Den rund 2.500 Fans, die nach einem Protestmarsch lautstark vor dem und nach der Pause im Stadion ihren Unmut über den Vorstand und vor allem auch Sportdirektor Schulte kundgetan hatten, schien der Sieg gar nicht so richtig ins Konzept gepasst zu haben.
Die nächsten Bewährungsproben der Hütteldorfer stehen mit dem Cup-Viertelfinale gegen Pasching (Dienstag) sowie dem prestigeträchtigen Wiener Derby (Sonntag in Favoriten) unmittelbar bevor. Sollte es in diesen Partien für die Truppe von Chefcoach Peter Schöttel schlecht laufen, wird sich an der explosiven Stimmung rund um den Verein wohl wenig ändern.
Kuhn "sehr betroffen"
"Ich bin sehr betroffen", sagte Rapid-Manager Werner Kuhn im Hinblick auf die Fanproteste, die auch gegen ihn gerichtet waren. Deutlich sein Fett von den Anhängern bekam auch Schulte ab, der erst mit Jahresbeginn seine Tätigkeit in Wien aufgenommen hatte. "Ich habe mich auf das Spiel konzentriert, die Rufe ('Schule raus', Anm.) habe ich nicht gehört", gab der Deutsche zu Protokoll.
Schulte: "Wünsche mir Unterstützung für die Mannschaft"
Schulte war sehr froh, zum ersten Mal in seiner jungen Ära über einen Sieg jubeln zu dürfen. "Wenn man nach neun sieglosen Spielen gewinnt, sollten sich alle freuen", sagte Rapids Sportdirektor. Dass dem nicht so war, war im Stadion zu merken. Schulte sieht in den Fans einen wichtigen Faktor für die Rückkehr auf die Erfolgsschiene. "Ich wünsche mir Unterstützung für die Mannschaft, dann kann sie auch leichter Fußball spielen", betonte der 55-Jährige, der die momentane Situation bei Rapid als "interessant und spannend" bezeichnete.
Schöttel "erleichtert"
Vorerst aufatmen konnte der in die Kritik geratene Schöttel. "Ich bin erleichtert, dass wir uns nicht nach zehn sieglosen Spielen befragen lassen müssen. Der Sieg tut dem Trainer und der Mannschaft sehr gut", sagte Rapids Coach. An Fanproteste hat er sich mittlerweile gewöhnt. "Proteste gibt es, seitdem ich Trainer bei Rapid bin, jetzt gerade sind sie sehr massiv. Umso schöner ist der Sieg, für die, die sich darüber freuen können", meinte Schöttel.
Seine Truppe schien aufgrund der fehlenden Erfolgserlebnisse und des Fanprotests stark verunsichert, blieb vor der Pause einmal mehr vieles schuldig. "In den letzten Besprechungen haben wir immer auch darüber gesprochen, was die Mannschaft im Stadion erwartet. Mir ist es anscheinend nicht gut gelungen, sie darauf einzustellen", gab sich Schöttel auch selbstkritisch.
Nach der Pause und dem Einzug der „Protest-Fans" ins Stadion präsentierten sich die Hütteldorfer deutlich besser, gestärkt durch die schnellen Tore von Markus Katzer (49.) und Deni Alar (57.). "Jetzt ist die Last einmal weg, die sieglose Serie ist wie ein Rucksack an uns gehängt", war Schöttel erleichtert.
Auch den Spielern war die Erleichterung anzumerken. "Es ist ein super Gefühl", sagte Michael Schimpelsberger nach dem ersten Rapid-Sieg seit 9. Dezember 2012. Den Ärger der Anhänger konnte er verstehen. "Das haben wir uns selbst zuzuschreiben", war sich der Außenverteidiger bewusst. Und Alar ergänzte: "Wir haben neun Spiele nicht gewonnen, da ist der Unmut natürlich groß. Wir haben dazu beigetragen, dass die Stimmung negativ ist."
Alar: "Sind nicht heraußen aus der Krise"
Dass nicht plötzlich alles wieder gut ist, war den Rapidlern trotz der Absicherung von Rang drei klar. "Wir sind jetzt nicht heraußen aus der Kiste. Es war ein kleiner Schritt nach vorne, es ist aber noch lange nicht alles gut", resümierte Alar. "Jetzt gilt es weiterzuarbeiten und am Dienstag wieder zu gewinnen", gab Katzer die Marschroute vor. Da gastiert Regionalliga-Mitte-Tabellenführer Pasching bei der Derby-Generalprobe im Hanappi-Stadion. "Wir haben jetzt ein Spiel gegen einen starken Gegner, aber einen Drittligisten. Da wollen und sollten wir gewinnen. Dann ist das Derby, soweit bin ich aber noch nicht", gilt dem Cup laut Schöttel die volle Konzentration.
Neustädter trauern vergebenen Punkten nach
Die Niederösterreicher ärgerten sich über die vergebene Chance, Punkte mitzunehmen, vor allem da sie vor der Pause besser waren und bei zwei guten Chancen auch in Führung gehen hätten können. "Wir haben tadellos gespielt, waren bei Standardsituationen und Flanken von der Seite aber nicht konsequent genug", sagte Heimo Pfeifenberger. "Es ist schade, weil mehr drinnen gewesen wäre", fügte der Coach des Tabellenvorletzten hinzu. Im Abstiegskampf hat sich für die Wiener Neustädter, bei denen Peter Hlinka seine 300. Bundesligapartie absolvierte, aber nicht wirklich etwas geändert, beträgt der Vorsprung auf Schlusslicht Wacker Innsbruck doch weiterhin drei Punkte.
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