„Krone“-Kolumnist Robert Schneider erinnert sich angesichts der Handy-Fixierung seiner Söhne an die eigene Kindheit. Smartphone gab es damals noch keines – zu beschäftigen wussten sich die Kinder aber dennoch.
„Wie hast du nur deine Kindheit überlebt, so ganz ohne Handy und Computerspiele?“, fragte mich unlängst mein jüngster Sohn, als ich wieder einmal vergeblich versuchte, seinen Medienkonsum einzubremsen. – „Ja, wie habe ich es nur geschafft, am Leben zu bleiben und nicht vor Langeweile tot umzufallen?“, antwortete ich genervt.
Aber die Frage beschäftigte mich immer mehr. Was haben wir Kinder der Sechziger-Jahre eigentlich den ganzen Tag lang gemacht? An Langeweile kann ich mich kaum erinnern. Doch, in den Sommerferien, wenn es tagelang regnete, dann war mir unendlich fad, und ich kam auf dumme Ideen. „Zum Glück hat es aufgehört zu regnen! Raus an die frische Luft!“, frohlockte meine Mutter, wenn endlich wieder die Sonne schien.
„Was hast du gemacht?“, insistierte der Kleine. Ich dachte nach. „Räuber und Gendarm haben wir gespielt, Blinde Kuh und Zehnerln.“ Ich musste ihm die Kinderspiele genau erklären. Dabei kräuselte er die Stirn und schaute mich mitleidsvoll an. „So schlimm war es?“, sagte er nach einer Weile. – „Ich habe meine Kindheit in keiner schlimmen Erinnerung“, antwortete ich. – „Gab es ein Spiel, das dir wirklich Spaß gemacht hat?“ – „Das gab es. Gummitwist hieß es. Das habe ich mit den Nachbarsmädchen gespielt. Man spannt da einen Gummi um die Fußgelenke von zwei Kindern. Dabei stehen die Füße etwa hüftbreit auseinander. Das dritte Kind macht dann bestimmte Sprünge, wobei es stets auf beiden Bändern des Gummis aufkommen muss. Der Gummi wandert von Runde zu Runde weiter nach oben, und das Springen wird immer schwerer. Macht das Kind einen Fehler, ist das nächste dran.“
Ich erzählte voller Überschwang und merkte gar nicht, dass mein Sohn nebenher auf dem Handy TikTok schaute.
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