Hoeneß hatte in der Sitzung angeboten, das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden ruhen zu lassen, bis die Behörden über die strafbefreiende Wirkung seiner Selbstanzeige entschieden haben. Er drückte dem Gremium gegenüber zudem sein Bedauern über den Vorfall aus und entschuldigte sich. Offenbar kam das gut an, denn der Aufsichtsrat entschied nach intensiver Diskussion, dass Hoeneß im Interesse des FC Bayern, der immerhin am 25. Mai im Londoner Wembley-Stadion um die Krone im europäischen Klubfußball kämpft, sein Amt weiterhin ausüben soll.
"Aufsichtsrat wird die Angelegenheit weiterhin beobachten"
Der Vereinspatron hat damit den Kampf um sein Spitzenamt fürs Erste gewonnen. Es ist aber zunächst nur eine Atempause, denn die Causa Hoeneß könnte schnell wieder auf die Agenda kommen. "Der Aufsichtsrat wird die Angelegenheit weiterhin beobachten und sich bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema befassen", hieß es.
Auch Vorstand um Rummenigge war in Arena gekommen
Um 16 Uhr war der Aufsichtsrat in der Münchner Allianz-Arena zusammengekommen, der vierköpfige Vorstand der FC Bayern München AG um Karl-Heinz Rummenigge erschien ebenfalls in der Arena. Die Teilnahme des Quartetts bei der Sitzung war nicht ungewöhnlich, denn im täglichen Geschäft muss sich die Führung ungeachtet des öffentlichen Aufsehens in der Causa Hoeneß auch um das Kerngeschäft des Rekordmeisters kümmern. So muss der Aufsichtsrat etwa millionenschwere Investitionen absegnen - wie zum Beispiel die Verpflichtung von Mario Götze von Borussia Dortmund, für den 37 Millionen Euro gezahlt werden sollen.
Bayerns Ministerpräsident stärkte Hoeneß den Rücken
Kurz vor der Sitzung hatte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer Hoeneß noch öffentlich den Rücken gestärkt. "Es ist in meinen Augen vertretbar, wenn Uli Hoeneß bis zur vorläufigen Klärung der Angelegenheit durch die Staatsanwaltschaft als Präsident im Amt bleibt. Dafür hätte ich Verständnis", sagte Seehofer. "Er muss nicht vorher zurücktreten, ehe die Behörden abschließend ermittelt haben. Dafür gibt es die Rechtsstaatlichkeit."
Der Aufsichtsrat, dem unter anderem die Bosse von Audi (Rupert Stadler) und Adidas (Herbert Hainer) angehören, deren Unternehmen jeweils mit 9,1 Prozent Anteilseigner an der FC Bayern München AG sind, folgte der Ansicht von Seehofer. Nicht wenige Beobachter hatten erwartet, dass gerade die Unternehmensführer wie Stadler und Hainer, aber auch Timotheus Höttges vom Hauptsponsor Telekom und VW-Chef Martin Winterkorn den Vorsitzenden Hoeneß dazu drängen könnten, nach dem Champions-League-Finale Konsequenzen aus der Steueraffäre zu ziehen.
Rummenigge bleibt bis 2016
Am späten Montagabend wurde außerdem eine weitere Bayern-Personalfrage geklärt: Rummenigge soll bis Ende 2016 Vorstandsvorsitzender bleiben. Der Vertrag des 57-Jährigen wurde laut "Bild" um drei Jahre verlängert. Der Aufsichtsrat des Klubs habe am Montag dem neuen Vertrag zugestimmt. Rummenigges ursprünglicher Kontrakt wäre Ende des Jahres ausgelaufen. Seit 2002 ist der ehemalige Nationalspieler Vorstandschef. Davor war Rummenigge Vizepräsident beim deutschen Rekordmeister.
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