"Die Schweeeeden"

Hans Huber: “Viele hatten Angst um meine Gesundheit”

Sport
04.06.2013 16:43
"Die Schweeeeden sind ein ganz harter Brocken!" Längst ist die - aus technischen Problemen resultierende - turbulente Anmoderation des WM-Qualifikationsspiels Österreich gegen Schweden im September 1997 (1:0) von Hans Huber ein YouTube-Hit (siehe Video). Für krone.at lässt der Reporter-Hero seine fast beängstigend detailgetreuen Erinnerungen an den Kult-Kommentar und den Krimi am Rasen Revue passieren.

krone.at: Können Sie sich vorstellen, warum wir Sie drei Tage vor dem Spiel Österreich gegen Schweden kontaktieren, Herr Huber?
Hans Huber: Die Schweeeeden (lacht).

krone.at: Ganz genau. Wie oft haben sie dieses Hoppala von damals dieser Tage schon erklären müssen?
Huber: Oft. Es gab ja auch einige Reportagen in diversen Medien zu diesem Thema.

krone.at: Haben Sie damals gedacht, dass diese Moderation zu so einem Klassiker wird?
Huber: Gar nicht. In diesem Augenblick war's mir sehr unangenehm, irgendwie peinlich. Mittlerweile kann ich darüber lachen. Auch der Toni Polster hat mir unlängst erklärt, wie er das damals erlebt hat und dass er immer noch sehr lachen muss, wenn er das sieht.

krone.at: Was war denn damals das Problem?
Huber: Ich habe eine Rückkoppelung gehabt und mich mit etwa eineinhalb Sekunden Verzögerung via Kopfhörer selbst gehört. So etwas ist sehr unangenehm. Weil ich dann sehr langsam und undeutlich gesprochen habe, haben sich viele Zuseher Sorgen um meine Gesundheit gemacht. Erst als ich dann das entsprechende Kabel rausgerissen habe, war alles wieder in Ordnung und ich habe normal kommentieren können.

krone.at: Wessen Schuld war das?
Huber: Ein bisschen auch meine. Ich wollte nämlich den Kommentator vom Studio hören und habe deshalb diese Leitung bestehen lassen. Als ich an der Reihe war, habe ich mich dann halt doppelt gehört. Das hat auch der Tonmeister nicht gleich überrissen, der das von innen regeln hätte können. Wir waren halt alle sehr überrascht.

krone.at: Wie genau ist Ihnen das Spiel selbst noch in Erinnerung?
Huber: Das ist mir sehr gut in Erinnerung, weil es eines der besten und aufregendsten Spiele der Nationalmannschaft war. Die Dramatik bestand ja nicht nur darin, dass bei einem Sieg der Weg zur WM-Endrunde nach Frankreich frei war. Das Spiel selbst hatte ja auch einiges zu bieten: Erst die Rote Karte für Toni Pfeffer in der 40. Minute, danach hatten wir das Spiel - obwohl in Unterzahl - relativ gut im Griff. Dann wurde auch der rechte Verteidiger der Schweden, Roland Nilsson, ausgeschlossen. Und dann kam dieses tolle Tor von Andi Herzog, der heute noch sagt, er ist froh, nicht auf mich gehört zu haben - ich habe beim Kommentieren ja gesagt, dass Cerny rechts frei wäre, aber Herzog hat einfach abgezogen und genau ins Kreuzeck getroffen. Nach dem 1:0 kam es zur Situation, in der Michi Konsel wegen Torraubs ausgeschlossen wurde.

krone.at: War das für Sie eine Rote Karte? Konsel sagt ja heute noch, er sei zu Unrecht ausgeschlossen worden.
Huber: Die Absicht war ja wohl schon erkennbar. Konsel hat den schwedischen Stürmer wohl tatsächlich nur leicht berührt - trotzdem hat der Schiedsrichter auf Torraub entschieden. Das war eine umstrittene, aber regeltechnisch wohl gedeckte Entscheidung. Jedenfalls kam dann Wohlfahrt statt Konsel. Und in seiner ersten Aktion hält er - völlig unaufgewärmt - den Freistoß des gefoulten Zetterberg, der als guter Freistoßschütze bekannt war, ganz sicher. Die Schweden hatten schon auf den Abpraller spekuliert - vergebens. Es war ein unglaublich aufregendes Spiel.

krone.at: Können Sie sich eigentlich an jedes Spiel, das Sie irgendwann einmal kommentiert haben, so genau erinnern?
Huber: Nein, natürlich nicht. Aber es gibt ein paar Spiele, die einem in Erinnerung bleiben. Dazu zählt für mich auch das erste Spiel in dieser Qualifikation in Schweden, das wir auch durch ein Herzog-Tor 1:0 gewonnen haben. Oder auch das Champions-League-Finale 1999, das Manchester United gegen Bayern München in letzter Sekunde gewonnen hat. Auch das Champions-League-Finale von 2005, das Liverpool nach einem 0:3-Rückstand gegen Milan noch gewann, ist geblieben, oder das EM-Finale 2000, als Frankreich durch das Golden Goal von Trezeguet gewann. Es gibt also schon eine Fülle von tollen Spielen, die sich bei mir eingebrannt haben. Und Schweden gegen Österreich zählt mit Sicherheit dazu.

krone.at: Viele Experten meinen, wir hätten derzeit die beste Nationalmannschaft seit eben der 98er-Generation. Können Sie mit dieser These etwas anfangen?
Huber: Das kann ich schon, weil ich glaube, dass der österreichische Fußball auf eine positive Zukunft zusteuert. Aus den Akademien und Ausbildungsstätten kommen jetzt sehr viele gut ausgebildete Spieler heraus. Früher gab's das nicht, daher wurden einige Talente auch übersehen. Heute wechseln junge Spieler mitunter schon sehr früh ins Ausland, daher fehlen den Klubs womöglich die allerbesten Spieler. Aber das Nationalteam wird sicher davon profitieren. Wir haben ja auch jetzt schon viele Legionäre im Team, wenngleich nicht jeder ständig spielt. Das ist vielleicht der Unterschied zur 78er-Generation. Da spielte Prohaska in Italien, Krankl bei Barcelona, Kreuz bei Feyenoord, Jara und Hickersberger in Deutschland und so weiter. Das waren Spieler, die bei absoluten Topklubs ständig spielten. Und sie qualifizierten sich für eine WM und machten dort gute Figur. Das fehlt der jetzigen Nationalmannschaft noch. Aber sie ist auf dem Sprung dorthin, wo wir 1978 oder 1998 waren.

krone.at: Ihr Tipp für das Spiel am Freitag?
Huber: Ich hoffe auf eine Wiederholung von 1997.

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