Do, 21. Juni 2018

Aufatmen in Pulkau

06.12.2012 18:35

"Seit Jahren lastet Julias Schicksal schwer auf uns"

Aufatmen beim "Krone"-Lokalaugenschein in der malerischen Weinviertel-Stadt Pulkau im nördlichen Niederösterreich: Es scheint, als ob der 1.568-Seelen-Ort von einem dunklen Schatten befreit worden wäre. Die neuerliche Wende im Kriminalfall Julia Kührer sorgt für große Erleichterung.

Dennoch bleibt ein Unbehagen. Noch sind nicht alle Fragen geklärt. "Ich finde es gut, dass es jetzt endlich einen Erfolg gibt. Mir kam der Beschuldigte immer schon merkwürdig vor", sagt Friederike P. (88). Die Nachricht über die neuerliche Verhaftung des Hauptverdächtigen jagte wie ein Lauffeuer durch die kleine Stadt.

"Seit sieben Jahren lastet das Schicksal der armen Julia schwer auf uns. Es wäre auch für ihre Familie von großer Bedeutung, wenn endlich Gewissheit herrschen würde", sagt Katharina D. (28) von der örtlichen Konditorei.

"Hoffen, dass der Albtraum zum Abschluss kommt"
Allein die Tatsache, dass der Hauptverdächtige seine Videothek am Rathausplatz in Sichtweite von Julias Haus in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zugesperrt hatte und quasi Hals über Kopf wegzog, kam vielen sonderbar vor. "Wir alle hoffen jetzt, dass dieser Albtraum zu einem Abschluss kommt", so die Friseurin Natascha K.

Julias Vater selbst hält sich im Gespräch mit der "Krone" noch bedeckt: "Ich möchte erst etwas sagen, wenn endgültig Klarheit herrscht", bittet Anton Kührer um Verständnis.

Leichtes Schneetreiben legt sich über Pulkau und dämpft die Geräusche in einer Stadt, die endlich zur Ruhe kommen möchte.

Ex-Freund: "Julia sprach viel mit Michael"
Unterdessen wird der Mordverdächtige Michael K. weiter von der Polizei verhört. Noch leugnet er, etwas mit dem grausamen Tod Julia Kührers zu tun zu haben. Nach seiner Entlassung im Jahr 2011 wollte er in einem TV-Interview noch die Flucht nach vorne antreten. "Ich kannte sie kaum. Ich habe sie ein paar Mal auf der Straße gesehen - aber sie hat nie zurückgegrüßt", erklärte K. vor laufender Kamera.

Doch schon damals wollte Julias Ex-Freund eine andere Wahrheit kennen: "Die beiden haben viel miteinander geredet, sie hat ihm so ziemlich alles erzählt - er wusste von ihren Problemen."

Tschechien-Alibi durch Handypeilung geplatzt
Auch sein mittlerweile widerlegtes Alibi verteidigte K. damals noch eisern: "Am Tag ihres Verschwindens war ich mit einem Freund in Tschechien, um Videofilme einzukaufen." Ernst Geiger vom Bundeskriminalamt: "Das stimmt nicht. Wir wissen anhand der Handypeilung, dass sich der Verdächtige zum Zeitpunkt des Verschwindens von Julia Kührer am Hauptplatz von Pulkau aufhielt. Dort, wo das Mädchen auch zum letzten Mal lebend gesehen wurde."

Auch für den Leichenfund hatte der Verdächtige schon vor über einem Jahr eine für ihn logische Erklärung: "Irgendjemand muss sie in meinem Keller abgelegt haben. Die Jugendlichen aus dem Ort hatten jederzeit Zutritt zu meinem Grundstück." Für Ermittler Geiger ebenfalls sehr unglaubwürdig: "Das Grundstück war von einer Mauer umgeben, das Einfahrtstor war mit einem schweren Schloss versperrt - und er hatte zwei sehr scharfe Hunde."

Moderne DNA-Analyse half
Doch die Indizienkette war dem Staatsanwalt 2011 zu wenig - zumal auch die Decke, die bei Julias sterblichen Überresten gefunden wurde, keine Beweise, keine DNA-Spuren, liefern konnte. Doch jetzt platzte die Bombe: Dank einer modernen DNA-Analyse-Methode brachte man Michael K. doch noch direkt mit der Leiche in Verbindung: Auf einem verkohlten Fragment der Decke stellte man Hautschuppen des Verdächtigen sicher. Erneut klickten für den 51-Jährigen in Wien die Handschellen.

Dennoch spielt er weiterhin das Unschuldslamm, von einem Geständnis will er nichts wissen - und laut seinem Anwalt Farid Rifaat könnten die Spuren auch von einem seiner Hunde übertragen worden sein.

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