Rapids EL-Gegner

Georgische Stadt Gori lockt mit Stalin-Kult

Sport
20.08.2013 10:08
Die Heimat von Rapids georgischem Europacupgegner Dila Gori mag für Fußballfans ein unbeschriebenes Blatt sein. Geschichtsinteressierten ist die 50.000-Einwohner-Stadt 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Tiflis ein Begriff, ebenso wie die Hauptattraktion: der Sowjetdiktator Josef Stalin, der 1878 als Ioseb Dschuchaschwili in Gori geboren wurde.

Und weil der bekannteste Sohn Goris einziger Besuchermagnet ist, war der Unmut in der Bevölkerung groß, als der georgische Präsident Micheil Saakaschwili vor drei Jahren die monumentale Stalin-Statue vor dem Rathaus bei Nacht und Nebel entfernen ließ.

Statue soll wieder errichtet werden
Sie soll aber wieder aufgestellt werden. Die neue Regierung will nicht die radikale Trennung vom sowjetischen Erbe, sondern die kritische Auseinandersetzung damit. So ist geplant, das mehr als sechs Meter hohe Standbild am Stalin-Museum von Gori wiederzuerrichten und die Museumsausstellung zu reformieren.

Bis dato sind Ambiente und Exponate des Museums, das 1957, vier Jahre nach dem Tod des Diktators, eröffnet wurde und sowohl die Entstalinisierung als auch Glasnost und das Ende der UdSSR überstand, freilich nichts anderes als eine Hommage an den gebürtigen Georgier. Die Regierung sah sich daher bemüßigt, extra zu betonen, dass sie Georgien trotz des fortdauernden lokalen "Stalin-Kults" weiterhin in die EU und die NATO bringen will.

Massenmord wird verschwiegen
Fotografien, Gemälde, Büsten und Statuen reihen sich von Schauraum zu Schauraum aneinander und zeigen Stalin in allen Lebensaltern und -lagen: Jungkommunist, Revolutionär der Industrialisierung, Held im Krieg gegen Hitler-Deutschland. Nichts von den Millionen Menschen, die während seiner Herrschaft in der Sowjetunion bei politischen Säuberungen ermordet wurden, in Arbeitslagern umkamen oder bei Hungersnöten, welche die landwirtschaftliche Kollektivierung nach sich zog, ums Leben kamen. Wie sehr die historische Figur polarisiert, offenbart das Museums-Gästebuch mit seinen in mehreren Sprachen auf Papier ausgetragenen Kontroversen.

Bevor man im Museumsshop eine Stalin-Devotionalie etwa in Form einer Zündholzschachtel oder eines Kaffeehäferls mit dem Antlitz des Sowjet-Führers ersteht, sollte man noch vor dem Museumsgebäude den gepanzerten Zug-Salonwagen des einstigen Machthabers mit Badewanne und WC besuchen und vor allem das winzige Geburtshäuschen mit typischer Holzveranda, das, beschirmt von einem baldachinartigen Überbau, an Ort und Stelle erhalten geblieben ist.

Land mit blutiger Geschichte
Gori hat ein weiteres Museum mit ebenso blutigem Hintergrund: 2008 wurde die Stadt im fünftägigen August-Krieg Georgiens gegen Russland von russischen Truppen angegriffen und kurz besetzt. Präsident Saakaschwili hatte damals versucht, die beiden von Georgien abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien, die von Moskau unterstützt werden, mit militärischen Mitteln zurückzuerobern: Er scheiterte. 550 Menschen wurden auf georgischer Seite in Gori getötet. Das Kriegsmuseum erinnert an sie, aber auch an andere georgische Kriegstote.

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