Der steirische Negativ-Trend bei der Arbeitslosigkeit setzte sich auch im September fort: plus 14 Prozent im Vergleich zum Jahr davor! AMS-Chef Karl-Heinz Snobe rechnet mit einem fordernden Winter – und findet dennoch Gründe, die gegen übertriebenen Pessimismus sprechen.
Keine weitere Dramatik, aber auch keine Entspannung: So lassen sich die steirischen Arbeitsmarktzahlen für den September einordnen. „Der Trend der vergangenen Monate wurde fortgesetzt“, sagt AMS-Landesgeschäftsführer Karl-Heinz Snobe zur „Krone“. 32.310 Personen waren als arbeitslos gemeldet (plus 14 Prozent), dazu kommen 8226 Teilnehmer an Schulungen.
Was auffällt: Die absolute Zahl der Arbeitslosen ist niedriger als im August. „Dieses Muster gibt es jedes Jahr. Mit Schulbeginn sinkt die Zahl der Arbeitslosen etwas“, so Snobe. Das liegt vor allem an neuen Jobs im Bildungsbereich und Dienstleistungen im Umfeld (z.B. Busfahrer). Ab Oktober gehen die Zahlen dann aber stetig nach oben, Höhepunkt ist in der Regel der Jänner. Snobe: „Wir rechnen diesmal mit deutlich mehr als 40.000 Arbeitslosen.“
Weiter steigende Arbeitslosenzahlen bis 2025
Besonders betroffen von der steigenden Arbeitslosigkeit sind Männer, hier fällt der Anstieg mit 16,6 Prozent deutlich höher als bei Frauen (11,6 Prozent). Der einfache Grund: Die hauptbetroffenen Branchen sind weiterhin Bau und Industrie. Immerhin: Im Baubereich gibt es laut Snobe mittlerweile ein stabiles Niveau, „wir rechnen nicht mit weiteren massiven Freistellungen von Mitarbeitern. Aber es gibt auch keine neuen Einstellungen.“
Im Produktionsbereich sind 30 Prozent mehr Menschen als noch vor einem Jahr auf Jobsuche. Besonders schlimm ist bekanntlich die Lage im Automobilbereich. Hier geht das AMS von weiter steigenden Arbeitslosenzahlen bis weit ins Jahr 2025 hinein aus. Um die Folgen abzufedern, wurde ja die bestehende Regionalstiftung auch auf größere Unternehmen im Automobilbereich ausgeweitet. 500 Plätze für Weiterbildungsmaßnahmen stehen zur Verfügung.
Neue Auto-Stiftung: Magna Powertrain steigt ein
Als erstes Unternehmen wird sich Magna Powertrain aus Lannach an der Stiftung beteiligen. 200 Mitarbeiter werden dort abgebaut (die ersten Kündigungen erfolgen mit 17. Oktober), ein Teil der Betroffenen soll in der Stiftung ausgebildet werden. Snobe rechnet aufgrund der Kündigungsfristen mit den ersten Eintritten in die Stiftung im Spätherbst. Auch mit anderen interessierten Firmen werden Gespräche geführt.
AMS-Chef Snobe sieht trotz der aktuellen Entwicklungen nicht nur Pessimismus angebracht, denn trotz der Tatsache, dass Österreichs Wirtschaft seit dem Vorjahr nicht mehr wächst, explodieren die Zahlen nicht. Die Unternehmen sind – abgesehen vom Automobilbereich – weiterhin zögerlich mit Kündigungen. „Alle haben Angst, dass sie kein Personal bekommen, wenn es wieder aufwärts geht. Sie horten wie die Hamster und fahren auf Sicht.“
Und ein kleiner Lichtblick: Unternehmen tun sich derzeit leichter, Personal zu finden. Dauerte es im Vorjahr noch im Schnitt 83 Tage, bis eine offene Stelle besetzt werden konnte, sind es jetzt nur noch 69.
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