krone.at: Elf Tore in 24 Spielen für die TSG Hoffenheim II in der Regionalliga Südwest - wie bilanzierst du nach deiner ersten fast kompletten Legionärssaison?
Michael Gregoritsch: Also im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Es gibt keinen jüngeren Spieler, der in der vierten Liga so viele Tore gemacht hat, und ich bin Teil des Profikaders. Das Einzige, das noch fehlt, das i-Tüpfelchen sozusagen, wäre ein Bundesliga-Einsatz.
krone.at: Was schätzt du - wie weit bist du von der Bundesliga-Mannschaft entfernt?
Gregoritsch: Im Winter war ich schon nahe dran, da hat mir Trainer Marco Kurz sehr viel Vertrauen geschenkt. Dann habe ich mich aber leider verletzt, und ich war für acht Wochen weg vom Fenster, das hat mich natürlich gewaltig zurückgeworfen. Zu dem Zeitpunkt war ich fest überzeugt davon, dass ich bald spielen würde, und habe auch immer weiter Gas gegeben, bis es offenbar irgendwann zu viel geworden und leider eine Sehne im Oberschenkel eingerissen ist.
krone.at: Man sagt ja gerne, dass in Deutschland intensiver trainiert wird. Hat diese angeblich höhere Intensität bei deiner Verletzung eine Rolle gespielt?
Gregoritsch: Naja, ich war das erste halbe Jahr lang überhaupt nicht verletzt, Gott sei Dank, da habe ich wirklich jedes Training mitgemacht. Und bitte: Man trainiert ja nicht viel weniger in Österreich, in der Vorbereitung fast noch mehr.
krone.at: Vor allem unter den Fittichen deines Vaters...
Gregoritsch: (lacht) Ja, genau! Also es kann zwar trotzdem sein, dass es eine Überbelastung war, aber ich glaube, das hat eher damit zu tun, dass so eine Verletzung bei einem jungen Spieler irgendwie dazugehört. Leider hat's mich im schlechtesten Moment erwischt. Im Nachhinein tut's einfach sehr weh, weil die Chance groß war, dass ich meine ersten Bundesliga-Einsätze für Hoffenheim hätte machen können.
krone.at: Wo siehst du persönlich die größten Unterschiede für Kicker in Deutschland und Österreich?
Gregoritsch: Dadurch, dass bei uns, also dass in Deutschland in einer Profimannschaft viel mehr Nationalspieler sind als in Österreich, hat das Training von Haus aus eine höhere Qualität. Man kann sich nie ausruhen und muss immer 100 Prozent geben. Ich sage nicht, dass es in Österreich von Grund auf schlechter zugeht. Ich glaube sogar, dass die österreichische Liga von der deutschen nicht so weit entfernt ist, wie viele glauben, aber die Dichte der Nationalspieler hebt die Qualität im Training schon noch einmal enorm an.
krone.at: Stichwort Jugend - du bist der zweitjüngste Torschütze in der Regionalliga Südwest, siebentbester Torjäger überhaupt und der erfolgreichste U20-Schütze. Was glaubst du selbst, wieso du in so jungen Jahren schon so regelmäßig triffst?
Gregoritsch: Naja, ich glaube, man hat schon in Österreich gesehen, dass ich etwas drauf habe. Jetzt werden manche sagen, ich hätte nur wegen meines Vaters gespielt, aber die Leistungen habe ich trotzdem immer gebracht. Den Torriecher habe ich auch schon immer gehabt, da habe ich eine Gabe mitbekommen. Aber ich arbeite natürlich auch in jedem Training hart daran und hoffe, dass ich mich weiter verbessern kann. Elf Tore sind zwar schön und gut, aber ich will natürlich noch öfter und noch regelmäßiger treffen.
krone.at: Hoffenheim erlebt eine schwere Saison mit ungewissem Ausgang. Hat der Saisonverlauf auch einen Anteil daran, dass du bisher nicht in die erste Mannschaft hineinschnuppern konntest?
Gregoritsch: Also ich glaube, das kann man so nicht sagen. Jeder Trainer hat seine eigenen Ansprüche, und jeder unserer Trainer, die heuer bei uns am Ruder waren, hat mir gesagt, dass ich ein sehr großes Talent bin und dass sie auf mich bauen. Aber tatsächlich ist die Konkurrenz bei uns riesig im Sturm, und die Burschen machen es eigentlich nicht so schlecht. Eigentlich hoffe ich noch immer, dass ich vielleicht hineinschnuppern kann - aber das steht in den Sternen, ob es schon in dieser Saison passieren wird oder erst in der kommenden. Ich glaube, auch wenn es heuer nicht mehr klappen sollte, wird mich das nicht daran hindern, dass ich in der Bundesliga später einmal durchstarten werde. Man kann ja nicht erwarten, dass man vom Absteiger in Österreich nach Deutschland wechselt und dort sofort in der Bundesliga spielt. Das ist fern von jeder Realität.
krone.at: Jetzt bist du aus der österreichischen Bundesliga zwar ins Ausland gewechselt, aber - wie manche Kritiker einwenden - "nur" in die vierte deutsche Liga. Wie reagierst du auf solche Bemerkungen?
