Nach 1:2 beim WAC

Rapid am Boden: “Es ist frustrierend, einfach schwach”

Sport
04.03.2013 10:37
Nach der 1:2-Niederlage gegen die Austria zum Frühjahrsauftakt gab die gute Leistung Hoffnung, nach dem 3:3 in Salzburg die Moral, nach dem 1:1 gegen Sturm immerhin noch der dritte Tabellenplatz. Nach dem blamablen 1:2 Rapids am Sonntag gegen den WAC, der dritten Pleite im dritten Saisonduell mit dem Aufsteiger, hatte der grün-weiße Zweckoptimismus aber endgültig ausgedient. "Das ist frustrierend und enttäuschend", sagte Sportdirektor Helmut Schulte. "Einfach schwach", ergänzte Trainer Peter Schöttel.

Dabei gab es für die Rapid-Fans durchaus Grund zum Feiern. Der Führungstreffer durch Guido Burgstaller zum 1:0 in der zehnten Minute war der allererste gegen Aufsteiger WAC. Zuvor hatte es zwei Zu-null-Niederlagen gesetzt. Sinnbildlich für das derzeitige Hütteldorfer Malheur, dass ein Tor gegen einen Aufsteiger schon als Erfolg verbucht werden muss.

Der erhoffte spielerische Aufschwung durch die wiedervereinte Achse Hofmann-Boskovic blieb (vorerst) aus. Dass mit den wenigen herausgespielten Torchancen auch noch fahrlässig umgegangen wird, raubt Trainer Schöttel schon seit dessen Amtsantritt als Cheftrainer die Nerven. Auch in Kärnten ließ Burgstaller zwei gute Möglichkeiten aus. Fatal in der derzeitigen Situation.

"Rückhalt wurde zum Durchhaus"
Und seit der Frühjahrssaison schwächelt nun auch noch die Abwehr, bis vor Kurzem noch das grün-weiße Prunkstück. Gerson ist jederzeit für einen Schnitzer gut, Sonnleitner und Pichler "brillieren" mit schlechtem Stellungsspiel - Unsicherheit überall. "Der Rückhalt verwandelte sich in ein Durchhaus", schreibt "Krone"-Rapid-Experte Peter Linden in der Montagsausgabe. "Letzte Saison erkämpfte Rapid dank einer stabilen Abwehr Platz zwei. Auch im Herbst konnte sich Grün-Weiß auf die Defensive verlassen - in 20 Runden nur 16 Treffer kassiert, gemeinsam mit der Austria die wenigsten. Aber heuer ist alles anders - in vier Runden acht Verlusttore."

Schöttel: "Einfach schwach"
Ein Umstand, der Trainer Schöttel ein wenig ratlos wirken ließ. "Ich bin im Herbst oft kritisiert worden, dass es nicht attraktiv genug ist. Dafür waren die Ergebnisse in Ordnung", erinnerte Schöttel. "Jetzt versuchen wir, selbst initiativ zu sein. Wenn wir mit mehr Offensivspielern aber nicht mehr in die Zweikämpfe gehen, werden wir das ändern", raunzte er nach der Pleite in Kärnten. Er habe das Gefühl, dass einige Spieler in den Zweikämpfen nicht alles geben: "So zu agieren, ist einfach schwach."

Schulte kritisiert Führungsspieler
Sportdirektor Schulte nahm vor allem die Führungsspieler in die Pflicht: "Es ist unverständlich, dass erfahrene Spieler solche Fehler machen." In numerischer Überlegenheit fehlte nicht nur die Passgenauigkeit, sondern auch die Kreativität. Schulte: "Mit der Qualität, die wir auf dem Platz haben, da muss uns mehr einfallen. Wir waren nicht gut genug, um dieses Spiel zu gewinnen."

Im Gegensatz zu den vergangenen Spielen nahm der Sportchef diesmal nicht auf der Rapid-Bank Platz, sondern verfolgte das Geschehen von der Tribüne aus. "Wir haben zu keiner Zeit die Dominanz gezeigt, die wir uns gewünscht haben. Das ist enttäuschend", erkannte Schulte. "Wir sind unserer Favoritenrolle nicht gerecht geworden."

Dank schwacher Konkurrenz noch auf Platz drei
Nach der Performance am Sonntag mutet es geradezu grotesk an, dass Rapids Hoffnungen auf einen Europacupplatz immer noch höchst realistisch sind. Weil Sturm Graz einen ebenso miserablen Start ins Frühjahr hinlegte, rangieren die Hütteldrofer weiter auf Platz drei - drei Punkte vor den Steirern und komfortable neun Punkte vor den ebenfalls alles andere als überzeugenden Riedern. 

Laut Schulte werde sogar noch nach oben geschaut. Auf Meister Salzburg fehlen fünf Punkte - allerdings bei zwei Spielen mehr. "Aber es ist kein Wunschkonzert", sagte der Deutsche, der in seiner Amtszeit noch keinen Rapid-Sieg bejubeln durfte. "Wir stehen auf dem dritten Platz. So wie wir spielen, gehören wir dort auch hin."

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