Die Fans protestierten auch im Ried-Match lautstark gegen die Klubführung, die auf der Suche nach einer Lösung in der Stadionfrage und nach einem neuen Sportdirektor bisher keine konkreten Ergebnisse lieferte. Die Mannschaft wirkt aufgrund der angespannten Stimmung und der zahlreichen Negativerlebnisse in den vergangenen Wochen nach wie vor verunsichert - bestes Beispiel dafür waren die letzten Minuten gegen die Innviertler, als fast noch ein 4:1-Vorsprung verspielt wurde.
Pichler-Experiment ging nicht auf
"Es ist mir unerklärlich, warum es noch so knapp geworden ist", sagte Schöttel, ließ dann aber doch anklingen, dass eine mentale Müdigkeit durch die ständige Doppelbelastung dafür verantwortlich sein könnte. Der fehlerhafte Spielaufbau hatte damit aber nichts zu tun - im 4-1-4-1-System konnte Harald Pichler die ihm zugedachte Rolle als Schnittstelle zwischen Offensive und Defensive nicht wie erhofft ausfüllen. "Das muss ich auch auf mich nehmen. Ich habe es sehr mutig versucht mit zwei Offensiven im Zentrum, da war Pichler oft allein und manchmal überfordert", gab der Coach zu.
Halbwegs korrigiert wurde dies in der Pause durch die Einwechslung von Markus Heikkinen für Steffen Hofmann, der laut Schöttel noch immer an den Nachwirkungen eines Schlags auf den Oberschenkel vor einer Woche gegen die Admira laboriert. "Er hat die ganze Woche normal trainiert und dann vor dem Spiel gesagt, dass er Probleme hat. In der Pause ist es nicht mehr gegangen", sagte Schöttel.
Alar trifft "praktisch alles"
Für den Kapitän sprang ein anderer in die Bresche: Deni Alar avancierte mit einem Triplepack zum Matchwinner. "Ich habe Selbstvertrauen und treffe derzeit praktisch alles", jubelte der Steirer. Von Schöttel gab es Sonderlob: "Er ist aus der zweiten Reihe hinter einem Stoßstürmer sehr effektiv, weil er schlau ist und einen Instinkt hat."
Der 22-Jährige führte mit seiner Glanzleistung den Spielverlauf ad absurdum. Bei Torschüssen (23:13), Eckbällen (10:7), Ballbesitz (53:47 Prozent) und gewonnenen Zweikämpfen (53:47) dominierten die Rieder, nur bei den begangenen Fouls hatte Rapid die Nase vorn. "Aber diese Statistiken kann ich mir aufpicken, die nützen mir überhaupt nichts", ärgerte sich Interimscoach Gerhard Schweitzer.
Rieder hadern mit dem Schiri
Den Oberösterreicher brachte auch die seiner Meinung nach starke Bevorzugung Rapids durch Schiedsrichter Alexander Harkam zur Weißglut. "Matchwinner" sei in diesem Zusammenhang Schöttel gewesen, weil er gemeinsam mit Hofmann "Feuer in die Partie" gebracht hätte. "Und dann gibt es eben Entscheidungen gegen uns", meinte Schweitzer. Der Trainer zweifelte die Berechtigung des Rapid-Elfmeters an und sah vor dem vierten Tor der Hütteldorfer ein Handspiel von Terrence Boyd.
Schöttel ging auf die Vorwürfe von Schweitzer nicht ein, sprach aber ebenfalls von einem glücklichen Rapid-Sieg. "Wir haben die Tore in den richtigen Momenten erzielt. In den entscheidenden Momenten hatten wir das Quäntchen Glück." Das werden die Grün-Weißen wohl auch am Donnerstag in der Europa League gegen Metalist Charkiw und in den restlichen Liga-Partien des Jahres benötigen - ausschließlich durch spielerische Stärke kann Rapid derzeit nämlich nicht zum Erfolg kommen. "Für uns gilt es jetzt, so viele Punkte wie möglich zu machen. Die schönen Spiele wird es bis zur Winterpause nicht geben", kündigte Schöttel an.
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