Gregoritsch: Ich befasse mich eigentlich nicht mit solchen Kommentaren. Ich bin ja trotzdem Mitglied einer Profimannschaft in Deutschland, auch wenn wir nicht sehr gut unterwegs sind, ich mache normal jedes Training mit. Nein, ich glaube schon, dass ich einen sehr guten Schritt gemacht habe. Auch wenn ich schon zwei Jahre in der österreichischen Bundesliga gespielt habe, darf man nicht vergessen, dass ich gerade erst 19 Jahre alt geworden bin. Zu den Kritikern kann ich nur sagen: "Schaut's einmal, wie viele 19-Jährige in der deutschen Bundesliga spielen. Viele sind das nicht."
krone.at: Stichwort Vater. Den siehst du nicht nur bei Besuchen daheim bei der Familie, sondern auch als Trainer beim U21-Nationalteam. Hättest du bei seinem Abschied vom KSV einst gedacht, dass du ihn so bald wieder als Coach haben würdest?
Gregoritsch: Ich habe mir zuerst gedacht, jetzt bin ich endlich frei! Nein, Spaß! Ehrlich gesagt, habe ich mir gar nicht überlegt, wie schnell das gehen kann. Auch nicht, als er die U21 übernommen hat, obwohl ich ja schon unter seinem Vorgänger, dem Andreas Herzog, das eine oder andere Mal dabei gewesen bin. Wobei, dass mich schon Herzog eingesetzt hat, daran sieht man, dass ich nicht nur dabei bin, weil ich der Sohn des Trainers bin, sondern weil ich wirklich Leistung gebracht habe. Da freut es mich sehr, dass die ganze Mannschaft das akzeptiert, dass das ganze Trainerteam das akzeptiert. Vielleicht wird er ewig mein Trainer sein (lacht). Es wird zwischen uns nie ein anderes Verhältnis sein als Vater-Sohn zu Hause und Trainer-Spieler im Fußball.
krone.at: Beim U21-Team spielt dieses Verwandtschaftsverhältnis keine Rolle?
Gregoritsch: Nein, absolut nicht. Die Spieler wissen, dass ich ein ganz normaler Teil der Mannschaft bin und kein Maulwurf oder sonst irgendwas. Sie akzeptieren das, und ich bin sehr gut in der Mannschaft integriert. Es spielt überhaupt keine Rolle, dass der Trainer den gleichen Nachnamen hat wie ich.
krone.at: Spanien, Ungarn, Bosnien, Albanien sind die Gegner des U21-Teams, in dem du in fünf Spielen fünf Tore erzielt hast, in der kommenden EM-Qualifikation. Was ist angesichts dieser Gegner für Rot-Weiß-Rot drinnen?
Gregoritsch: Wenn wir uns qualifizieren wollen, müssen wir zumindest alle außer den Spaniern schlagen. Gegen Ungarn haben wir auch schon bewiesen, dass wir das können. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, mit vielen Bundesligaspielern und einigen wirklich guten Legionären, wie etwa der Marcel Sabitzer, der jetzt bei Rapid sehr gute Spiele macht, oder der Raphael Holzhauser von Stuttgart. Wenn wir an uns glauben und uns auf unsere Stärken verlassen, ist nicht einmal Spanien für uns unschlagbar.
krone.at: Zum Abschluss lass' uns noch kurz auf die Region eingehen, in der du spielst. Hoffenheim, das ist ein Stadtteil von Sinsheim nahe Heidelberg. Wie ist das Leben hier?
Gregoritsch: Ich selber lebe in Heidelberg, das ist eine wunderschöne Stadt, 20 Minuten von Hoffenheim entfernt, und jeder, der mich bisher besucht hat, wollte gar nicht mehr von hier weg. Heidelberg hat eine interessante Altstadt, hier leben viele junge Menschen,ich sehr wohl und bin sehr froh, dass ich hier wohne.
krone.at: Kannst du Besuchern der Region einen Tipp geben?
Gregoritsch: Wie gesagt, Heidelberg generell kann ich jedem empfehlen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.