Vor einigen Wochen wurden im Kloster Sankt Josef in Lauterach von einer Ordensschwester ein Schuh und eine Mütze gefunden, die einst im Besitz von Papst Pius IX. waren. Für „Krone“-Kolumnist Robert Schneider ist diese Anekdote natürlich ein gefundenes Fressen.
Mit Zittern und erröteten Wangen wird Schwester Alena Diabolkova (48) den Inhalt jenes dubiosen Päckchens studiert haben, das ihr vor gut drei Wochen auf dem Dachboden des Klosters St. Josef in Lauterach in die Hände fiel. Musste sie doch, als sie neben dem Pileolus auch noch den roten Schuh von Papst IX. in Fingern hielt, unwillkürlich an die Szene aus Monty Pythons „Life of Brian“ denken, wo die „Volksfront von Judäa“ eine verwaiste Sandale findet und sie zum religiösen Symbol erhebt.
Die ehrwürdige Schwester wusste nicht, woher das plötzliche Erröten und Zittern kamen. War es die Aufregung, einem Papst so nahe gekommen zu sein? War es die Scham darüber, sofort an diesen häretischen, die katholische Religion lächerlich machenden Film gedacht zu haben, den sie eigentlich nie hätte sehen dürfen, es aber heimlich doch getan hat und ihn auch noch witzig fand? Gewaltige Gewissensbisse plagten unsere Redemptoristin, als sie die Treppe des Dachbodens hinunterstieg. Weil Bischof Benno ohnehin eine routinemäßige Visitation des Klosters angekündigt hatte, würde sie das mit „Life of Brian“ sofort beichten, und als Sühne ein kleines Museum installieren, wo Käppchen und Schuh für jedermann für immer und ewig zu bestaunen wären.
Bischof Benno erfuhr es aus der Zeitung. Weil er ein hochgelehrter Mann ist, wusste er, dass mit diesem Pius IX. nicht zu reüssieren ist, hat jener doch das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet. Schwieriger Fall.
In der Predigt zum 120-Jahr-Jubiläum des Klosters deutete der Bischof die Sache elegant um: Der Schuh stehe dafür, miteinander unterwegs zu sein.
Ob Schwester Alena bei dieser Gelegenheit gebeichtet hat, entzieht sich meiner Kenntnis.
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