„Ausnahmejahr“

Post setzt auf Wahlen, Paketboom und Bankgeschäft

Wirtschaft
25.06.2024 15:35

Mit einem Ausnahmejahr im Briefgeschäft rechnet heuer Post-Generaldirektor Georg Pölzl. „Wir hatten AK-Wahl, EU-Wahl, bald folgen Nationalrats- und zwei Landtagswahlen. Da es immer mehr Wahlkartenwähler gibt, profitieren auch wir.“

Der Trend, dass die Briefmenge jedes Jahr um rund fünf Prozent schrumpft, dürfte daher heuer weniger stark wirken. Grundsätzlich aber ist das frühere Kerngeschäft stark rückläufig. „Bei meinem Antritt bei der Post 2009 hatten wir gut 1,1 Milliarden Briefe, jetzt ist es die Hälfte“, so Pölzl im Gespräch mit der „Krone“, der nach 15 Jahren Ende September den Chefsessel an Vorstandskollegen Walter Oblin übergibt.

Gleich vervierfacht hat sich in dieser Zeit hingegen der Paketbereich. „Wir sind da von 50 Millionen auf zuletzt über 200 Millionen Sendungen im Jahr gewachsen, und das wird so weiter gehen. Zum Glück haben wir frühzeitig die Kapazitäten der Verteilzentren mehr als verdreifacht auf jetzt 138.000 Pakete pro Stunde. Sonst hätte es uns schon während Corona aus der Kurve gehauen.“

Post-General Georg Pölzl (Bild: Christian Fischer)
Post-General Georg Pölzl

Zusätzliche Herausforderung ist, dass 80 Prozent der Paketsendungen aus dem Ausland zu uns hereinkommen. Neben Irland hat Österreich den größten Zustrom in Europa, „das liegt am großen gleichsprachigen Nachbarn Deutschland. Direkt aus China kommen fünf Prozent der Packerl mit starkem Wachstum.“ Neu ist daher der Service „Alles Post Deutschland“, bei dem man sich von Versendern, die nicht nach Österreich liefern, über Deutschland sein Paket zustellen lassen kann.

In Summe änderte sich das Post-Geschäft dadurch völlig: Im Jahr 2009 machte der Paket- und Logistikbereich 13 Prozent des Konzernumsatzes aus, zuletzt waren es erstmals 51 Prozent, und bald werden es 60 Prozent sein, rechnet Pölzl. Umgekehrt machen Briefe und Werbesendungen statt früher 76 Prozent nur mehr unter 40 Prozent aus. Beigetragen hat da die internationale Expansion nach Südosteuropa und vor allem der Türkei. Die dortige Tochter Aras Kargo ging als Nächstes nach Aserbaidschan weiter.

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Wir sind im Paketbereich von 50 Millionen auf zuletzt über 200 Millionen Sendungen gewachsen.

Post-Chef Georg Pölzl

Um in Österreich klar Marktführer zu bleiben, werden etwa Selbstbedienungs-Stationen ausgebaut („wir wollen in Ballungszentren in ,Schlapfendistanz‘ alle 700 Meter eine haben“), dazu kommen Innovationen wie Zustellung direkt in SB-Boxen oder ins Vorzimmer, auch wenn man nicht zu Hause ist.

Zweiter Wachstumsbereich wird die bank99 sein, rechnet der Post-Chef. „Das wird ein sehr wichtiger Ertragsbringer. In Italien, Frankreich und Portugal steuern die Banken bis über 50 Prozent des Post-Gewinns bei.“

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Wir wollen in Ballungszentren in ,Schlapfendistanz‘ alle 700 Meter eine SB-Station haben.

Post-Chef Georg Pölzl

Hoch profitabel ist das frühere Amt ohnehin. Im Vorjahr verdiente man bei 2,7 Milliarden Euro Umsatz operativ 392 Millionen Euro. Neben den Aktionären um die Staatsholding Öbag (hält 52,8 Prozent), die seit dem Börsengang 2006 gut verdienten, profitieren auch die Mitarbeiter. Sie bekamen im Vorjahr bereits je 813 Euro als Erfolgsprämie.

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