Wimbledon

Melzer siegt gegen Federer-Bezwinger Stachowski

Sport
28.06.2013 17:52
Jürgen Melzer hat es tatsächlich geschafft: Der Deutsch-Wagramer setzte sich am Freitag in Wimbledon gegen den Federer-Bezwinger Sergej Stachowski in vier Sätzen 6:2, 2:6, 7:5 und 6:3 durch und steht damit im Achtelfinale - zum zweiten Mal nach 2010.

Nach einer über weite Strecken ausgezeichneten Leistung freute sich Melzer und gestikulierte triumphierend in Richtung seiner Box, wo seine Frau Iveta Melzer und Manager Ronnie Leitgeb saßen. Zum insgesamt fünften Mal und erstmals seit den Australian Open 2011 hatte es der Weltranglisten-37. in die Runde der letzten 16 geschafft. Eine Genugtuung für Melzer, der zuletzt auch immer wieder von Verletzungen gequält worden war. "Ein Achtelfinale in Wimbledon bedeutet mir viel, das ist ein absoluter Glücksmoment. Vor allem, weil es mir nicht viele zugetraut haben - ich mir schon", freute sich Melzer, der trotz Leistenbruchs in Wimbledon einen Lauf bekam. "Es macht mir Spaß, zu spielen, ich fühle mich wohl, bin konzentriert, und zwischendurch habe ich heute sehr, sehr gut gespielt", erklärte der ehemalige Weltranglisten-Achte.

Stachowski schwer enttäuscht
Schon vor dem Spiel war darüber spekuliert worden, dass Sensationssiege wie jene von Stachowski in der zweiten Runde über den siebenfachen Wimbledonsieger Roger Federer oft im darauffolgenden Match schwer zu bestätigen sind. Stachowski hatte sich einer Flut von Medienanfragen gegenübergesehen, und "es ist schwer, da kühlen Kopf zu bewahren. Jeder erwartet von dir, dass du besser spielst, nachdem du Roger geschlagen hast. Das einzige, was du nicht willst ist, dass du in der Runde darauf verlierst. Das war eine neue Erfahrung für mich, darauf war ich nicht vorbereitet", sagte ein enttäuschter Stachowski.

Melzer zeigte sich vom "Riesentöter" im ersten Duell mit dem Ukrainer unbeeindruckt – und schon nach 31 Minuten hatte der Niederösterreicher den ersten Satz nach zwei Breaks in der Tasche. In der Folge nützte Stachowski im zweiten Durchgang bei 3:2 seinen ersten Breakball zum 4:2 und nahm Melzer auch den Aufschlag zum 6:2 gleich noch einmal ab. Die Vorentscheidung in diesem Match fiel im dritten Satz, als Melzer ein neuerliches Break zum 2:4 kassierte, aber eiskalt das sofortige Rebreak schaffte. "Das war sehr wichtig, dann habe ich mir gedacht, ich kann seinen Aufschlag wieder besser lesen."

"Habe Weg gefunden, seinen Aufschlag zu retournieren"
Auch wenn er in der Folge bei jedem Aufschlag-Spiel mit 0:30 oder 15:30 in Rückstand geriet, überstand Melzer diese Bedrohung und servierte nach einem neuerlichen Break zum 6:5 zur 2:1-Satzführung aus. Im vierten Satz gelang Melzer ein schnelles Break zum 2:1, er geriet aber noch einmal in Gefahr, als er bei 4:3 zwei Breakbälle des 27-jährigen Weltranglisten-116. abwehren musste. Mit seinem neunten Ass holte der French-Open-Halbfinalist 2010 das 5:3 und nahm Stachowski schließlich den Aufschlag zum Matchgewinn ab. "Ich glaube, alles in allem habe ich gewonnen, weil ich einen Weg gefunden habe, seinen Aufschlag zu retournieren", glaubt Melzer. Und im Unterschied zu Federer habe er mit weit mehr Speed auf die Aufschläge des Ukrainers geantwortet. "Roger hat mit sehr viel Slice retourniert, das wollte ich vermeiden - es musste einschlagen."

Mit Jerzy Janowicz steht Melzer am Montag nicht nur ein 2,03-Meter-Hüne gegenüber, sondern auch die Nummer 22 der Welt und wieder ein sehr starker Aufschläger. Gegen den 22-jährigen Polen aus Lodz hat der zehn Jahre ältere Melzer bisher noch nie gespielt. Sollte sich Melzer durchsetzen, dann steht er nicht nur zum ersten Mal im Einzel-Viertelfinale von Wimbledon, sondern kämpft auch um sein zweites Major-Halbfinale nach Paris vor drei Jahren. "Er ist ein sehr gefährlicher Gegner und mit seiner Vor- und Rückhand sehr dominant. Bei ihm gilt ähnliches wie bei Isner oder Karlovic, weil er auch mit 140 Meilen aufschlägt: Man muss das Ding zurückbringen", weiß Melzer, was auf ihn zukommt. "Er wird der Favorit sein, aber mal sehen, ob ich ihn rausnehmen kann."

Peya/Soares retten sich in fünften Satz
Die zahlreichen Regenverzögerungen führten für das Doppel Alexander Peya/Bruno Soares letztlich zu einem Abbruch wegen Dunkelheit. Das in Wimbledon als Nummer 3 gesetzte österreichisch-brasilianische Duo rettete sich bei einem 1:2-Rückstand mit einem Satzgewinn kurz vor Abbruch noch in die Fortsetzung am Samstag. Peya/Soares hatten mit den Australiern Paul Hanley/John-Patrick Smith bisher mehr Mühe als erwartet, das Match endete vorerst bei 4:6, 6:1, 6:7(6), 7:5.

Die beiden ÖTV-Spielerinnen im Doppel bilanzierten unterschiedlich. Tamira Paszek setzte sich mit Christina McHale (USA) in der ersten Runde gegen die 42-jährige Japanerin Kimiko Date-Krumm und die Spanierin Arantxa Parra Santonja 7:6(6), 2:6, 6:3 durch. Die nächsten Gegnerinnen Jekaterina Makarowa/Jelena Wesnina (RUS-4) sind allerdings eine hohe Hürde. Sandra Klemenschits, die mit der Schweizerin Romina Oprandi die zweite Runde erreicht hatte, musste sich dem US-Duo Raquel Kops-Jones/Abigail Spears mit zweimal 1:6 glatt geschlagen geben.

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