So, 26. Mai 2019
17.06.2013 16:00

Pilotanlage in Ö

Forscher stellen Biokunststoff aus Tierabfall her

Rund 500.000 Tonnen tierischer Fette fallen jedes Jahr in Europas Schlachthöfen als Abfall an. Wissenschaftler der TU Graz haben gemeinsam mit europäischen Partnern einen Weg gefunden, wie man diese Ressource für die Herstellung von Biokunststoff nutzbar machen kann. Im Herbst soll in Österreich eine Pilotanlage in Betrieb gehen, schilderte Projektleiter Martin Koller.

Welche Rohstoffe sind für die Produktion von Biokunststoffen verfügbar, ohne in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu stehen? Diese Problematik stand am Ausgangspunkt des EU-Projektes "Animpol". Auf fossile Brennstoffe sollte jedenfalls verzichtet werden. In dem seit 2010 mit drei Millionen Euro aus dem Forschungsrahmenprogramm der EU finanzierten Projekt haben elf europäische Partner unter Grazer Leitung zusammengearbeitet, um das Potenzial dieser Tierabfälle zur Herstellung von Biokunststoffen - sogenannte Polyhydroxyfettsäuren (PHF) - möglichst umfassend zu nutzen.

Die meisten Abfälle aus Schlachthöfen und der Tierkörperverwertung - vor allen Dingen Lipide (Fette) - werden derzeit verbrannt. Stoffe, die unter Umständen sehr nützlich sein könnten, gehen somit buchstäblich in Rauch auf. "Die Natur stellt Polymere wie diese Lipide ebenso wie Proteine kostenlos her - warum sollten wir sie verbrennen?", so Martin Koller vom Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik der TU Graz.

Biodiesel und Biokunststoffe aus Fett
Mit dem Verfahren, das nun entwickelt wurde, werden den Tierabfällen die Fettstoffe entzogen und dann in Fettsäureverbindungen umgewandelt. Anschließend werden diese in gesättigte und ungesättigte Fettsäuren getrennt. Während aus den ungesättigten Fettsäuren Biodiesel hergestellt werden kann, lassen sich die gesättigten biotechnologisch weiter zu PHA verarbeiten, schildert Koller.

Im Rahmen ihrer Untersuchungen haben die Forscher ermittelt, dass sich aus einer Tonne tierischer Lipide 0,7 Tonnen Biokunststoff herstellen lassen. Pflanzliche Rohstoffe würden im Gegensatz dazu nur etwa eine halbe Tonne ergeben. In beiden Fällen wird mithilfe von Bakterien der Ausgangsstoff für die Bio-Polymere hergestellt, aus denen dann der "grüne" Kunststoff resultiert, der biologisch abbaubar ist und mit anderen biologischen Stoffen kompatibel ist.

Pilotanlage in Planung
Eingesetzt werden könnte der Biokunststoff in der Medizin in Form von Implantaten oder Nahtmaterial, das nach gewisser Zeit abgebaut sein soll, oder aber auch als Verpackungsmaterial. Dafür habe sich bereits ein Interessent gefunden, mit dem man nun eine Pilotanlage in Österreich plant, die im Herbst in Betrieb gehen soll: "Wir denken vorerst an eine Produktion im Kubikmeter-Maßstab", so Koller. Die dafür benötigten Tierabfälle belaufen sich laut Koller aus "mehrere hundert Kilo pro Tag".

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