Schöttel an die Fans:

“Jetzt kann man sich ja wieder über Rapid-Tore freuen”

Sport
18.04.2013 12:29
Staatstragend, sachlich, souverän - wie nach jeder einzelnen Niederlage bewahrte Peter Schöttel auch in der Stunde seiner wohl bittersten Pleite Contenance. Bei seiner Abschiedspressekonferenz beantwortete er geduldig jede noch so gefinkelte Journalistenfrage. Nur einem Teil der dauergrantigen Rapid-Fans hinterließ er eine verbale Spitze: "Jetzt, wo ich, der für viele in diesem Stadion ungeliebte Trainer, weg bin, kann man sich ja wieder über Rapid-Tore freuen."

Zum Verständnis: Vor Schöttels letztem Meisterschaftsspiel als Cheftrainer bei Rapid gegen Wiener Neustadt am vergangenen Wochenende (2:0) hielten die eingefleischten Anhänger ihren viel Staub aufwirbelnden Protestmarsch ab, um gleichsam gegen alles und jeden im Verein zu demonstrieren. Erst mit Beginn der zweiten Halbzeit enterten sie die Westtribüne und "mussten" prompt mit ansehen, wie ihre (angeblich) so geliebte Mannschaft mit 1:0 in Führung ging. Der Jubel der Fans blieb aber demonstrativ aus - offenbar auch ein Zeichen des Protests.

"Wenn jemandem Rapid wirklich am Herzen liegt, dann kann er sich ja jetzt wieder über Tore der Mannschaft freuen", sagte Schöttel am Mittwoch nach seiner Beurlaubung.

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Keine feurige Romanze
Schöttel und die Fans - das war nie eine feurige Romanze, sondern stets eine sperrige Angelegenheit. Anders als etwa Block-West-Darling Josef Hickersberger ließ sich Schöttel nach Siegen nie von den Fans feiern, verzichtete er auf ausschweifende Jubel- und Dankesgesten in Richtung Tribüne(n). Schon zu seinem Amtsantritt vor zwei Jahren - damals als Trainer und Sportdirektor in Personalunion - hatte der Rekord-Rapidler im krone.at-Interview gemeint: "Ich habe immer ein korrektes Verhältnis zu den Fans gehabt, war aber nie so ganz nah dran."

Schlechte Voraussetzungen
Das Verhältnis blieb korrekt - es wurde aber nie herzlich. Schon allein der unwirtlichen Startbedingungen wegen, unter denen sich Schöttel in das Abenteuer Rapid-Cheftrainer stürzen musste. Nach dem Platzsturm und den als Reaktion des Vereins darauf verhängten "Sanktionen" gegen die Fans waren Letztere beleidigt, verzichteten auf lautstarken Support der Mannschaft. Ein Umstand, der Schöttel naheging. Wochen-, ja monatelang flehte er die Fans geradezu an, die Spieler doch wieder in gewohnter Manier zu unterstützen.

Bis ihm die immer gleiche Leier offenbar zu kräfteraubend wurde. Als er als Sportdirektor zwischenzeitlich von Stefan Ebner abgelöst wurde, wollte Schöttel die Launen der Fans nicht mehr kommentieren: "Ich habe sehr wohl eine Meinung dazu, erlaube mir aber, sie nicht mehr öffentlich kundzutun, nachdem ich dafür nicht mehr zuständig bin."

Nur gemeinsam kann's gehen
Bis zu seinem Abschied ließ er die Fans in der Tat unkommentiert. Am Mittwoch aber konnte er sich den Seitenhieb dann doch nicht mehr verkneifen. Er setzte die Botschaft mit dem Brustton eines Erz-Rapidlers ab, der dem Verein glaubhaft das Allerbeste wünscht: "Rapid war in der Vergangenheit immer nur stark, wenn alle zusammenhielten." Diesen Luxus hatte Schöttel während seiner gesamten Zeit als Cheftrainer bei seinem Herzensklub nie.

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