Er galt als Blutrichter, als der „Henker in roter Robe“. Der Nazi-Richter Roland Freisler selbst sah sich als Feldherr im Gerichtssaal, die Justiz war seine „Panzertruppe der Rechtspflege“, um zum Vollstrecker des NS-Unrechtssystems zu werden. Er ebnete diesen Weg mit einer radikalen, illegitimen „Säuberung“ der Justiz von Gegnern der Nazis und war auch bei der Wannseekonferenz dabei. Am Volksgerichtshof sprach er rund 2600 Todesurteile aus, darunter gegen die Geschwister Scholl und die Verschwörer des 20. Juli 1944. „Der Freisler wird das schon machen“, war Hitler von seinem treuen Henker überzeugt. „Der düsterste, brutalste und blutigste Richter der gesamten deutschen Justizverwaltung“, urteilte später das Nürnberger Tribunal über Freisler.
Dieser Blutrichter ist eines der Vorbilder des umstrittenen AfD-Mannes Matthias Helferich, der sich selbst einmal als „demokratischer Freisler“, als das „freundliche Gesicht des Nationalsozialismus“ bezeichnete. Helferich, der sich auch brüstete, blaue Kornblumen zu züchten, ein Erkennungszeichen der österreichischen Nazis, ist mittlerweile selbst der AfD zu rechtsextrem.
Am Freitag darf er hingegen laut Ö1 bei der FPÖ-nahen Burschenschaft Aldania in Wien eine Rede halten. Namhafte Wiener Freiheitliche wie Dominik Nepp sind dort Mitglieder. Und dass sie sich bislang von diesem Gastredner nicht distanziert haben, darüber sollte man sein Urteil an der Wahlurne fällen.
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