04.07.2013 14:19 |

Nahversorger pleite

dayli hat Insolvenz angemeldet - über 3.000 Jobs wackeln

Die Schlecker-Nachfolgegesellschaft dayli ist zahlungsunfähig und muss Insolvenz anmelden. Das Unternehmen hat am Donnerstag beim Landesgericht Linz einen Antrag auf Einleitung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung eingebracht. Den Gläubigern werde eine Quote von 25 Prozent angeboten, gab dayli in einer Aussendung bekannt. Betroffen von der Insolvenz sind rund 3.500 Mitarbeiter in Österreich. Das Unternehmen soll aber unter einem neuen Eigentümer fortgeführt werden.

Als Grund für die Pleite führt daily an, dass Teile des Nahversorger-Konzepts - dazu zählt auch die Sonntagsöffnung - nicht wie geplant umgesetzt werden konnten. "Die dadurch verursachte öffentliche Diskussion führte zur Verunsicherung von potenziellen Investoren", hieß es am Donnerstag in einer Aussendung.

Zieger: "Arbeitsplätze und Nahversorgung sichern"
Neuer Eigentümer ist die ICU Unternehmensberatung GmbH von Martin Zieger. Dieser betonte, dass es sein Ziel sei, "die Finanzierung des Unternehmens zu sichern und in Zusammenarbeit mit Politik und Gewerkschaft möglichst viele Arbeitsplätze und die Nahversorgung in Österreich zu sichern".

Offen ist, wie viele der 3.500 Mitarbeiter in Österreich ihren Job behalten. Das Fortführungskonzept von Zieger sieht ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell vor, das ab nächster Woche der daily-Belegschaft vorgestellt werde.

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Haberleitner: "Von Scheitern kann keine Rede sein"
Obwohl das Unternehmen nun offiziell insolvent ist und in den Filialen kaum noch Waren angeboten werden, will dayli-Chef Rudolf Haberleitner weitermachen wie bisher. "Ich glaube immer noch an das Nahversorger-Konzept", sagte der 68-Jährige. Von einem Scheitern könne keine Rede sein. dayli werde unter dem neuen Eigentümer Zieger fortgeführt, Haberleitner selbst sieht sich noch immer als Geschäftsführer. Allerdings übernimmt im Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung der Masseverwalter das Ruder. Haberleitner hat somit rein rechtlich nichts mehr zu sagen.

Abgesehen von dem Ende Juni bereits angekündigten Mitarbeiterabbau von 336 Personen und dem Schließen von 103 Filialen sei kein groß angelegter Kahlschlag zu erwarten, so Haberleitner. Wie es gelingen soll, das Unternehmen fortzuführen? "Zieger wird es am Privatkapitalmarkt versuchen, nicht bei Banken." Er verfüge über "ausgezeichnete Investorenkontakte".

Wie viel Geld Ziegers ICU Unternehmensberatung einbringt, sagte Haberleitner nicht. Dass Haberleitner seine Anteile um einen Euro an Zieger abgetreten hat, wie kolportiert wird, kommentierte er nicht. "Über Preise spricht man nicht."

Überschuldung beträgt fast 50 Millionen Euro
Um die gesamte Umstrukturierung durchzuziehen, hätte dayli allein heuer 76 Millionen Euro gebraucht, so Haberleitner. "Wir haben aber keinen Kredit bekommen." Von Novomatic borgte sich die Firma zehn Millionen Euro. Lieferanten ist dayli etwa 18 Millionen Euro schuldig. Sie sollen eine Quote von 25 Prozent bekommen, also rund 4,5 Millionen Euro. Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wartet noch auf 4,6 Millionen Euro. Die "Sozialkosten" bezifferte Haberleitner mit acht bis neun Millionen. Die Überschuldung beträgt laut dem Landesgericht Linz 49,2 Millionen. Die Beschäftigten bekommen ihre Juni-Gehälter und ihr Urlaubsgeld nun aus dem Insolvenzentgeltfonds bezahlt.

Vorerst nicht von der Insolvenz betroffen sind die dayli-Gesellschaften in Italien und Polen. Durch ein Joint Venture in Polen gebe es dort keine Insolvenzgefahr. Für Italien hingegen könne eine Insolvenz nicht ausgeschlossen werden. Die Gesellschaften in Luxemburg und Belgien mit in Summe 32 Filialen sind in das österreichische Sanierungsverfahren mit eingebunden.

Hundstorfer verspricht Unterstützung für Mitarbeiter
Sozialminister Rudolf Hundstorfer erklärte Donnerstagmittag, dass für die von der Insolvenz betroffenen Mitarbeiter alle arbeitsmarktpolitischen Instrumente "mit voller Vehemenz" zur Verfügung stehen. Die noch ausständigen Entgelte, Urlaubsabfindungen und die Kündigungsentschädigungen würden voll vom Insolvenzentgeltfonds übernommen. In allen Bundesländern stünden Insolvenzstiftungen zur Verfügung, mit denen der längere Bezug von Arbeitslosengeld ermöglicht wird. Außerdem werde es ab Freitag eine eigene AMS-Hotline für die Betroffenen geben.

Gewerkschaft will "verlässlicher Partner" sein
Gewerkschaftschef Wolfgang Katzian versicherte dem neuen dayli-Eigentümer, ein "verlässlicher Partner" in der gemeinsamen Bemühung zu sein, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Er "reiche ihm die Hand" und bat ihn, das Konzept auf den Tisch zu legen, damit man es "gemeinsam anpacken kann", so Katzian.

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