30.07.2013 21:15 |

WikiLeaks-Prozess

Manning in 19 von 21 Punkten schuldig gesprochen

Ein US-Militärgericht in Fort Meade hat den WikiLeaks-Informanten Bradley Manning am Dienstag in 19 von 21 Anklagepunkten schuldig gesprochen - der Unterstützung des Feindes wurde er jedoch für "nicht schuldig" befunden. Damit droht ihm zwar keine Todesstrafe, aber eine Freiheitsstrafe von mehr als hundert Jahren. Mit dem Strafmaß will sich das Gericht ab Mittwoch befassen.

Der 25-jährige Obergefreite Manning hatte während seiner Stationierung im Irak zwischen November 2009 und Mai 2010 Hunderttausende Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Enthüllungsplattform WikiLeaks zugespielt. In dem seit Juni laufenden Prozess in Fort Meade bei Washington bekannte sich Manning in zehn Punkten schuldig, darunter Spionage und Computerbetrug.

Für die Staatsanwaltschaft sowie Teile von Politik, Medien und Öffentlichkeit ist Manning ein Verräter, der mit den Enthüllungen sensibler Dokumente bewusst seinem Land schaden wollte. Für seine Unterstützer dagegen ist der junge Soldat ein mutiger Kämpfer für Transparenz, der mit seinen Enthüllungen über Kriegsverbrechen im Irak und Afghanistan zur öffentlichen Debatte über die Kriegseinsätze beitragen wollte. Seine Verteidigung schilderte ihn zuletzt als "jungen, naiven und wohlmeinenden Bürger".

Unter den Dokumenten zu den Kriegen in Afghanistan und dem Irak, die Manning WikiLeaks zuspielte, war auch die Video-Aufzeichnung der Besatzung eines US-Kampfhelikopters, die auf einer Straße in Bagdad offenbar mutwillig eine Gruppe unbewaffneter Iraker erschießt. Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos in dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wurden. Außerdem übermittelte Manning WikiLeaks mehr als 250.000 vertrauliche diplomatische Depeschen.

WikiLeaks kritisiert "Sicherheitsextremismus"
WikiLeaks verurteilte am Dienstag den Schuldspruch von Manning. Dies zeige den "gefährlichen, nationalen Sicherheitsextremismus der Regierung" von Präsident Barack Obama, schrieb die Organisation auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. WikiLeaks gehört zu den schärfsten Kritikern des Prozesses gegen Manning. Nach Aussage von WikiLeaks-Gründers Julian Assange war sein Verbrechen, dass er die Wahrheit sagte.

Das Verfahren in Fort Meade bei Washington ist der erste große Prozess gegen einen sogenannten Whistleblower in den USA und könnte als Präzedenzfall für weitere bekannte Enthüller dienen, darunter WikiLeaks-Chef Assange und den von den USA als Geheimnisverräter gejagten Computerspezialisten Edward Snowden.

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