positiv aufgenommen. Nur aus Russland kam Kritik.

Die Organisation ist für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention aus dem Jahr 1997 zuständig. Sie soll die Chemiewaffenbestände der Vertragsstaaten überprüfen und deren Vernichtung kontrollieren.

Kritik an den USA und Russland
Die OPCW werde wegen ihrer "umfassenden Arbeit für die Abschaffung chemischer Waffen" mit dem Preis ausgezeichnet, sagte Jagland dem TV-Sender NRK. "Mit diesem Preis an die OPCW will das Komitee zur Zerstörung von Chemiewaffen beitragen. Aktuelle Ereignisse in Syrien, wo Chemiewaffen erneut genutzt wurden, haben das Bedürfnis unterstrichen, die Bemühungen, solche Waffen zu zerstören, zu erhöhen", führte das Nobelkomitee weiter aus. Gewisse Länder seien der Organisation noch immer nicht beigetreten, andere Staaten hätten die Deadline, um ihre Waffen zu zerstören, nicht eingehalten, kritisierte Jagland zudem. Dies gelte insbesondere für die USA und Russland.

Nobelpreis für "Chemiewaffenjäger" - zu Recht? Voting in der Infobox.

Die OPCW hat derzeit 189 Mitgliedsstaaten - Syrien soll am Montag 190. Mitglied werden. Zurzeit sind Chemiewaffenkontrolleure in dem Land unterwegs, um Lager aufzusuchen sowie die Vernichtung der Waffen einzuleiten und die Zerstörung zu beaufsichtigen.

OPCW-Generaldirektor Üzümcü wertete die Zuerkennung des Friedensnobelpreises als "extrem wichtige" Stütze für seine Mitarbeiter bei ihrem Einsatz in dem Bürgerkriegsland. Er betrachte den Preis als eine Bestätigung für den Beitrag, den seine Organisation in den vergangenen 16 Jahren zum Frieden geleistet habe. "Ich sehe ihn auch als eine Anerkennung der Bemühungen unserer Mitarbeiter, die jetzt in Syrien sind und die sehr mutige Anstrengungen unternehmen, um ihre Aufgabe zu erfüllen", sagte Üzümcü im norwegischen Rundfunk.

Russischer Politiker kritisiert: "Preis für OPCW verfrüht"
Während unter anderem US-Außenminster John Kerry, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sowie Vizekanzler Michael Spindelegger und Verteidigungsminister Gerald Klug die Entscheidung des Nobelkommitees lobten, gab es Kritik aus Russland an der Wahl des diesjährigen Preisträgers. Der Nobelpreis für OPCW sei verfrüht. "Der Friedensnobelpreis ist zu einem Vorschuss verkommen: Zuerst an (US-Präsident Barack) Obama für schöne Reden, aber nicht für Taten, und nun für die OPCW, die ihre Arbeit in Syrien erst begonnen hat", schrieb der einflussreiche Außenpolitiker Alexej Puschkow im Kurznachrichtendienst Twitter.

16-jährige Malala ging leer aus - Freude bei den Taliban
Viele Beobachter hatten heuer auf einen Preis für die 16-jährige Malala Yousafzai gerechnet, die sich in Pakistan für das Recht von Frauen und Mädchen auf Bildung engagiert. Dass das Mädchen schließlich leer ausging, freute zumindest die pakistanische Taliban. Malala habe nichts getan, womit sie die Auszeichnung verdient hätte, sagte ein Taliban-Sprecher am Freitag.

Als aussichtsreiche Kandidaten galten zudem der kongolesische Arzt Denis Mukwege und der inhaftierte weißrussische Menschenrechtler Ales Beljazki. Insgesamt waren 259 Kandidaten, darunter 50 Organisationen für den Preis nominiert.

Nobelpreis als jährlicher Auftrag in Alfred Nobels Testament
Der Friedensnobelpreis gilt als bedeutendste internationale Auszeichnung im Bemühen um eine friedlichere Welt. Stifter des Preises ist der schwedische Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833 - 1896). In seinem Testament beauftragte er das norwegische Parlament, das Storting, jährlich bis zu drei Personen oder Organisationen für ihre Verdienste auszuzeichnen.

Die Preisträger sollen "den besten oder größten Einsatz für Brüderlichkeit zwischen Staaten, für die Abschaffung oder Abrüstung von stehenden Heeren sowie für die Organisation und Förderung von Friedenskonferenzen" gezeigt haben. Mit dem Friedensnobelpreis wird seit 1960 auch der Einsatz für Menschenrechte und seit 2004 der Einsatz für die Umwelt geehrt.

Preisverleihung am 10. Dezember
Bei der feierlichen Verleihung am Todestag Nobels am 10. Dezember erhalten die Preisträger in Oslo eine Medaille, eine Urkunde und das Preisgeld.

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