Ausblick auf NR-Wahl

FPÖ: Potenzial ausgeschöpft – oder geht noch mehr?

Politik
10.06.2024 14:55

Viele Politexperten sahen in der geschlagenen EU-Wahl einen Probelauf für die bevorstehende Nationalratswahl im Herbst. So gesehen hat die FPÖ diesen Test mit der Schulnote 1 bestanden. Wohin aber führt die Reise der Freiheitlichen? Geht da für die Blauen noch mehr als die 25,7 Prozent vom Sonntag - oder haben sie damit ihr Potenzial bereits ausgeschöpft?

Platz 1 bei der EU-Wahl – erstmals ging die FPÖ bei einer bundesweiten Wahl in Österreich als Erste durch die Ziellinie. Spitzenkandidat Harald Vilimsky nahm damit ein Votum für mehr nationale Selbstbestimmung wahr. Die Angstkampagne der Konkurrenz sei ins Leere gelaufen.

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Es war ein starkes rot-weiß-rotes-Zeichen. Der stringente Kurs hat sich ausgezahlt. Die Menschen sehen, dass wir nicht heute das und morgen was anderes sagen, sondern immer das Gleiche. 

FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky

Noch drei Wahlen im heurigen Jahr
Heuer stehen im Herbst noch Landtagswahlen in der Steiermark und Vorarlberg sowie als Höhepunkt die Nationalratswahl an. Bei Letzterer führt die FPÖ konstant in allen Umfragen.

Blauer Jubel: EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky und der freiheitliche Bundesparteiobmann Herbert Kickl sehen die FPÖ auf dem Vormarsch. (Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)
Blauer Jubel: EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky und der freiheitliche Bundesparteiobmann Herbert Kickl sehen die FPÖ auf dem Vormarsch.
Harald Vilimsky und Herbert Kickl (Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)
Harald Vilimsky und Herbert Kickl
(Bild: Antal Imre)
Harald Vilimsky (Bild: Antal Imre)
Harald Vilimsky
(Bild: Imre Antal)
Norbert Hofer (Bild: Antal Imre/Imre Antal)
Norbert Hofer
(Bild: Imre Antal)

FPÖ: Bundesweiter Rekord liegt bei 27,5 Prozent
Dennoch: Platz 1 ist nicht in Stein gemeißelt, zumal die Gefahr besteht, dass die FPÖ womöglich ihr Protestwählerpotenzial am Sonntag bereits ausgeschöpft hat. Möglich, dass viele blaue Wähler im Herbst dann nicht mehr ihr Kreuz bei den Freiheitlichen machen.

Anmerkung: Am Sonntag erreichte die FPÖ 25,7 Prozent, ihr Rekordergebnis bei einer bundesweiten Wahl liegt bei 27,5 Prozent (EU-Wahl 1996). 

Die Ergebnisse der EU-Wahl im Detail: Wo die neuen Hochburgen liegen und wie in Österreich abgestimmt wurde, sehen Sie in der folgenden Grafik. Dabei können Sie zwischen der Bundesländer- und der Gemeindeansicht wechseln.

Im freiheitlichen Haus herrscht großer Optimismus
Die Sorge, dass Wähler in den nächsten Monaten wieder davonlaufen könnten, hat Vilimsky nicht. „Ganz im Gegenteil. Ich habe keine Angst, sondern sehr, sehr viel Hoffnung, dass wir mit dem Fundament, das wir jetzt gebaut und errichtet haben, dieses freiheitliche Haus Zug um Zug weiter ausbauen können. Und dass es eine Wählergröße ist, die von kritisch-positiver Reform getragen ist. Diese positive Reform wollen wir jetzt in die Nationalratswahl hineinbringen“, betonte der blaue EU-Spitzenkandidat am Wahlabend im ORF.

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Ich habe sehr viel Hoffnung, dass wir mit dem Fundament, das wir jetzt gebaut und errichtet haben, dieses freiheitliche Haus Zug um Zug weiter ausbauen können.

Harald Vilimsky

Und er fügte hinzu: „Ich glaube schon, dass da sehr viel Substanz vorhanden ist und nicht nur Wähler, die uns kurzfristig ihre Stimme gegeben haben und für sich gesagt haben, sie wollen jetzt nur einmal ihren Protest gegen die Regierung abgeben. Mag sein, dass das der Eine oder Andere gemacht hat, aber die überwiegende Mehrheit setzt in uns irrsinnige Hoffnungen.“

Fast 70% der FPÖ-Wähler wollen auch im Herbst fix blau wählen
Parteichef Herbert Kickl feierte am Sonntag „demütig“ ein „historisches Ergebnis“ und sah ein „Etappenziel“ erreicht. Hoffnungsfroh stimmt die Freiheitlichen wohl eine Wahltagsbefragung für ATV/Puls24. 69 Prozent der Personen, die bei der EU-Wahl FPÖ gewählt haben, wollen dies demnach nämlich sicher auch bei der Nationalratswahl tun. Das ist mit Abstand der beste Wert aller Parteien.

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Ich bin sicher, dass die FPÖ den ersten Platz halten wird.

OGM-Chef Wolfgang Bachmayer

„Die Wähler sind beweglich, Ende nie“
Aber: Die Wähler seien „beweglich, Ende nie“, warnte Meinungsforscher Peter Hajek am Montag. Früher hätte etwa eine Liste DNA keine drei Prozent aus dem Stand geholt. Die EU-Wahl war laut Hajek vor allem eine „Denkzettel-Wahl“. Die Ausgangssituation im Herbst sei zwar eine andere, aber es werde ein „ähnliches Ergebnis“ erwartet.

Experten sehen FPÖ auch bei NR-Wahl als Favorit
„Die Freiheitlichen sind sicher weiter Favorit aufgrund der Themenlage, aufgrund der höheren Wahlbeteiligung bei der Nationalratswahl“, meinte Polit-Experte Thomas Hofer. Allerdings sei aufgrund des knappen Abstands zu Platz zwei und drei „rein auf Motivationsebene schon wieder mehr möglich“ für ÖVP und SPÖ, fügte Hofer hinzu.

Höhere Wahlbeteiligung im Herbst wahrscheinlich
„Die Chancen der Freiheitlichen, den ersten Platz zu behalten, sind gegeben“, sagte auch OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. Bei der Nationalratswahl hätte die FPÖ aufgrund einer vermutlich höheren Wahlbeteiligung sogar besser Voraussetzungen als bei der EU-Wahl. Die freiheitliche Wählerschaft „war noch nie an der EU-Wahl orientiert“, erklärte Bachmayer. „Ich bin sicher, dass die FPÖ den ersten Platz halten wird“, betonte er in Bezug auf Herbst.

FPÖ gewann meisten Stimmen von ÖVP und Nichtwählern
Übrigens: Die FPÖ holte am Sonntag die meisten ihrer neuen Stimmen aus dem ÖVP-Lager: Von den 1,3 Millionen türkisen Wählern aus dem Jahr 2019 entschieden sich rund 221.000 dieses Mal für Blau. Punkten konnte die FPÖ auch bei den Nichtwählern, von denen sie rund 100.000 Stimmen lukrierte, wie aus der Wählerstromanalyse von ORF/FORESIGHT hervorgeht. Und 76 Prozent der blauen Wähler von 2019 kreuzten neuerlich die FPÖ an – der Bestwert unter allen Parteien.

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