Entschädigung
USA: Verwahrloster Häftling erhält 15,5 Millionen Dollar
Im Jahr 2005 setzte sich der 59-jährige Stephan Slevin ins Auto, um planlos durchs Land zu fahren. Er wurde dabei von der Polizei wegen Alkohol- und Drogenmissbrauchs am Steuer aus dem Verkehr gezogen und ins Dona Ana County Jail in New Mexico gesteckt - damit begann sein persönlicher Albtraum.
Nach kurzer Zeit in der Haftanstalt wurde er in einer Gummizelle untergebracht, wo er nur mit einem Kittel bekleidet ausharren musste. "Es war eine Horrorversion einer Ausnüchterungszelle", erklärte sein Anwalt Matt Coyte.
Anschließend wurde er zur medizinischen Überwachung in einer etwas hochwertigeren Zelle einquartiert, mit einer Dusche, einem Fenster und einer Toilette. Doch von dort ging es dann gleich weiter in Einzelhaft, wo er 22 Monate absitzen musste. Laut Angaben der Gefängnisdirektion soll er auf eigenen Wunsch in Isolationshaft gewesen sein, sein Anwalt sieht dies allerdings anders.
"Man hätte ihn aus der Zelle holen müssen"
In den ersten drei Monaten kam Slevin in seiner Einzelzelle noch relativ gut zurecht. Er war noch fähig, Briefe an seine Schwester zu verfassen, auch wandte er sich schriftlich an die Gefängnisverantwortlichen und bat um Hilfe. Er meinte, er brauche medizinische Unterstützung, da er Schlafstörungen habe und Panikattacken bekomme. "Da hätte man ihn aus der Zelle holen müssen", so sein Anwalt. Slevin wackelte demnach mit seinem Oberkörper nur noch vor und zurück und war verwirrt. Doch von Jänner 2006 bis Mai 2007 schien das niemanden zu interessieren.
In diesem Zeitraum kam Slevin kaum aus seiner Zelle. Zu Beginn noch ein paar Mal im Monat, dann auch wieder vier Monate lang gar nicht. Obwohl er Essen und Medikamente erhielt, magerte er ab, sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Er hatte einen Pilz auf der Haut, seine Zähne verrotteten in seinem Mund und er verfiel in ein Delirium.
Nach kurzer Erholungspause ging es zurück in den "Kerker"
Als sein Fall dann endlich vor Gericht kam, gab es nur ein langes Hin und Her - zu einem Urteil kam es nicht, dafür kam Slevin wieder zurück in seine Zelle. Am 8. Mai 2007 wurde ihm eine kurze Erholungsphase gegönnt. Er wurde in eine medizinische Haftanstalt nach Las Vegas geschickt, wo er resozialisiert wurde. Als Slevin wieder bei klarem Verstand war, war er schockiert, dass er schon seit fast zwei Jahren in Haft war. Er dachte, lediglich ein paar Monate eingesperrt gewesen zu sein.
Aber die Aufregung darüber war schnell wieder vergessen, denn schon nach zwei Wochen ging es für ihn wieder zurück ins Dona Ana County Jail. In seiner Isolationszelle wurde er dann sofort wieder desorientiert. Außerdem hatte er eine Entzündung an einem Zahn, bekam aber keine medizinische Behandlung - stattdessen riss er sich den Zahn selbst.
Anklage fallen gelassen - Kampf um Gerechtigkeit
Der Albtraum endete am 22. Juni 2007, als die Anklage gegen ihn fallen gelassen wurde. Nur drei Tage später konnte ihn seine Schwester aus dem Gefängnis abholen.
Aufgrund der erlittenen Qualen wollte Slevin sofort vor Gericht ziehen. Mithilfe seines Verteidigers schaffte er es, zu seinem Recht zu kommen. In einem ersten Verfahren wurden ihm 22 Millionen Dollar als Entschädigung zugesprochen (siehe Infobox), der Betrag wurde in einem Berufungsprozess herabgesetzt und Slevin erhält nun 15,5 Millionen Dollar.
Slevin mit Lungenkrebs-Diagnose konfrontiert
Im Laufe des Verfahrens wurde Slevins Leben aber noch einmal erschüttert: Ärzte diagnostizierten Lungenkrebs bei dem Ex-Häftling und gaben ihm nur noch ein Jahr zu leben. Doch bei seiner Willenskraft bleibt die Hoffnung, dass er auch diesen Kampf gewinnen kann.
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