08.07.2013 14:30 |

"Kümmert euch"

Lampedusa: Papst fordert Solidarität für Flüchtlinge

Papst Franziskus hat am Montag der süditalienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa einen Besuch abgestattet. Das Kirchenoberhaupt wurde bereits am Flugfeld von Tausenden Menschen empfangen, später folgte eine kurze Reise über Wasser, die von 120 Fischerbooten eskortiert wurde. Franziskus unterhielt sich nach einem Bad in der Menge auch mit Migranten, die ihm über ihre lange Überfahrt berichteten. Der Pontifex forderte schließlich "brüderliche Solidarität" mit den Flüchtlingen, die aus Afrika und Asien über das Mittelmeer nach Europa kommen.

Das Flugzeug mit dem Papst an Bord war auf der süditalienischen Insel zwischen Sizilien und Tunesien unter dem Applaus von Tausenden Menschen gelandet. "Willkommen bei den Letzten!", war auf einem Spruchband zu lesen. Franziskus wurde vom Erzbischof der sizilianischen Stadt Agrigento, Bischof Francesco Montenegro, sowie von der Bürgermeisterin der Insel, Giusy Nicolini, empfangen.

Danach stieg der Heilige Vater in ein Motorboot der italienischen Küstenwache. "Bewacht" auch von 120 Fischerbooten und in Anwesenheit des Präfekten des päpstlichen Hauses, Bischof Georg Gänswein, sowie des vatikanischen Sprechers, Pater Federico Lombardi, warf Franziskus einen Kranz zum Gedenken an jene Menschen, die in der Vergangenheit bei der Überfahrt von Nordafrika umkamen, ins Mittelmeer.

"Kümmert euch um diese Menschen"
Daraufhin traf der Pontifex mit den Flüchtlingen selbst zusammen. Rund 50 Menschen verschiedener Religionen hatten ihn erwartet. "Wir haben viel gelitten, um nach Libyen zu gelangen und dann nach Italien. Wir sind aus politischen und ökonomischen Gründen aus unseren Ländern geflohen", berichtete etwa ein Afrikaner, der in dem Auffanglager auf Lampedusa untergebracht ist. Der Papst erklärte, er bete für die Flüchtlinge und für die vielen Menschen, die die lange Seefahrt nicht überlebten.

15.000 Menschen versammelten sich schließlich auf dem Sportgelände der Insel, um an der päpstlichen Messe teilzunehmen. In den ersten Reihen saßen zahlreiche Migranten. Der Pontifex appellierte an die Verantwortung aller, sich um die Flüchtlinge zu kümmern und kritisierte unter anderem die "Globalisierung der Gleichgültigkeit" und forderte "brüderliche Solidarität".

"Historischer Besuch"
Bürgermeisterin Nicolini bezeichnete den Besuch des Papstes auf der Insel als "historisch". "Der Papst spricht zur Welt, er durchbricht somit das Schweigen, das bisher das Drama der Toten im Meer und des Menschenhandels über das Mittelmeer umhüllt hatte. Dieser Menschenhandel wird schon zu lange von Europa toleriert."

Auch der für Flüchtlinge zuständige Kardinal Antonio Mario Veglio erklärte, der Besuch sei ein "starkes Signal" an die Regierungen, ihre Einwanderungspolitik zu überdenken. Vor allem, dass es sich um die erste Reise des Papstes außerhalb Roms handelte, sei bemerkenswert.

Eine knappe halbe Stunde vor der Ankunft des Pontifex auf Lampedusa war erneut ein Boot mit 166 Flüchtlingen an Bord angekommen. Auf der Insel stranden jedes Jahr Tausende Afrikaner, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa die gefährliche Überfahrt in meist überfüllten und wenig seetüchtigen Booten wagen. Immer wieder kommen zahlreiche Flüchtlinge ums Leben - in den letzten 30 Jahren gab es mindestens 20.000 Tote.

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